Wahlbarometer: Grünliberale und Grüne legen zu – FDP stürzt ab
Wähleranteil gemäss der Umfrage
Wähleranteil gemäss der Umfrage
Prozent
Quelle: SRG
Warten auf die nächsten Eidgenössischen Wahlen: 66 leere Urnen der Stadt Bern am 19. Oktober 2003. (Bild: Keystone )
Veränderungen seit der letzten Umfrage
Veränderungen seit der letzten Umfrage
Prozent
Quelle: SRG
Zwei Drittel wollen den Atomausstieg
Fukushima prägt den Wahlkampf; das Atom-Thema ist in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt. Gemäss SRG SSR Wahlbarometer wünschen sich knapp zwei Drittel der Befragten bis in 20 Jahren einen Ausstieg aus der Atomenergie.
Gut ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer sind davon überzeugt, 30 Prozent sind «eher dafür». Nur 8 Prozent der Befragten gaben an, «klar» gegen den Atom-Ausstieg zu sein, 19 Prozent waren «eher dagegen».
Das Forschungsinstitut gfs.bern geht aufgrund der Antworten davon aus, dass ein Ausstieg in Etappen aus der Atomenergie mehrheitsfähig ist. Nicht mehrheitsfähig ist gemäss Analyse der schnelle Totalausstieg.
Bei den Grünen finden sich mit 93 Prozent die meisten Befürworter eines Atom-Ausstiegs. Bei den Wählenden der Grünliberalen wollen 84 Prozent den Ausstieg, bei der SP 78 Prozent. Bei der CVP finden sich noch 63 Prozent Ausstiegsbefürworter, bei der SVP 58 und bei der FDP 57 Prozent.
Die BDP, die sich als erste bürgerliche Partei explizit für einen geordneten Ausstieg aus der Kernenergie ausgesprochen hat, zählt am wenigsten Atom-Aussteiger in ihren Reihen - 51 Prozent. (sda)
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Der Fukushima-Effekt zeigt auch national seine Wirkung: Wäre am 10. April gewählt worden, hätten die Grünen und die Grünliberalen deutlich zugelegt. Das Wahlbarometer der SRG SSR bestätigt den Trend der letzten kantonalen Wahlen in Zürich, Luzern und im Tessin: Die Grünliberalen haben ein halbes Jahr vor den eidgenössischen Wahlen erneut zugelegt und kommen auf einen Wähleranteil von 5,7 Prozent – im Januar hatte das Wahlbarometer noch 5,2 Prozent vorausgesagt.
Auch die Grünen profitieren vom Fukushima-Effekt und steigern sich gegenüber der Umfrage von Mitte Januar um 2,1 Prozentpunkte auf 10,9 Prozent. Bei den kantonalen Wahlen in Zürich und Luzern hatten die Grünen noch stagniert. Die BDP legt im Wahlbarometer um 0,9 auf 3,5 Prozent zu. Die kleine Mittepartei hatte sich nach der Atomkatastrophe als erste bürgerliche Partei zum Atomausstieg bekannt.
FDP stürzt ab
Unter die Räder kommt die FDP, die gegenüber der letzten Umfrage 2,5 Prozentpunkte einbüsst und noch 15,2 Prozent der Wähler hinter sich vereinen kann. Die Wähler seien ihr auf alle Seiten davongelaufen, stellen die Forscher vom Institut gfs.bern, welche die Umfrage durchführten, fest. Bei einem Teil der FDP-Wählerschaft mache sich sogar Demotivation bemerkbar.
Weiter Federn lassen müssen auch die CVP und die SP. Den beiden Parteien gelang es jedoch, ihren Sinkflug etwas abzubremsen: Die CVP verliert noch einmal 0,2 Prozentpunkte und kommt auf 12,7 Prozent. Auch die CVP-Stammwähler seien demotiviert, halten die Forscher fest.
Um 0,3 Prozentpunkte schrumpft die SP auf neu 17,7 Prozent. Die Linkspartei schaffte es offenbar nicht, ihre Anti-AKW-Politik in Wählerstimmen umzumünzen. Sie verliert Anhänger an die Grünen, Grünliberalen und die BDP.
Unverwüstliche SVP
Scheinbar unbeeindruckt von der Atomkatastrophe in Japan setzt die SVP ihren Siegeszug fort: Sie kommt auf 29,9 Prozent - das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Umfrage.
Der SVP gelingt es weiterhin, Neuwähler sowie solche von FDP und CVP für sich zu gewinnen. Dies obwohl die traditionellen SVP-Themen Ausländer und EU die Wähler weniger beschäftigen als noch im Januar. Die Umweltproblematik hat das Thema Migration/Ausländer im Sorgenbarometer vom Spitzenplatz verdrängt.
Umwelt beschäftigt am meisten
47 Prozent der Befragten gaben die Umwelt als dringendstes Problem an - im Januar 2011 waren es bloss 12 Prozent. 33 Prozent brennt das Thema Migration/Ausländer unter den Nägeln. Die EU beschäftigte 7 Prozent und liegt damit auf dem 6. Platz - hinter Krankenkassen/Gesundheit (17 Prozent), AHV/soziale Sicherheit (16 Prozent) und Arbeitslosigkeit (15 Prozent).
Im Vergleich zu den letzten Wahlen 2007 sind ebenfalls die Grünliberalen und die Grünen die grössten Gewinner: Die glp legt um 4,3 Prozentpunkte zu, die Grünen steigern sich um 1,1 Prozentpunkte.
Die SVP gewinnt trotz Abspaltung der BDP 1 Prozentpunkt. Einen markanten Einbruch verzeichnen die FDP/Liberalen, die um 2,5 Prozentpunkte schrumpfen. CVP und SP verlieren je 1,8 Prozentpunkte.
Das Wahlbarometer wurde unter 2011 Stimmberechtigten in allen Sprachregionen durch das Forschungsinstitut gfs.bern erhoben. Die Befragung dauerte vom 4. bis am 16. April. Der statistische Fehlerbereich bei der gesamten Stichprobe beträgt + /- 2 Prozent. (miw/sda)
Erstellt: 27.04.2011, 17:23 Uhr







