Wahlbarometer: SVP verliert, GLP gewinnt

Obwohl das Migrationsthema in der Schweiz zur Zeit starkt bewegt, verliert die SVP laut dem neuen SRG-Wahlbarometer deutlich an Sympathien. Zulegen konnten hingegen SP, FDP und Grünliberale.

So sehen die politischen Kräfteverhältnisse heute aus: Die Wähleranteile der Parteien gemäss Umfrage von gfs.bern im Auftrag der SRG, darunter die Gewinne und Verluste gegenüber den Wahlen 2011. (Grafik: gfs.bern/SRG)

So sehen die politischen Kräfteverhältnisse heute aus: Die Wähleranteile der Parteien gemäss Umfrage von gfs.bern im Auftrag der SRG, darunter die Gewinne und Verluste gegenüber den Wahlen 2011. (Grafik: gfs.bern/SRG)

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Die Gewinner der jüngsten Politumfrage der SRG sind die SP, die FDP und die Grünliberalen. Die SVP würde demnach die Verliererliste anführen und einen Wähleranteil von 2 Prozent einbüssen. Sie bliebe mit 24,6 Prozent aber stärkste Partei. Danach folgt die SP (20,1 Prozent). Das sind 1,4 Prozentpunkte mehr im Vergleich zu den Resultaten der Wahlen von 2011.

Dritte Kraft bliebe die FDP mit 15,8 Prozent (+0,7). Sie baut damit ihren Vorsprung auf die CVP aus. Die Christdemokraten verlieren nämlich 1,1 Prozent und kämen neu noch auf 11,2 Prozent Wähleranteile. Es folgen die Grünen mit 7,3 Prozent. Sie verlieren gemäss der Umfrage, die im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen vom 18. Oktober des kommenden Jahres durchgeführt wurde, 1,1 Prozent.

Damit lägen sie gleichauf mit den Grünliberalen. Diese legen von allen Parteien mit 1,9 Prozent am stärksten zu und kommen neu ebenfalls auf 7,3 Prozent. Siebtstärkste Partei ist die BDP, die 0,6 Prozentpunkte verliert und unter die 5-Prozent-Marke fällt. Sie steht nun noch bei 4,8 Prozent der Wählerinnen und Wähler in der Gunst. BDP und CVP zusammen könnten jedoch die FDP überholen. Bis in einem Jahr, wenn die Wahlen stattfinden, kann sich aber noch einiges ändern.

Keine Polarisierung – Mitte gewinnt

Bei den Wahlen 2011 stachen Gewinne der «neuen Mitte» heraus, weil vor allem die zwei jungen Parteien GLP (Grünliberale) und BDP (Bürgerlich-Demokratische Partei) kräftig zulegten. Die Polparteien SP und SVP verloren dagegen.

Zwar ist seither keine breite Allianz in der Mitte entstanden, doch laut dem neusten SRG-Wahlbarometer hätte von den Polparteien nur die SP wieder zulegen können, wenn am 18. September gewählt worden wäre. Allerdings profitiere zur Zeit vor allem die politisch linke Seite vom Stand der Mobilisierung. Es würden weniger Bürger wählen gehen als 2011. Insgesamt wollten sich 46 Prozent der Befragten sicher an den Nationalratswahlen beteiligen (Wahlbeteiligung 2011: 49,1 Prozent).

Stiege die Wahlbeteiligung, würden laut dem Meinungsforschungsinstitut gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG durchgeführt hat, die SVP und FDP am meisten davon profitieren. Eine Polarisierung der Parteienlandschaft ist anhand der jüngsten Resultate nicht in Sicht. «Wenn man die Mitte ziemlich weit fasst, kann man sagen, sie ist immer noch die Gewinnerin», erklärt Claude Longchamp, Leiter von gfs.bern. Mit einem Unterschied: Nun sind es nicht mehr dieselben Gewinner wie bei den eidgenössischen Wahlen 2011.

Mehrheit will Bilaterale fortführen

Der Barometer thematisiert auch das Verhältnis der Schweiz zur EU. Müssten sich die Wahlberechtigten zwischen den bilateralen Verträgen mit der EU und der Umsetzung der SVP-Masseneinwanderungsinitiative entscheiden, würden 58 Prozent das Vertragswerk bevorzugen. 30 Prozent würden die Initiative wählen.

Fast drei Viertel der Befragten befürworten eher oder sicher die Strategie des Bundesrats, die Masseneinwanderungsinitiative umzusetzen und gleichzeitig die bilateralen Verträge weiterzuführen. Auch eine Mehrheit der SVP-Wählenden (56 Prozent) befürwortet diesen Weg. Eine Mehrheit sieht Spielraum bei der Umsetzung von Volksinitiativen; 11 Prozent befürworten ein flexibles, 45 Prozent ein eher flexibles Vorgehen. Etwas mehr als ein Drittel will Volksentscheide hingegen strikt oder eher strikt umsetzen.

Zuwanderung ist das Hauptproblem

Das grösste Problem in den Augen der Wahlberechtigten sind Themen im Zusammenhang mit der Zuwanderung – Migration, Integration, Ausländer und Asylbewerber/Flüchtlinge. Wichtig sind ihnen zudem das Gesundheitswesen, Arbeitslosigkeit und die soziale Sicherheit. Alle anderen Themen beschäftigen sie weniger stark, wie der Barometer ergab.

Geht es um Migrationsthemen, werden Lösungen am ehesten der SVP zugetraut. Bei sozialen und wirtschaftspolitischen Themen geniesst die SP am meisten Vertrauen, in der Europa-Frage wird der FDP am meisten Kompetenz zugesprochen.

Die Befragten äusserten auch ihre Meinung zu den Parteipräsidentinnen und -präsidenten. Demnach hat CVP-Präsident Christophe Darbellay die grösste Glaubwürdigkeit: Für 56 Prozent jener, die sicher an den Wahlen teilnehmen werden, hat Darbellay diese Eigenschaft.

Zweiter auf der Rangliste ist SP-Präsident Christian Levrat (54 Prozent), gefolgt von seinen Kollegen bei der FDP, Philipp Müller (44 Prozent), und der SVP, Toni Brunner (38 Prozent). Bei Brunner überwiegt der Anteil, die ihn als unglaubwürdig bezeichnen (41 Prozent) – er polarisiert von allen Präsidenten am meisten.

Gfs.bern befragte zwischen 15. und 25. September 2020 Wahlberechtigte in der ganzen Schweiz. (rub)

Erstellt: 03.10.2014, 17:09 Uhr

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