«Walpen spielt seine Macht bis an die Grenzen aus»

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 13.03.2009

Radio und Fernsehen drohe empfindlicher Qualitätsverlust, sagt Dieter Niedermann, Präsident der SRG Ostschweiz und Vorsitzender der Präsidenten der SRG Deutschschweiz. Seine scharfe Kritik gilt der nationalen SRG-Führung.

Kititisiert Walpen: Dieter Niedermann.

Kititisiert Walpen: Dieter Niedermann.

Herr Niedermann, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, heisst es, versuche die SRG-Führung derzeit Fernsehen und Radio fundamental umzubauen. Verstehen Sie die Kritiker?
Dieter Niedermann: Ja, ich habe Verständnis . Ich selber kritisiere das Vorgehen der nationalen SRG-Spitze vehement.

Was genau?
Es stehen bei der SRG zwei eminent wichtige Projekte an. Das eine ist die Strukturreform. Im Rahmen dieser Reform ist eine starke Zentralisierung der Unternehmensführung vorgesehen. Bis jetzt konnte die Führung der SRG Deutschschweiz immerhin gewisse Entscheide in Sachen Fernsehen und Radio einigermassen selbstständig fällen. Nach der Zentralisierung wäre dann fast alle Macht bei der nationalen SRG. Stört Sie das? Sehr viel mehr Macht bekämen einerseits der nationale SRG-Verwaltungsrat und der Generaldirektor. Andere Unternehmen des Service public wie die Post oder die SBB sind zwar auch zentralistisch organisiert. Doch die SRG ist mit ihrem Auftrag definitiv in einer ganz anderen Situation.

Inwiefern?
Es wäre äusserst bedenklich, wenn die ganze Meinungsbildung ungeachtet der regionalen, kulturellen und vor allem sprachlichen Unterschiede von einer Hand geführt würde.

Bereits heute wird kritisiert, SRG-Generaldirektor Armin Walpen habe zu viel Macht. Teilen Sie diese Meinung?
Es ist tatsächlich so, dass die Führungsstruktur der SRG schon heute ausserordentlich stark auf den Generaldirektor fokussiert ist. Dazu kommt, dass mit Armin Walpen jemand dieses Amt innehat, der bereit ist, diese Macht bis an die Grenzen auszuspielen.

Parallel zu dieser Reform sollen auch die Redaktionen von Radio DRS und Schweizer Fernsehen zusammengeführt werden. Wie stehen Sie dem gegenüber?
Dieses zweite Projekt läuft unter dem Namen «Konvergenz». Gegen eine engere Zusammenarbeit von TV und Radio habe ich nichts, im Gegenteil. Leider zielt aber auch dieses Projekt auf eine Zentralisierung ab. Rein betriebswirtschaftlich macht das sicher Sinn. Doch wir haben es hier nicht mit der Herstellung von Ravioli zu tun, sondern mit der Meinungsbildung.

Der Druck der Politik, Schweizer Fernsehen und Radio günstiger zu machen, ist aber gross!
Das ist so. Es gibt aber schon seit langem grosses ungenutztes Sparpotenzial bei der SRG. Sparen könnte man bei der Liegenschaftsverwaltung und beim Personalwesen.

Muss ein modernes Medienunternehmen nicht generell vom Gärtchendenken wegkommen?
Soweit es nicht die journalistische Qualität beeinträchtigt, unterstütze ich das. Aber?
Radio und TV funktionieren vom Grundsatz her unterschiedlich: Das Radio arbeitet sehr rasch und mit Argumenten und Zusammenhängen. Beim TV geht es um visuelle Eindrücke. Das benötigt mehr Zeit und Aufwand. Vor allem wäre es aber schlecht, wenn die meisten Radio- und TV-Sendungen plötzlich aus einer Einheitsredaktion kämen, wo pro Thema nur noch ein Redaktionsteam für die ganze Schweiz zuständig wäre. Meinungsbildung geschieht doch gerade dadurch, dass verschiedene Redaktionen der SRG Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln ausleuchten.

Wie weit Radio und TV zusammengelegt werden, ist doch aber noch gar nicht entschieden.
Genau dies – die Informationspolitik der SRG-Führung – ist ein weiteres Problem. Nächste Woche werden auf verschiedenen Ebenen richtungweisende Entscheide gefällt zu den Projekten. In den letzten Tagen sind immer wieder durch Indiskretionen und in der Folge mit verhaltenen Richtigstellungen Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Offiziell informiert hat die nationale SRG über ihre Beschlüsse hingegen bis heute nicht einmal die Entscheidungsgremien der SRG Deutschschweiz, obwohl diese bereits in einer Woche über die Projekte befinden soll.

Was schliessen Sie daraus?
Man erwartet offenbar von uns, dass wir den Projekten zustimmen, ohne sie vorher studiert zu haben. Wichtige Entscheide fällt übrigens der nationale Verwaltungsrat selber erst, zwei Tage bevor wir dann über die Umsetzung befinden müssen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2009, 06:54 Uhr

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