War der Glacier Express zu schnell unterwegs?
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Bei der Entgleisung des Glacier Express ist ein Mensch getötet worden. (Video: Reuters )
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Nach dem Zugsunglück im Oberwallis verkehren die Züge der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) seit dem frühen Sonntagmorgen auf dem gesamten Streckennetz wieder nach Fahrplan. Die Reparaturarbeiten der beschädigten Gleisanlagen seien in der Nacht abgeschlossen worden, sagte MGB-Sprecher Thomas Werlen. Auch die Züge des Glacier Express verkehrten wieder normal.
Das Untersuchungsrichteramt Oberwallis hat eine strafrechtliche Untersuchung eröffnet. Das bestätigt Jean-Marie Bornet von der Kantonspolizei Wallis gegenüber der «SonntagsZeitung». Die Untersuchung über die Unfallursache leiten Spezialisten des Bundes von der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS).
Sie interessieren sich auch für die Frage, wie schnell der Zug zum Zeitpunkt des Unglücks unterwegs war. Nach jedem Unfall wird abgeklärt, ob die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit eingehalten wurde. Walter Kobelt, Leiter Untersuchungen der UUS, bestätigt: «Wir haben die Daten des Fahrtenschreibers gesichert.» Ab Montag werden diese in Bern analysiert.
War der Zug zu schnell?
Laut «SonntagsZeitung» ist speziell an diesem Fall: Mitten auf dem Unglücksabschnitt wechselt die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 35 auf 55 Kilometer pro Stunde. Leute vor Ort monieren, dass Lokführer auf der Strecke zwischen Brig und Oberwald häufig schneller fahren, um Verspätungen einzuholen.
Helmut Biner, Marketingchef der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB), weist diesen Vorwurf zurück: «Wer das sagt, verfügt nicht über die notwendigen Kenntnisse der Situation vor Ort.» Er vermutet, dass der erlaubte Tempowechsel bei Beobachtern zum «Fehleindruck» führen kann.
Die Experten des Bundes nehmen neben dem Fahrtenschreiber auch die Geleise und Masten, die Bahnwagen und das Terrain an der Unfallstelle unter die Lupe. Die Geleise am Unfallort wurden ausgemessen und kontrolliert. Ein Geologe wurde beauftragt, den Boden zu untersuchen. Weiter seien die Strommasten von Interesse. Auch der Lokführer des verunfallten Zuges sei angehört worden, sagte Walter Kobelt, Chef der Untersuchungsstellen Bahnen und Schiffe beim Bund.
Abklärung dauert Wochen bis Monate
Weiter wollen die Spezialisten herausfinden, ob kürzlich erfolgte Unterhaltsarbeiten auf dem fraglichen Streckenabschnitt einen Zusammenhang mit dem Unfall haben. «Was ich im Moment dazu sagen kann, ist, dass die Bautechnik und das verwendete Material dem Standard entsprechen», hält Kobelt fest.
Spuren, die auf böswillige Handlungen hindeuten könnten, haben die Experten laut Kobelt bisher nicht gefunden. Ab Montag sollen die drei entgleisten Waggons des Zuges im Detail untersucht werden. Sie wurden am Samstag in ein Depot in Brig gebracht.
Die Abklärungen zur Unfallursache können laut Kobelt Wochen oder sogar Monate dauern, zum Beispiel wenn die Belastbarkeit gewisser Materialien getestet werden muss. Er hoffte, dass die Ermittlungen ab Montag mit der Untersuchung der Bahnwagen ein Stück vorankommen.
Eine Tote, 46 Verletzte
Am Freitag war ein Zug des Glacier Express im Oberwallis verunfallt. Der Unglückszug war kurz vor Mittag mit ungefähr 210 Passagieren von Brig herkommend in Richtung Bündnerland unterwegs, als zwischen Lax und Fiesch drei Waggons entgleisten. Die beiden hintersten Wagen des Panoramazuges kippten um. Der dritte blieb stehen.
Beim Unfall kam eine 64-jährige Japanerin aus Osaka ums Leben. Insgesamt wurden 40 Menschen verletzt in Spitäler gebracht. Sie stammen aus Japan (28), der Schweiz (5), Spanien (4), Österreich (2) und Indien (1).
17 Personen - 16 aus Japan und eine aus Spanien - befanden sich am Tag nach dem Unfall noch in Spitalpflege. Neun Personen aus Japan sind gemäss Informationen der Walliser Behörden schwerverletzt, darunter befinden sich 2 in kritischem Zustand. 23 Leichtverletzte konnten das Spital bis am Samstag wieder verlassen. (bru/sda)
Erstellt: 25.07.2010, 08:45 Uhr
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