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Warum die Söldner nach Basel ziehen

Von Markus Prazeller und Christian Mensch. Aktualisiert am 10.08.2010 24 Kommentare

Das britische Militärunternehmen Aegis Defence Services hat Basel als Holding-Standort ausgesucht. Militärexperte Albert Stahel kennt den Hintergrund.

Albert Stahel ist Dozent für Strategische Studien am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich.

Albert Stahel ist Dozent für Strategische Studien am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich.
Bild: Keystone

Kriegserprobt: Aegis-Chef Tim Spicer nach einer Gerichtsverhandlung 1997 in Papua-Neuguinea. Er wurde dort von aufständischen Militärs festgenommen. (Bild: Keystone )

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BaZ: Herr Stahel, Tim Spicer hat für seine Privatarmee Basel als Holding-Sitz ausgesucht. Wer ist dieser Mann?
Albert Stahel: Tim Spicer ist eine illustere Persönlichkeit in diesem Geschäft. Er gilt als Mitbegründer der bewaffneten Privatarmeen, den sogenannten Private Military Companies (PMC). Sein Engagement in der Schweiz wirft Fragen auf.

Die Basler Treuhandgesellschaft Atag Private Client Services gründete im Auftrag von Spicer eine Holding in Basel. Ist das ein steuerrechtliches Manöver?
Nein, das ist unwahrscheinlich. Die Gründe liegen wohl in der für Privatarmeen komfortablen rechtlichen Situation in der Schweiz. PMCs sind hier praktisch nicht kontrolliert. Aegis kann ungestört von staatlichen Aufsichtsstellen geschäften.

In Grossbritannien wäre das so nicht möglich?
Nein, nicht in diesem Ausmass. Die Privatarmeen sind in den vergangenen Jahren immer wieder negativ in die Schlagzeilen geraten. Das hat in den USA und in Grossbritannien Regierungsstellen auf den Plan gerufen. PMCs werden heute genau beobachtet. Vor diesem Hintergrund macht eine Flucht in die Schweiz für solche Firmen Sinn.

Haben wir es hier mit einem neuen Phänomen zu tun?
Nein. Ich habe bereits vor drei Jahren in der Öffentlichkeit davor gewarnt, dass die Schweiz wegen ihres Regelungsvakuums zu einem beliebten Zufluchtsort für undurchsichtige Sicherheits- und Militärfirmen werden könnte.

Damit ich Sie richtig verstehe: Sie sagen, die Behörden hätten die Entwicklung schlicht verschlafen?
Ja. Wir haben auch schon vor der Gründung der Aegis-Holding heikle Fälle dokumentiert. Einer meiner Studenten berichtete von einer Firma, die auf amerikanischen Luftwaffenstützpunkten im Irak Reinigungsarbeiten durchführte und ihren Sitz in der Schweiz hatte – auch das ist aus neutralitätspolitischen Gründen fragwürdig.

Aegis beschränkt sich aber nicht nur auf Reinigungs- und Logistikaufträge. Spicers Angestellte sind an der Kriegsfront tätig.
Es gibt vier Typen von PMCs. Die ersten beiden Gruppen, die harmloseren Akteure, sind spezialisiert auf die Bereitstellung von Logistik in Konfliktgebieten und auf die Ausbildung von Einsatzkräften. Die dritte Gruppe erarbeitet im Auftrag von Regierungen Operationspläne. Die vierte Gruppe, die Soldarmeen, sind an der Front tätig, im Kampf. Zu dieser Gruppe gehört auch Spicers Firma. Eine Unternehmung wie Aegis sollte ihren Sitz nicht in der Schweiz haben.

Lesen Sie mehr zum Thema - heute in der Basler Zeitung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.08.2010, 13:16 Uhr

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24 Kommentare

Thomas Müller

10.08.2010, 13:24 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Richtig. So eine Firma gehört nicht in die Schweiz. Das ist mit der Neutralität nicht vereinbar. Antworten


Adriano Granello

10.08.2010, 16:59 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wie war das früher? Die Schweizer, insbesondere die Innerschweizer Bauern, waren doch die besten und bekanntesten Söldner in ganz Europa und hatten auch keine Skrupel, selbst gegeneinander zu kämpfen, wenn ihre fürstlichen Arbeitgeber gegeneinander Krieg führten! Aber vielleicht habe ich im Geschichtsunterricht nicht so genau aufgepasst... Antworten



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