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Warum die Welt die Schweiz nicht liebt

Aktualisiert am 07.10.2009 119 Kommentare

UBS-Steueraffäre, Qadhafi-Kontroverse, Polanski-Verhaftung: Die Schweiz sorgt im Ausland für negative Schlagzeilen. Die Zeitung «Le Matin» hat sieben Gründe für das Schweiz-Bashing zusammengetragen.

Im Ausland hatte die Schweiz auch schon ein besseres Image: Nationalflagge auf Halbmast.

Im Ausland hatte die Schweiz auch schon ein besseres Image: Nationalflagge auf Halbmast. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Die Westschweizer Zeitung «Le Matin» hat Berichte ausländischer Medien ausgewertet, mit Professoren in New York und Paris gesprochen, ebenso mit einem früheren Schweizer Botschafter und anderen Schweiz-Kennern. Das sind die Ergebnisse der Recherche:

Weil die Schweiz nicht gastfreundlich ist

In einem langen Artikel hat sich die französische Zeitung «Le Figaro» mit der Schweiz befasst und kam zum Schluss, dass «die Gastfreundschaft der Schweiz nicht mehr das ist, was sie einmal war». Zudem sei die Schweiz kein verlässlicher Partner mehr, wird eine «Le Temps»-Journalistin zitiert. Zu Wort kommt auch der grüne Nationalrat Luc Recordon aus dem Kanton Waadt: «Unsere Institutionen stammen aus dem Jahr 1848, sie wurden nicht an die moderne Welt angepasst. Auch das politische Personal ist nicht auf der Höhe der Zeit. Es ist nicht in der Lage, Gefahren vorauszusehen.»

Weil die Schweiz Betrüger schützt

Auch die Zeitung «USA Today» widmete kürzlich der Schweiz einen kritischen Artikel. Thema war nicht nur die Steueraffäre der UBS. Der Bericht betonte, dass die Schweiz dem Rohstoffhändler Marc Rich «Asyl» gewährt habe. Rich war jahrelang auf der Liste der «Most Wanted» des FBI - wegen Steuerhinterziehung und illegaler Geschäfte mit dem Iran war er in den USA angeklagt worden.

Weil sich die Affären gehäuft haben

Der frühere Schweizer Botschafter Reymond Loretan erwähnt, dass die Häufung von Affären das Interesse der Medien im Ausland geweckt habe. Der Streit um das Bankgeheimnis habe in erster Linie Finanzkreise im Ausland interessiert. Die Qadhafi-Affäre sei ausserhalb der Schweiz kaum verfolgt worden. Aber: Mit der Festnahme von Roman Polanski sei die Schweiz ins internationale Rampenlicht geraten, meint Loretan. Ausgehend von der Polanski-Verhaftung seien in den ausländischen Medienberichten auch die Probleme der Schweiz mit Qadhafi und dem Bankgeheimnis thematisiert worden.

Weil die Schweiz nicht auffindbar ist

Laut Steven Brams, Professor für internationale Beziehungen an der Universität New York, ist das Interesse der grossen Mehrheit der Amerikaner für die Schweiz «sehr sekundär». «Die meisten Amerikaner verwechseln die Schweiz mit Schweden, und sie wissen nicht, wo diese Staaten auf einer Landkarte zu finden sind.» Für Normalsterbliche sei die Steuerflucht reicher Amerikaner etwas Obskures. Die UBS-Steueraffäre sei für die meisten Amerikaner zu abstrakt.

Weil es um eine politische Affäre geht

Pierre Rousselin, Co-Direktor der Zeitung «Le Figaro», sagt, dass die Polemik um das Schweizer Bankgeheimnis die grosse Mehrheit der Franzosen kaum interessiere. Er räumt ein, «dass die ausländischen Attacken auf die Schweiz mehr mit wirtschaftlichen Interessen zu tun haben als mit moralischen Prinzipien.»

Weil die Schweiz kein Taktgefühl hat

Die Festnahme von Roman Polanski hat offensichtlich Irritationen ausgelöst. «Es fehlte an Taktgefühl», sagt Rousselin. «Klar, ein Mann, der ein Mädchen vergewaltigte, verdient nicht mehr Milde als ein Steuerbetrüger», meint der französische Journalist. «Aber es geht nicht an, dass ein begabter Regisseur offiziell an ein Filmfestival eingeladen wird, um dann verhaftet zu werden.»

Weil die Schweiz ein Symbol der Banken ist

Romain Huret, Professor am Institut für politische Studien in Paris, ist der Ansicht, dass die Amerikaner ihre Banker verachten - sie machen die Banker für die aktuelle Wirtschaftsmisere verantwortlich. Vor diesem Hintergrund stosse die Schweiz als Symbol des internationalen Bankensystems auf Ablehnung und Kritik. (vin)

Erstellt: 07.10.2009, 15:45 Uhr

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119 Kommentare

Sean Müller

07.10.2009, 13:15 Uhr
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lassen sie es mich mit einer metapher aus dem fussball beschreiben: man greift immer nur den an, der den ball führt! wir sind auf dem richtigen weg, uns gehts immer noch sehr gut. soll das so weitergehen, dürfen wir auch nicht dieser schuldenvereinigung namens EU beitreten! Antworten


Rolf Schlumpf

07.10.2009, 13:11 Uhr
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Ich kann leben damit, dass das Ausland die Schweiz nicht mag. Anderen Ländern geht es ja genauso und schlussendlich bin ich hier geboren, konnte also nicht wählen. Die Schweiz müsste sich vielleicht einfach wieder mehr *emanzipieren* und vor allem auch in der Politik geschlossener auftreten, um das Negativimage zu brechen. Irgendwann gehören wir zur EU und dann werden die Karten eh neu gemischelt. Antworten



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