Warum sind Deutsche in der Schweiz unbeliebt?

Sozialwissenschaftler Marc Helbling hat das Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern untersucht. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt er, was an der hiesigen Deutschenfeindlichkeit einzigartig ist.

Verhaltener Empfang: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey begrüsst in Bern die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, 29. April, 2008.

Verhaltener Empfang: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey begrüsst in Bern die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, 29. April, 2008. Bild: Keystone

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Warum mögen die Schweizer die Deutschen nicht?
Gewisse Grundhaltungen können durch das nationalsozialistische Erbe Deutschlands erklärt werden. Es zeigt sich aber auch: Überall wo bislang eine Ausländergruppe über einen kurzen Zeitraum eingewandert ist, kam es zu ablehnenden Haltungen. Die Deutschen in der Schweiz werden als kulturelle und ökonomische Bedrohung wahrgenommen.

Diese Gründe sind nicht sehr überraschend.
Das stimmt, weil sie auf Erklärungsmuster zurückführen, die man in der Forschung zu Fremdenfeindlichkeit bereits kennt. Aussergewöhnlich bei der Deutschenfeindlichkeit in der Schweiz ist allerdings, dass in diesem Fall eine kulturell recht ähnliche Gruppe angefeindet wird. Es hätte auch kaum je jemand vermutet, dass gut ausgebildete und integrierte Migranten solche Konflikte auslösen können. Die SVP hat ja immer gefordert, dass nur Ausländer aus höheren sozialen Schichten ins Land gelassen werden sollten, weil diese angeblich keine Probleme mit sich brächten.

Mit der Deutschen-Debatte wird auch die These widerlegt, dass Bildung vor Fremdenfeindlichkeit schützt.
Tatsächlich sind auch gebildete Schweizer den Deutschen gegenüber negativ eingestellt. Daraus kann man schlussfolgern, Bildung schütze vor allem deswegen vor Fremdenfeindlichkeit, weil schlecht qualifizierte Migranten keine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sind. Gut Gebildete sind also nicht grundsätzlich toleranter. Sie sind es nämlich dann nicht, wenn es um den eigenen Job geht.

Hat die Abneigung gegenüber den Deutschen in den letzten Jahren zugenommen?
Darüber gibt es leider kaum Zahlen. Die SVP hat ja das Thema erst vor Kurzem aufgenommen, nachdem die Debatte schon lange am laufen war. Und auch der Steuerstreit ist erst in einem zweiten Schritt hinzugekommen. Die Abneigung gegen die Deutschen gab es aber bereits jenseits von Politik und Medien. All diese Aspekte haben aber nun einen verstärkenden Effekt.

Sie sagen, die Ablehnung der Deutschen sei nichts Schweiz-Spezifisches.
In internationalen Studien hat sich gezeigt, dass die Schweiz im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten nicht fremdenfeindlicher ist.

Also brauchen wir uns nicht zu schämen. Im Endeffekt sind alle Völker fremdenfeindlich.
Ich würde es so formulieren: Wenn wir plötzlich von Fremden umgeben sind, fühlen wir uns unwohl. Das trifft auf alle zu und war schon immer so. Fremdenfeindlichkeit – in diesem Fall die Ablehnung der Deutschen – ist somit ein natürlicher Abwehrmechanismus. Wir müssen diese Einstellungen ernst nehmen. Rassismus kann aber leicht überwunden werden. Zum Beispiel wenn das Fremde über die Zeit vertraut wird. Die Italiener wurden früher extrem angefeindet, heute gehören sie zu den beliebtesten Ausländern in der Schweiz.

Sie wohnen als Schweizer seit einem Jahr in Berlin. Schon mal angefeindet worden?
Meine Nationalität spielt hier überhaupt keine Rolle. Und wenn, dann ist es vor allem so, dass die Deutschen die Schweizer mögen und ein sehr gutes Bild von unserem Land haben.

Wenn Sie in Berlin Hochdeutsch sprechen, fühlen sie sich da auch manchmal minderwertig?
Nicht im geringsten.

Wie könnte sich das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen entspannen?
In der Forschung hat sich immer wieder gezeigt, dass direkte interkulturelle Kontakte negative Einstellungen abbauen. Vor allem aber: Über längere Zeit gewöhnt man sich an das Fremde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 12.02.2010, 08:30 Uhr)

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