Was Kinder alles beherrschen sollten
Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 16.08.2009 9 Kommentare
Die Sexualkunde fand im neuen Lehrplan 21 keinen Platz.
Vom Röstigraben bis an den Rhein sollen künftig alle Schüler vom Kindergarten bis in die Oberstufe das Gleiche vorgesetzt bekommen. Vereint wollen sich die 21 Kantone, in denen Deutsch gesprochen wird, mit dem Lehrplan 21 pädagogisch fürs weitere 21. Jahrhundert wappnen. Nebst den Kantonen tragen auch die meisten Verbände, Interessengruppen und Parteien diese Grundidee mit.
Alle finden, dass die Kinder des neuen Milleniums auch auf die Probleme ausserhalb des Klassenzimmers vorbereitet werden sollten. Doch die Vorstellungen, in welchem Umfang dies geschehen soll, gehen weit auseinander. Die SVP ist für ein Minimalprogramm ausserhalb des klassischen Lehrstoffs. Die Linke tendiert zur Maximalversion: Nachhaltigkeit heisst ihr Zauberwort in allen Schulbereichen.
Sonderwünsche über Sonderwünsche
Die Vernehmlassung zum ambitionierten Projekt ist abgeschlossen, doch die federführenden Erziehungsdirektionen wollen erst im Herbst darüber informieren. Eine Auswertung der Antworten durch den «Tages-Anzeiger» zeigt: Auch die Kantone haben viele Sonderwünsche eingebracht.
Das Wallis beispielsweise möchte, dass alle Deutschschweizer in der Mittelstufe das Zehn-Finger-System am Computer erlernen. Rückendeckung erhält es dabei durch den Lehrer-Dachverband LCH, der ebenfalls für die Aufnahme des «Tastaturschreibens» in den Lehrplan plädiert. Die Walliser Erziehungsdirektion findet, korrektes Tippen sei «in sehr vielen Berufen unentbehrlich, in allen anderen zumindest nützlich».
Zudem will sie, dass in der gesamten Deutschschweizer Oberstufe ein Fach namens Medienbildung eingeführt wird. Über den Umfang hat das Wallis genaue Vorstellungen: eine Stunde pro Woche. Da auch Zürich eine Zeitvorgabe für Medienkunde verbindlich im Lehrplan festschreiben will, bleiben die Chancen des Anliegens intakt.
Generationenfragen, Lebensentwürfe
Auch abstraktere Ideen haben Chancen. So fordern die Kantone Baselland, Wallis und Bern unabhängig voneinander, dass «überfachlich» Wert gelegt wird aufs Thema «Gender». Die Baselbieter Bildungsdirektion beantragt, nicht nur «Gleichstellung fördern», sondern auch «Genderkompetenz» im Lehrplan zu verankern.
Geschehen soll dies insbesondere in «Fachbereichen wie Mathematik oder Informatik, die als typisch männlich gelten», wie Sabine Kubli von der Baselbieter Fachstelle für Gleichstellung der «Basler Zeitung» erklärte. Aber nicht nur dort: «Die Geschlechterproblematik muss in allen Bereichen hinterfragt und gezielt entschärft werden», findet Kubli.
Ähnlich argumentiert der Kanton Wallis. Ihm zufolge gehören «brennende Themen der Kinder und Jugendlichen» wie «Lebensgestaltung, Genderbewusstsein und Integration» im Lehrplan festgehalten. Und Bern will, dass «Aspekte der Diversität» ausdrücklich aufgeführt werden: Neben der «Gender- und Gleichstellungsthematik» nennt die Berner Erziehungsdirektion «interkulturelle Aspekte, Generationenfragen, unterschiedliche Lebensformen und –entwürfe sowie Fragen der sexuellen Orientierung».
Sie zieht damit am gleichen Strick wie die Schwulenorganisation Pink Cross und das lesbische Pendant LOS. Beide fordern, «dass die Schulen das Thema sexuelle Orientierung und Identität auf allen Altersstufen und fächerübergreifend in den Lehrplan 21 aufnehmen».
Schwimmen und heilige Texte
Luzern regt an, dass in der ganzen Deutschschweiz der Sexualunterricht spätestens ab elf Jahren obligatorisch wird. Der Vorschlag habe «gute Chancen», glaubt Charles Vincent von der Luzerner Dienststelle Volksschulbildung – zumal Schüler in den Medien immer früher mit sexuellen Botschaften und Bildern konfrontiert würden. Luzern will darüber hinaus, dass auch der Schwimmunterricht in der Deutschschweiz obligatorisch erklärt wird. Verhindert werden soll so auch, dass streng religiöse Eltern ihren Kindern die Teilnahme untersagen.
Überhaupt wird es eine der umstrittensten Fragen sein, wie es der Einheitslehrplan mit der Religion hält. Das Wallis fordert eine Ausrichtung «auf der jüdisch-christlichen Tradition». Zur Sprache kommen sollen in der Schule «heilige Texte, Lebensformen und Praxis». Luzern fordert hingegen die Trennung von staatlicher Schule und Kirche: Im Lernplan 21 wollen die Luzerner festschreiben, dass der Religionsunterricht «Sache der Kirchen und Religionsgemeinschaften» ist. Den geplanten Fachbereich «Ethik, Religion, Gemeinschaft» will das Luzerner Bildungsdepartement in «Individuum und Gesellschaft» umbenennen.
Skeptische Lehrerschaft
Trotz Sympathien für die zahlreichen Anliegen zeigt sich die organisierte Lehrerschaft eher skeptisch gegenüber den Sonderwünschen. «Entscheidend wird sein», schreibt der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH, «dass der Gefahr widerstanden wird, bei den überfachlichen Kompetenzen sämtliche gesellschaftlichen Missions- und Nacherziehungs-Anliegen zu deponieren und die Schule damit zu überfordern.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.08.2009, 22:03 Uhr
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9 Kommentare
Sexualkunde gehört nicht in die untersten Schulstufen. Wissen die Menschen, warum es weltweit diese "Gender Mainstreaming" Bewegung gibt. Überall soll die Geschlechtervermischung gelehrt werden. Da stinkt was zum Himmel. Warum ist diese neuartige Sexualerziehung so dringlich und prioritär? Es gibt viele kritische Berichte im Internet, aber wer hat schon Zeit, sich zu informieren. Arme Kinder!!! Antworten
Wie wäre es denn, wenn die Schüler wenigstens lesen, schreiben und rechnen lernen würden? Diese wichtigsten Grundfächer werden immer mehr an den Rand gedrängt! Alle Andern Sonderwünsche gehören in die freiwiligen Wahlfächer! Antworten
































