«Was gegenwärtig abläuft, ist höchst imageschädigend»

Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, zeigt sich in einem offenen Brief bestürzt über die politischen Vorgänge in der Schweiz. Eine SVP-Politikerin wird darin scharf kritisiert.

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SVP-Nationalrätin Natalie Rickli fordert eine Ventilklausel für Deutsche und UBS-Chef Sergio Ermotti sieht den Steuerstreit als Wirtschaftskrieg: Die gegenwärtigen politischen Auseinandersetzungen um Steuerstreit und Einwanderungsbeschränkung wogen heftig und treiben mitunter seltsame Blüten. Muss die Schweiz deswegen auch langfristig um ihr Image im Ausland bangen? Ja, sagt Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus. In einem «offenen Brief an die politischen Verantwortungsträger der Schweiz» kritisiert er die «politischen Speerwürfe» der vergangenen Tage.

Zenhäusern beklagt in dem Brief den momentanen Verlauf der politischen Debatte in der Schweiz. «Neben dem langen Steuerstreit und den damit verbundenen gegenseitigen Anschuldigungen und jetzt mit dem Anrufen der Ventilklausel vergraulen wir unsere Handelspartner und Gäste aus der EU definitiv», schreibt Zenhäusern.

Schweiz ist abhängig von der EU

Zenhäusern betont die Bedeutung des Exporthandels für die Schweiz. Die EU mit insgesamt 500 Millionen Einwohnern sei ein wichtiger Handelspartner. Aus der EU stammten auch rund 40 Prozent der Feriengäste in der Schweiz. Zenhäusern will damit die EU-Abhängigkeit des Schweizer Tourismussektors unterstreichen, in dem knapp 150'000 Menschen arbeiten.

«Was gegenwärtig politisch in der Schweiz abläuft, ist höchst imageschädigend», so Zenhäusern weiter. Als Argument führt er unter anderem Aussagen des UBS-Chefs Sergio Ermotti auf, welche dieser in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» gemacht hatte. Ermotti verglich darin den aktuellen Steuerstreit mit einem Wirtschaftskrieg.

Ricklis «bizarrer» Auftritt

Vor allem die Aussagen der Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli stossen dem Walliser sauer auf. Rickli forderte in der Sendung «SonnTalk» des Fernsehsenders TeleZüri eine Ventilklausel für Deutsche. Dies als Reaktion auf die eben erst ausgerufene Ventilklausel gegen acht osteuropäische Staaten, für die ab dem 1. Mai Zuwanderungskontingente gelten werden.

Laut Rickli übten aber vor allem die deutschen Einwanderer einen Riesendruck auf den Schweizer Arbeitsmarkt, auf die Infrastruktur, auf die Strassen und die Schulen aus. In der TV-Diskussionsrunde entbrannte daraufhin eine heftige Debatte. GLP-Präsident Martin Bäumle betonte die Abhängigkeit der Wirtschaft von deutschen Einwanderern: «Diese Anti-Deutschen-Stimmung ist eine ganz miese Tour der SVP.» Zuspruch erhielt er vom Wirtschaftsberater Kaspar Loeb. Das deutsche Magazin «Focus» betitelte den Auftritt Ricklis als «bizarr».

Auch Zenhäusern stellt sich gegen die Aussagen Ricklis. «Das darf doch nicht wahr sein», schreibt er in seinem Brief und schliesst mit einem «Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Schweizer Politik». Anstelle von Wirtschaftskrieg und politischen Speerwürfen brauche die Schweiz eine Abwertung des Schweizer Frankens und angepasste wirtschaftliche Rahmenbedingungen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 24.04.2012, 12:37 Uhr)

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