«Was willst du damit sagen?»

Am Montagabend lud SRF-Talker Roger Schawinski den SVP-Nationalrat Luzi Stamm zum verbalen Duell. Ein verwirrender Auftritt.

Rechtfertigt seine Iranreise: Luzi Stamm (rechts) bei Roger Schawinski.

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Roger Schawinski schien sich auf einen harten Kontrahenten eingestellt zu haben. Einen, der Fragen zur iranischen Politik noch parieren kann und den man erst zur Strecke bringt, indem man sich über sein Toupet lustig macht. Also blendete Schawinski zum Ende seiner montäglichen Talkshow ein Bild ein, das zeigt, wie unvorteilhaft der junge Nationalrat Luzi Stamm seinen Haarkranz einst über seine lichte Schädeldecke kämmte. Stamm erklärte ruhig und ohne Scham, heute sei sein Kunsthaar fest angebracht und werde alle zwei Monate ausgewechselt. Das war sein souveränster Moment am gestrigen Abend. In den 25 Minuten zuvor sprach Stamm vorwiegend in Rätseln.

Schawinski lud den Aargauer SVP-Nationalrat aus aktuellem Anlass ein. Immerhin hatte dieser in der Woche zuvor mit seinem Iran-Besuch für eine beeindruckende Anzahl Schlagzeilen gesorgt. Ein Patriot, der die Schweiz im Ausland kritisiert. Ein SVP-Vizepräsident, der hierzulande gegen Burkas und Minarette kämpft und in den Ferien mit einem islamistischen Regime sympathisiert. Und ein Politiker, der Micheline Calmy-Rey attackierte, weil sie für einen Besuch beim damaligen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad ein Kopftuch überwarf, und nun selbst den Gepflogenheiten folgte und die Krawatte ablegte.

So viele Widersprüche – ein gefundenes Fressen für Schawinski. Doch zum verbalen Duell kam es nicht, denn Schawinski schien Stamm oft einfach nicht folgen zu können. Und damit war er nicht alleine. Was Stamm sagte, das lässt sich wortgetreu protokollieren. Was er damit sagen wollte, bleibt ein Rätsel. Ein Beispiel.

Ich bin (in den Iran) gegangen, weil es hiess, Israel umgehe die Sanktionen so und so und so. (…) Eine Zeitung sagt, dass 55 iranische Unternehmen hauptsächlich vom Kontakt zu Israel leben, weil sie exportieren. Dann finde ich all die Sachen, ich finde die Knessetdiskussion vom dreissigsten Mai elf, ich finde die aussenpolitische Kommission, wo im August, der Vierzehnte ist es, oder der Elfte Neunte elf, reden sie darüber, ob da iranisches Öl via Israel dem so und so und so geliefert wurde.

Weniger kryptisch, aber dennoch in Rätseln antwortete Stamm auf eine Frage zu seinen Kontakten zur iranischen Opposition. In der Tat habe man ihm solche vorgehalten, in der Tat habe er als Anwalt einst eine oppositionelle Gruppe im Aargau als Anwalt vertreten und dafür «ein Honorar von 1800 Franken erhalten». Sein Klient, erklärte Stamm, «ist am 1.9.2013 zusammen mit 52 anderen erschossen worden. Das beeindruckt mich eigentlich noch».

Stamms politische Botschaft lässt sich, gewisse Unschärfen vorbehalten, etwa wie folgt zusammenfassen. Er ist der Ansicht, dass die USA und die EU der Schweiz vorschreiben wollen, wie sie den Iran zu sanktionieren habe, ohne sich selbst aber daran zu halten. Das nervt ihn. Doch mindestens so sehr wie über Obama und Merkel scheint er sich über den Co-Politikchef des «Blicks» geärgert zu haben. «Der Lebenspartner einer linken Nationalrätin» habe von Tuten und Blasen keine Ahnung und habe ihn in die Pfanne hauen wollen. Dessen Berichterstattung muss Stamm einigermassen zugesetzt haben, immerhin nannte er seinen Namen während des Talks häufiger als irgendeinen anderen.

Schawinski fragte immer wieder mit einem ratlosen Gesichtsausdruck: «Ich weiss nicht, wovon du jetzt sprichst.» «Was willst du damit sagen?» «Was soll das jetzt wieder?» Und sprach dem Zuschauer aus dem Herzen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.04.2014, 12:56 Uhr

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