Schweiz
Wegen zu dicker Handgelenke ersetzt die Armee alle Handschellen
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 18.02.2011 9 Kommentare
Mehr Durchdiener
Armee Immer mehr Armeeangehörige leisten ihren Dienst am Stück. 2010 wurden über 3800 Durchdiener rekrutiert,
75 Prozent mehr als im Vorjahr. Nicht verändert hat sich die Rate der Dienstuntauglichen.
Im Jahr 2010 hat die Armee insgesamt 41'959 Stellungspflichtige rekrutiert, wie das Verteidigungsdepartement (VBS) am Donnerstag mitteilte. Dies sind rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Teil von ihnen wurde zurückgestellt.
Von den am Ende 40535 Beurteilten waren 66 Prozent für den Militärdienst und 16 Prozent für den Zivilschutz tauglich. Rund 18 Prozent waren weder für den Militärdienst noch für den Zivilschutz tauglich. Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Rate damit konstant.
Die Tauglichkeitszahlen lägen im Rahmen der letzten fünf Jahre, schreibt das VBS. Zugenommen hat – neben der Zahl der Durchdiener – die Zahl der Frauen: Im Jahr 2010 liessen sich 141 Frauen freiwillig rekrutieren, 2009 waren es 115. Bei den Frauen waren rund 77 Prozent tauglich.
Stichworte
Die Schweizer Armee ersetzt ihren gesamten Bestand an Handschellen. Gleichzeitig erweitert sie ihn von rund 1500 Stück auf 6800. Die 6800 neuen Handschellen sollen im nächsten Jahr geliefert werden. Armeesprecher Daniel Reist bestätigt entsprechende Recherchen dieser Zeitung. Wie viel die Beschaffung der neuen Fesseln kostet, ist noch nicht klar.
Handschellen für alle
Bis jetzt standen ordnungsgemäss nur der Militärpolizei Handschellen zur Verfügung. Alle anderen Truppen mussten zur Fesselung Kabelbinder benutzen – sowohl in der Ausbildung wie auch in Ernstfalleinsätzen wie etwa dem WEF.
Kabelbinder sind schmale Kunststoffriemen. Sie werden eigentlich zur Bündelung von Stromkabeln hergestellt. Sie lassen sich allerdings nur einmal verwenden. Zum Öffnen müssen sie zerschnitten werden. Fesselungen von Personen sind ein Bestandteil in der Ausbildung vieler Truppengattungen.
Mit dem Kauf der neuen Handschellen führt der Bund in der ganzen Armee eine neue Fesselungspraxis ein. Künftig sollen Soldaten und andere Armeeangehörige aller Truppengattungen Fesselungen nur noch mit Handschellen statt mit Kabelbindern durchführen. Dies sowohl in der Ausbildung wie auch bei Einsätzen. Damit will die Armee eine Vereinheitlichung der Fesselungsmethoden erreichen. Armeesprecher Reist begründet die Umstellung folgendermassen: «Die breite Verwendung von Kabelbindern als Einwegartikel verursacht hohe wiederkehrende Kosten.»
Kabelbinder haben laut Reist noch andere Nachteile: Sie bergen bei Verwendung als Fesselungswerkzeug Verletzungsgefahr – wegen Durchblutungsstörungen oder beim Aufschneiden der Kunststoffriemen. Zudem seien sie auch weniger sicher als Handschellen.
Zu dicke Handgelenke
Die Begründung der Armee, weshalb die vorhandenen 1500 Handschellen ersetzt werden, klingt im ersten Augenblick wie ein Scherz: Man habe festgestellt, dass «die bislang verwendete Handschelle dem heutigen Umfang von Handgelenken zunehmend nicht mehr genügt», sagt Armeesprecher Reist. Das sei nicht etwa ein Witz, das Handgelenk des Durchschnittsmenschen sei in den letzten Jahren tatsächlich kräftiger und damit breiter geworden, so Reist.
Ausserhalb der Armee haben Kabelbinder als Fesselungsinstrument allerdings noch lange nicht ausgedient: Kantonspolizeien verwenden bei Demonstrationen oder ähnlichen Einsätzen bis heute sehr oft Kabelbinder statt Handschellen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.02.2011, 09:43 Uhr
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