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Weniger Fremdsprachen und mehr Kopfrechnen

Aktualisiert am 02.11.2010

Die SVP steigt mit neuem Lehrplan in den Wahlkampf und setzt dabei auf Vergangenes: Kopfrechnen und Schnürlischrift sollen wieder intensiver unterrichtet werden, Fremdsprachen hingegen erst in der Oberstufe.

Die globale Erwärmung soll künftig unter dem Titel «Klimakatastrophe oder Klimalüge?» thematisiert werden: Unterricht in einer Schweizer Schule.

Die globale Erwärmung soll künftig unter dem Titel «Klimakatastrophe oder Klimalüge?» thematisiert werden: Unterricht in einer Schweizer Schule.
Bild: Keystone

Stellten in Bern den Lehrplan der SVP vor: Die SVP-Nationalräte Ulrich Schlüer (links) und Lieni Flüglistaller (rechts). (Bild: Keystone )

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Weniger Fremdsprachenunterricht, mehr Kopfrechnen: Dies sollte nach dem Willen der SVP im Lehrplan stehen.Vor gut einer Woche hatte die Partei ein Positionspapier zur Schule verabschiedet, am Dienstag hat sie nun einen detaillierten Lehrplan präsentiert.

Das 96-seitige Dokument ist als Gegenprojekt zum Lehrplan 21 gedacht, den die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) derzeit ausarbeitet. Die SVP hatte damit gerechnet, dass dieser im Herbst vorliegen würde, was nicht der Fall ist.

Lehrplan 21 ist der Partei ein Dorn im Auge

Der Lehrplan ist der Partei aber schon jetzt ein Dorn im Auge. Sie befürchtet insbesondere, dass den Kantonen zu viel vorgeschrieben werden könnte. Mit dem Lehrplan 21 werde sich die EDK zum «Bildungsvogt» mausern, warnte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern.

Ginge es nach dem Willen der SVP, sollte der neue Lehrplan nur Ziele enthalten. Auch die SVP möchte den Kantonen aber einiges vorschreiben. So soll der Fremdsprachenunterricht erst in der Oberstufe einsetzen.

Fremdsprachen nicht für alle

Zwei Fremdsprachen - Französisch und Englisch - wären nur im Niveau A obligatorisch, also für die besten Schüler. Im Niveau B würden die Schüler wählen, welche der beiden Sprachen sie lernen. Ganz freiwillig wäre der Fremdsprachenunterricht im Niveau C der Oberstufe.

Aufgewertet werden sollen nach dem Willen der SVP die Fächer Mathematik und Realien. In der Mathematik fordert die Partei eine Rückkehr zum «bewährten Rechenunterricht» mit mehr Kopfrechnen und Dreisatz.

Klimawandel mit Fragezeichen

Das heutige Fach «Mensch und Umwelt» lehnt die SVP ab. Solchen Fächern mit Inhalten wie dem «beliebten» Klimawandel seien Fächer wie Physik zum Opfer gefallen, kritisierte der Thurgauer Lehrer Franziskus Graber. Die globale Erwärmung sollte nach Ansicht der SVP im künftigen Lehrplan unter dem Titel «Klimakatastrophe oder Klimalüge?» thematisiert werden.

Mehr Gewicht sollte ausserdem die Schweizer Geschichte erhalten - und zwar nicht in Form «linker Geschichtsschreibung». Als solche taxiert die SVP den Bergier-Bericht über die Schweiz während dem Zweiten Weltkrieg.

Thema «Homosexualität» tabu

Scharfe Kritik übt die SVP an Projekten für den künftigen Sexualkundeunterricht. Es gehe nicht an, dass in Schulen die «Gleichwertigkeit sexueller Orientierungen propagiert» werde, sagte der Aargauer Lehrer Willi Villiger.

Die Schule sollte stattdessen die Vorzüge der Familie aufzeigen, einer «staatserhaltenden Kraft und jahrtausendealten Lebensform», wie es im Lehrplan heisst. Als Aussage über Homosexualität will die SVP dies nicht verstanden wissen: Solche Themen hätten einfach im Schulunterricht nichts verloren.

Plädoyer für die Schnürlischrift

Gar nichts hält die SVP ferner von «selbständig entdeckendem Lernen». Dies sei ein «sozialromantisches Phantom», hiess es. Stattdessen soll wieder mehr geübt werden. Und auch die Schnürlischrift ist der SVP wichtig: «Sie darf nicht sterben», sagte Lehrer Graber.

Eine Gruppe von Lehrern hatte den «SVP-Lehrplan» erarbeitet. Was damit nun geschehen soll, ist offen. Die EDK zeigt sich offenbar nicht sonderlich interessiert: «Die haben uns die kalte Schulter gezeigt», sagte Schlüer. Dies sei bedauerlich. (ske/sda)

Erstellt: 02.11.2010, 17:00 Uhr

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