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Wenn Ausländer Bomben legen: Armee übt den Ernstfall

Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 26.08.2009

Tausende Soldaten nehmen zurzeit an der Truppenübung «Protector» teil. Laut Szenario verüben «ethnische Gruppierungen» in der Schweiz Anschläge. Sind damit Kosovaren und Serben gemeint?

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Soldaten der Infanteriebrigade 5 sichern während der Übung «Protector» das Gelände.
VBS

   

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Nachtfahrverbot für Panzer

Nachdem viele Lärmklagen aus der Bevölkerung eingegangen sind, dürfen während der Übung «Protector» zwischen 22 Uhr und 7 Uhr keine Panzer mehr fahren. Auch Starts und Landungen von Drohnen werden untersagt. «Die Schweizer Armee nimmt die Anliegen der Bevölkerung ernst», schreibt das Militärdepartement in einer Mitteilung. Die Armee hat für Fragen, Schadensmeldungen und Beschwerden eine Hotline eingerichtet.

Im Jahr 2011 herrscht in der Schweiz Kriegszustand. Wachtmeister Mathias Stocker kontrolliert mit seinem Zug gerade eine Strasse beim Bahnhof Olten, als ein Minivan die Inspektion durchbrechen will. Die Soldaten reagieren umgehend: Sie verhaften die fünf Insassen und durchsuchen das Auto. Plötzlich schreit Stocker: «Achtung Bombe!». Bevor der Bahnhof und die umliegenden Häuser evakuiert werden, fällt die Klappe – der Bombenalarm war nur gespielt. «Die Truppe hat korrekt reagiert», sagt Major Maurus Gamper in der Feldzeitung der Infanteriebrigade 5.

Ähnliche Aktionen – zum Beispiel ein fingierter Angriff von Paramilitärs auf das Atomkraftwerk Gösgen oder ein Anschlag auf den Habsburg-Tunnel der A3 – finden zurzeit im Mittelland, in der Nordwest- sowie der Zentralschweiz statt: Noch bis zum 29. August führen rund 8000 Soldaten mit 2000 Jeeps, Lastwagen und Panzern «Protector» durch, die grösste Armee-Übung seit 2004. Das Szenario basiert auf «einer zwischenstaatlichen Auseinandersetzung im Nordosten unseres Landes mit Minderheitsproblemen, gekoppelt mit einer weltweiten Wirtschafts- und Energiekrise», sagt Daniel Reist, Sprecher des Heers. Kurz: Extremisten aus ethnischen Gruppierungen – in der Übung heissen sie Volpodinger oder Adrocs – gehen in der Schweiz auf die Strasse, verüben Gewalttaten und legen Bomben.

Unwahrscheinliches Szenario

Das VBS betont, es handle sich dabei nur um Kunstnamen. Für viele Aussenstehende scheint jedoch klar, dass damit Kosovaren und Serben gemeint sind. Seit dem Kosovokrieg und der einseitigen kosovarischen Unabhängigkeitserklärung gibt es zwischen den beiden Volksgruppen – hierzulande leben schätzungsweise 200'000 Kosovoalbaner und mehrere Zehntausend Serben – auch in der Schweiz Spannungen. Bruno Lezzi, früherer Armee-Experte bei der «Neuen Zürcher Zeitung», hält das Szenario jedoch für unwahrscheinlich. «Auch bei der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Februar 2008 ist es in der Schweiz nicht zu Ausschreitungen gekommen: Serben und Kosovoalbaner sind friedlich geblieben.»

Auch für Für Armee-Kenner und Hautpmann Beni Gafner, Autor des Buchs «Armee am Abgrund», haben die Verantwortlichen mit der Anspielung auf Kosovaren und Serben daneben gegriffen: «Der Versuch der Übungsleitung, geographische Gegebenheiten und ethnische Hintergründe zu verschleiern, ist misslungen.» Zielgerichtet üben lässt sich auch mit den richtigen Ländernamen und Grenzverläufen, so Gafner. Sinnvoll erscheint ihm jedoch, dass die hohe Verletzlichkeit der Schweiz und überraschende Gewalttätigkeiten im Mittelpunkt der Übung stehen. Der Übungsleiter, Divisionär Hans-Ulrich Solenthaler, wollte sich auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht zu Protector äussern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.08.2009, 20:21 Uhr

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