Schweiz
«Wenn Darbellay diese Aussage gemacht hat, ist sie bedenklich»
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 03.12.2009
«Ich hoffe, dass die Minarettinitiative nicht Startschuss gewesen war, die Religionsfreiheit in diesem Lande einzuschränken»: Frédéric P. Weil.
Keine Sonderregeln mehr für religiöse Bewegungen: CVP-Parteipräsident Christophe Darbellay.
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«Keine Ausnahmen schaffen»
Am Dienstag erklärte CVP-Parteipräsident Christoph Darbellay in einer Talksendung auf Tele M1, er wolle für religiöse Glaubensgemeinschaften keine separate Friedhöfe mehr. Darbellay wörtlich: «Also es gibt jüdische Friedhöfe in Zürich. Da finde ich soll man keine grosse Geschichte machen. Aber in Zukunft muss ich sagen: Keine Ausnahmen schaffen.»
Zudem sprach sich Darbellay in derselben Sendung für ein Verbot des Kopftuchs in Schulen und am Arbeitsplatz aus.
Herr Weil, der Präsident der CVP Schweiz, Christoph Darbellay, ist der Meinung, man solle bei den Friedhöfen für die verschiedenen Religionsgemeinschaften künftig keine Ausnahme mehr machen.
Ich bin darüber informiert worden. Die betreffende Sendung habe ich aber noch nicht gesehen. Ich werde sie mir aber anschauen…
Und was sagen Sie dazu?
Solange ich die Sendung nicht gesehen habe, noch nicht viel. Wenn Herr Darbellay diese Aussage gemacht hat, sind sie sehr bedenklich und für uns nicht zu akzeptieren. Wir hoffen, dass die Minarett-Initiative nicht der Startschuss gewesen war, die Religionsfreiheit in diesem Lande einzuschränken.
Sie sprechen von einem Startschuss für neue Forderungen gegenüber Minderheiten. Was genau meinen Sie damit?
Sowohl im Judentum als auch im Islam ist das Respektieren der geltenden Rechtsordnung eine religiöse Pflicht. Niemand bestreitet, dass unsere schweizerischen Gepflogenheiten für alle gelten. Aber zu diesen Gepflogenheiten gehört auch Toleranz und Religionsfreiheit. Nach der Annahme der Minarettverbotsinitiave sind jetzt aber populistische Töne und Forderungen von Parteien zu hören, von denen man sich das bisher nicht gewohnt war. Die CVP hatte beispielsweise noch 2006 empfohlen, für muslimische Friedhöfe das Gespräch mit den Muslimen zu suchen. Jetzt will sie Kopftücher und Friedhöfe verbieten.
Was stört Sie an einem Kopftuchverbot?
Mich stört die Einschränkung der Religionsfreiheit. Meine Freiheit wird durch das Tragen eines Kopftuchs nicht eingeschränkt. Bei Verboten und Bestimmungen solcher Art stellen sich immer die Fragen: Wo ist das Ende? Was kommt als nächstes?
Was ist der Grund, dass religiöse Symbole solche Kontroversen auslösen?
Das Unbekannte macht Angst. Und mit dem Unbekannten setzt man sich sich wenig auseinander. In der multikulturellen Stadt Zürich wurde das Minarettverbot mit doch rund 65% der Stimmen abgelehnt.
Was werden Sie gegen gegen die Forderungen der CVP unternehmen?
Auf nationaler Ebene ist der schweizerische israelitische Gemeindebund aktiv. Wir werden das Gespräch mit Politikern aus dem Kanton und der Stadt suchen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.12.2009, 14:52 Uhr





