Wenn Tiere zu Krüppeln gezüchtet werden
Der Schweizer Tierschutz pocht auf die Durchsetzung des Verbots von Extremzuchten von Tieren. Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) müsse derartige tierquälerische Exzesse stoppen, forderte der Tierschutz. Exemplarisch wurde deshalb gegen einen fehlbaren Hundezüchter eine Strafanzeige eingereicht.
Extremzuchten von Tieren wären seit 2005 in der Schweiz eigentlich verboten, doch zeigt diese Bestimmung in der Tierschutzverordnung bisher kaum Wirkung, wie Vertreter des Schweizer Tierschutzes (STS) am Dienstag in Zürich festhielten. Immer noch würden auf Ausstellungen Tiere mit schweren körperlichen Deformationen gezeigt.
Nierenzysten und plötzlicher Herztod
Zu den Extremzuchten gehörten etwa Hunde, die wegen ihrer eingedrückten Schnauze kaum atmen könnten, Nacktkatzen, denen sogar die Tasthaare als wichtiges Sinnesorgan fehlten, Enten mit riesigen Federhauben, die als Begleiterscheinung neurologische Ausfälle und Löcher im Schädel aufwiesen oder Rassekatzen, bei denen die Züchter Nierenzysten, plötzlichen Herztod oder dauernde Zahnfleischentzündung als Kollateralschäden hinnähmen.
Diese zu Krüppeln gezüchtete Haustiere seien bemitleidenswerte Kreaturen. Sie würden durch den blinden Ehrgeiz der Züchter zu abstrusen, geradezu monströsen Objekten degradiert und damit in ihrer Würde verletzt, die ihnen nach dem Tierschutzgesetz gewährt werden sollte.
Der STS fordert deshalb, dass die Vorschriften zur Unterbindung von Extremzuchten in der Schweiz rascher umgesetzt werden. Vom BVET verlangt der STS, dass dafür endlich die notwendigen Vollzugsinstrumente geschaffen werden. Es gehe dabei nicht um Rassenverbote, sondern um die Einführung von Grenzwerten. Damit könnten Extreme bei der Heimtierzucht vermieden werden, sagte Julika Fitzi-Rathgen von der Fachstelle Hunde des STS.
Bald konkrete Zuchtvorschriften
Der Tierschutz erwarte, dass das BVET möglichst bald konkrete Zuchtvorschriften technischer Art nach Artikel 29 der Tierschutzverordnung aufstelle. Diese würden es erlauben, belastete Zuchtlinien und Individuen gezielt von der Zucht auszuschliessen und die Heimtierzucht wieder in normalere Bahnen zu lenken, sagte die Tierärztin Fitzi-Rathgen.
Dass in der Schweiz dringender Handlungsbedarf bestehe, habe ein Besuch der Tierausstellung Animalia im vergangenen Jahr gezeigt. Besonders auffallend seien die vielen kurzköpfigen Zuchtformen bei Hunden und Katzen gewesen, die deshalb oft unter Atemnot litten, sowie Zuchtformen mit extrem langen Haaren, sagte die Zoologin Eva Waiblinger von der STS-Fachstelle Heimtiere. Um ein Exempel zu statuieren, hat der STS laut eigenen Angaben gegen einen fehlbaren Hundezüchter eine Anzeige beim zuständigen Veterinäramt eingereicht. (tan/sda)
Erstellt: 19.01.2010, 12:19 Uhr
































