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«Wer Devisen kauft, will Gewinn machen»

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 03.01.2012 162 Kommentare

War der Dollarkauf von Kashya Hildebrand rechtens? Die Nationalbank hält ihre internen Richtlinien unter Verschluss. Das stösst auf Kritik.

«Kein Kommentar»: Schweizerische Nationalbank, Bern.

«Kein Kommentar»: Schweizerische Nationalbank, Bern.
Bild: Keystone

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Soll es Mitgliedern des SNB-Direktoriums und ihren Angehörigen untersagt sein, Devisengeschäfte zu tätigen?

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Weitere Details

Im Fall der umstrittenen Devisentransaktion der Familie Hildebrand wurden in der Woche vor Neujahr weitere Details bekannt. Nicht Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), stand unter Verdacht, sich mit Insiderwissen illegal bereichert zu haben, sondern seine Ehefrau Kashya Hildebrand. Wie der «SonntagsBlick» berichtete, hatte die gebürtige Pakistanerin mit US-Pass am 15. August mit Schweizer Franken Dollars gekauft – rund drei Wochen bevor die SNB Anfang September in grossem Stil im Markt intervenierte und der Kurs der US-Währung anstieg. Wie viele Dollar die 50-Jährige kaufte, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, wofür die ehemalige Devisenhändlerin das Geld brauchte. Der «SonntagsBlick» mutmasst, dass sie Geld wechselte, um in den USA ein Gemälde zu kaufen – sie führt in Zürich eine Galerie.

Wie die SNB am 23. Dezember mitgeteilt hat, seien alle Transaktionen der Familie Hildebrand unter die Lupe genommen worden. Gerüchte, wonach sich jemand der Familie bereichert haben soll, hätten sich als haltlos erwiesen. (sda)

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Die Devisenkäufe von Kashya Hildebrand, Frau des Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand, seien rechtlich unproblematisch, bescheinigten Kurt Grüter, Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, und PricewaterhouseCoopers Ende Dezember. Wahrscheinlich tangieren sie auch die internen Richtlinien der schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht.

Mit Sicherheit lässt sich das aber nicht sagen, denn die SNB (SNBN 1089 2.06%) legt den Verhaltenskodex für ihre Direktoriumsmitglieder, das «Reglement über Eigengeschäfte», nicht offen. «Kein Kommentar» heisst es dazu auf Anfrage bei SNB-Sprecher Werner Abegg. Ehemalige Direktoriumsmitglieder sagen, Devisenkäufe seien den Angehörigen nur dann untersagt, wenn sie durch «spekulatives Interesse» motiviert sind.

«Devisenkäufe verbieten»

Hat Kashya Hildebrand mit spekulativem Interesse gehandelt, als sie Mitte August für eine halbe Million Schweizer Franken Dollar kaufte? «Wer Devisen kauft, will Gewinn machen», sagt Walter Wittmann, emeritierter Wirtschaftsprofessor. «Ausser, Frau Hildebrand würde glaubhaft darlegen, dass sie mit dem gekauften Geld innert weniger Monate Schulden in Dollar abbezahlt.» Was ist mit dem Argument, dass Hildebrand oder seine Frau für einen vergleichsweise kleinen Gewinnn kaum diesen hohen Posten riskieren würden? «Das Argument ist dumm», sagt Wittmann. «Die Akteure in der Wirtschaft handeln oft nicht nach logischen Prinzipien, wie man immer wieder beobachten kann.»

Die Nationalbank soll ihre internen Richtlinien publik machen, fordert Wittmann, zumal dies Hildebrand nicht weiter belasten würde. «Und dann muss die Bank Devisentransaktionen für Angehörige ihres Direktoriums verbieten.» Beim Handel mit Wertpapieren oder Gold hätten die Familienmitglieder keine grossen Vorteile; beim Devisenhandel aber schon.

«Eine heikle Frage»

Die internen Vorschriften der SNB wären im Sinn der Transparenz öffentlich zu machen, sagt Peter Kugler, Professor für Geld- und Währungsgeschichte an der Universität Basel. Auch Geschäftbanken sollten diesbezüglich transparent sein: «Die Kunden und Aktionäre haben das Recht, darüber Bescheid zu wissen.»

Verbieten würde er Devisenkäufe für Familienmitglieder von SNB-Verantwortlichen aber nicht. «Es ist eine heikle Frage. Doch ein Verbot käme einem teilweisen Berufsverbot für Angehörige von SNB-Direktoriumsmitgliedern gleich.» Wichtig seien die Relationen, sagt Kugler: «Liegt der Betrag im üblichen Rahmen der Geschäftstätigkeit?» Sehr problematisch wäre es seiner Ansicht nach gewesen, wenn der Dollarkauf unmittelbar vor Bekanntgabe der Kursuntergrenze erfolgt wäre. Wenn die Transaktionen jedoch drei bis vier Wochen davor erfolgten, deute nichts auf die Ausnützung eines Informationsvorteils hin. «Wer die öffentliche Diskussion um die Währungsentwicklung im letzten Sommer kompetent verfolgt hat, konnte im August 2012 erwarten, dass der Franken mittelfristig an Wert verlieren wird», so Kugler.

«Im Devisenhandel gibt es kein Insiderwissen»

Der emeritierte Wirtschaftsprofessor Hans Geiger ist der Meinung, dass das Debakel um Hildebrand und den Dollarkauf «für alle Beteiligten peinlich» ist, wie er auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt. Dass die Nationalbank ihre Richtlinien veröffentlichen müsse, sei doch klar, das müssten alle anderen Banken auch. Zur Sache selber sagt der SVP-nahe Geiger: «Im Devisenhandel gibt es kein Insiderwissen», Kashya Hildebrand hätte mit dem Dollarkauf ebenso gut Verlust machen können.

In welchem Umfang darf ein SNB-Präsident beziehungsweise seine Familie Devisengeschäfte tätigen? Die Frage stellt heute die NZZ, und sie wird wohl auch die Politik noch beschäftigen, unabhängig davon, wie die Informationen über die Privatgeschäfte der Familie Hildebrand an die Öffentlichkeit gelangt sind, und wie sich dies auf die weitere Karriere Hildebrands auswirkt.

«SNB hat nichts zu verlieren»

Die Geheimhaltung der internen SNB-Richtlinien wird voraussichtlich auch in der nationalrätlichen Wirtschaftskommission (WAK) ein Thema sein, wenn sie am kommenden Montag und Dienstag tagt. Ein Mitglied ist Hans Kaufmann (SVP, ZH), er hat schon vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Hildebrand, am 21. Dezember, einen Vorstoss zu diesem Thema eingereicht. Kaufmann will wissen, ob es Richtlinien gebe, die den Direktoriumsmitgliedern das Ausnützen von vertraulichen Informationen verunmöglichen.

Im Normalfall gebe es keinen Grund, die internen Weisungen publik zu machen, sagt Kaufmann. «Aber im aktuellen Fall sollte die SNB diese Richtlinien öffentlich machen. Sie hat damit nichts zu verlieren.» Kaufmann vermutet, dass der Insiderhandel in den Richtlinien ungenügend definiert ist und fordert eine genauere Definition von Insidertransaktionen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.01.2012, 13:47 Uhr

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162 Kommentare

Kurt Müller

03.01.2012, 14:55 Uhr
Melden 101 Empfehlung

Das finanzpolitische System der Schweiz zeigt Züge, die einer Bananenrepublik gut anstehen würden. Eine Nationalbank, die ihren Verhaltenskodex fürs Direktorium dem eigenen Volk nicht zeigen kann! Antworten


Dominiq Büttiker

03.01.2012, 14:14 Uhr
Melden 74 Empfehlung

Der Rücktritt Hildebrands ist der einzige Ausweg, um die Glaubwürdigkeit der SNB wiederherzustellen! Die Bürger müssen mehr Transparenz bei "Ihrer" Nationalbank einfordern. Es darf doch nicht sein, dass ein öffentliches Institut im Jahr 2011 minimalste Governance-Regeln verletzt und Richtlinien nicht veröffentlicht. Diese sektenhafte Geheimnistuerei ist einer Nationalbank unwürdig. Antworten



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