«Wer Nein sagt, spielt mit den Renten im Casino»
Aktualisiert am 18.03.2010 75 Kommentare
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Auf den Tag genau drei Monate vor den nächsten eidgenössischen Abstimmungen hat der Bundesrat am Montag die Kampagne zur Senkung des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule gestartet. Didier Burkhalter und Doris Leuthard verteidigten die Massnahme als «wohlüberlegt, dosiert und sinnvoll». Die Senkung des Mindestumwandlungssatzes sei enorm wichtig für die soziale Sicherheit, sagte der neue Sozialminister Didier Burkhalter, der am 7. März 2010 erstmals eine Vorlage aus seinem Departement vor dem Volk vertreten muss.
Nur mit einer Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,4 Prozent könnten die Renten der beruflichen Vorsorge langfristig gesichert werden. Ohne Senkung gerate die zweite Säule wegen der steigenden Lebenserwartung und wegen gesunkener Renditeerwartungen aus dem Lot.
Zweite Senkungsrunde
Konkret soll der Umwandlungssatz bis 2016 von heute noch 7 Prozent schrittweise auf 6,4 Prozent gesenkt werden. Die Senkung auf 6,8 Prozent bis 2014 wurde bereits in der ersten Revision des Gesetzes zur beruflichen Vorsorge (BVG) beschlossen.
Bundesrat und Parlament waren jedoch der Ansicht, dass dies nicht reicht. Sie entschieden, den Satz von 6,8 auf 6,4 Prozent zu senken. Von der Senkung sind nur Neurentner betroffen. Wer schon heute eine BVG-Rente bezieht, erleidet keine Kürzung.
Für Neurentner hingegen gäbe es ab 2016 pro 100'000 Fr. angespartem Alterskapital statt rund 7000 Franken wie heute nur noch 6400 Fr. pro Jahr. Verfügt jemand über ein Alterskapital von 500'000 Franken, entspricht dies einer Jahresrente von 32'000 statt 35'000 Franken.
Gegen die Senkung haben Gewerkschaften erfolgreich das Referendum ergriffen. Der tiefere Umwandlungssatz beschere frisch Pensionierten eine Rentenkürzung von 10 Prozent. Es handle sich schlicht um eine Kürzung auf Vorrat. Die Senkung auf 6,8 Prozent reiche aus.
«Renten auf Pump»
Dieser Meinung sind Burkhalter und Leuthard am Montag entschieden entgegengetreten. Bei der Einführung des BVG-Obligatoriums 1985 habe die Lebenserwartung bei Erreichen des Pensionsalters mit 65 Jahren für Männer noch 15,1 Jahre und bei Frauen von 18,8 Jahre betragen. Heute seien es bereits 19 respektive 22 Jahre, erklärte Leuthard.
Da der Umwandlungssatz heute zu hoch sei, liege die Gesamtsumme der ausbezahlten BVG-Renten schon jetzt höher als die während der Erwerbstätigkeit angesparten Guthaben. «Ohne Anpassung verteilen wir Kapital, das nicht vorhanden ist - wir zahlen Renten auf Pump», warnte Leuthard.
Wenn nichts getan werde, sei unter dem Strich die wirtschaftliche Prosperität der Schweiz gefährdet. Denn ohne Senkung müssten die noch erwerbstätigen Versicherten oder ihre Arbeitgeber jährlich schätzungsweise 600 Millionen Fr. aufbringen, um die Finanzierungslücke zu schliessen.
Gegen zu riskante Anlagepolitik
Laut Burkhalter hat nicht nur die gestiegene Lebenserwartung zur Schwächung der zweiten Säule geführt. Auch die Renditeerwartungen seien gesunken. Bleibe nun der Umwandlungssatz zu hoch, dränge man die Pensionkassen zu risikoreicheren Anlagestrategien.
Mit dem aktuellen Umwandlungssatz brauche es eine Rendite von 5 Prozent. Das sei angesichts der Zinssätze für langfristige Bundesanleihen sehr viel und könne nur mit höheren Risiken und damit höheren Aktienanteilen erzielt werden.
Dies berge aber grosse Gefahren. Länder, die ihren Pensionskassen hohe Aktienanteile gestatteten, hätten in den letzten drei Jahren deutlich schlechter abgeschnitten als die Schweiz. «Wer Nein sagt zur BVG-Revision, spricht sich für Unsicherheit in der zweiten Säule aus und spielt mit den Renten im Casino», erklärte Burkhalter. (vin/sda)
Erstellt: 18.03.2010, 14:33 Uhr
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75 Kommentare
Das ist Rentenklau! Die geplante Rentensenkung unzumutbar für viele hart arbeitende Menschen in unserem Land und absolut unnötig. Die Renten wurden erst gerade an die Lebenserwartung angepasst. Hier scheinen sich wieder ein paar Verischerungen gemeinsam mit ihren Lobbyisten bereichern zu wollen.... Antworten
































