Wer ein neues Auto fährt, kann nichts verbergen

Von Christian von Burg. Aktualisiert am 11.03.2010 40 Kommentare

Über den Garagisten lesen die Hersteller zahlreiche Daten aus den Autos. Dies hat Konsequenzen für Kunden.

Moderne Wagen sammeln Daten, die Auskünfte über Fahrer und Fahrstil erlauben.

Moderne Wagen sammeln Daten, die Auskünfte über Fahrer und Fahrstil erlauben.
Bild: Keystone

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Die Blackbox für Raser ist in der Schweiz beschlossene Sache. Wären Sie auch dafür, dass ein solcher Datenschreiber künftig ab Werk in allen Autos eingebaut ist?

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Die Blackbox für Raser ist beschlossene Sache. Der Ständerat hat dieses Anliegen gestern einmal mehr bekräftigt. Autofahrer, denen der Führerausweis für mindestens zwölf Monate wegen Geschwindigkeitsübertretungen entzogen worden ist, sollen anschliessend während fünf Jahren nur noch mit einem Datenaufzeichnungsgerät auf die Strasse dürfen. So will es der Bundesrat.

Jede Manipulation des Fahrers wird überwacht

Was die wenigsten Fahrer moderner Autos wissen: Sie haben die Blackbox quasi schon dabei. Hunderte von Sensoren und Kilometer von Kabel überwachen jede ihrer Manipulationen. Die Qualität der gespeicherten Daten kommt zwar nicht an die einer guten Blackbox heran. Es wäre aber leicht, dies zu ändern. Das bestätigt ETH-Professor und Autospezialist Lino Guzella. «Allerdings wäre es wohl kaum der Wunsch der Autokäufer, die Polizei sozusagen schon mit im Auto zu haben.»

Die Hersteller sammeln derzeit vor allem Fehlermeldungen: ein Versagen im Antiblockiersystem, ein überhitzter Motor, eine defekte Steuerung. Tausende solcher Daten werden automatisch gespeichert und beim Service vom Garagisten abgezapft. Die Daten laufen von der Schnittstelle direkt zum Hersteller. «Meist können die Garagisten die Daten gar nicht selber analysieren», sagt Jürg Thrier, Berater beim TCS. «Sie bekommen die Reparaturanweisungen direkt von BMW, VW oder Peugeot. Thrier weiss aus seiner früheren Tätigkeit im Autogewerbe, dass neben den Fehlermeldungen noch eine Vielzahl weiterer Daten in die Zentralen der Hersteller übermittelt wird; Daten, die unter anderem zur Weiterentwicklung der Autos verwendet würden.

Keine Garantie für Fehlbare

Auch bei der eidgenössischen Datenschutzbehörde ist man auf das Thema aufmerksam geworden. «Solange diese Daten anonymisiert sind, ist das kein Problem», erklärt Sprecherin Eliane Schmid. Die Kunden müssten jedoch informiert werden, wenn Rückschlüsse auf einzelne Autofahrer möglich seien.

Dies geschieht aber nicht. Die Kunden werden beim Kauf nicht darüber aufgeklärt, dass sie mit jedem Handgriff eine Datenspur hinterlassen, obwohl diese Spur auch zu ihren Ungunsten verwendet werden kann. Beim TCS sind verschiedene Fälle dokumentiert, in denen Kunden ihre Garantieansprüche verloren haben: Aufgrund der gesammelten Daten konnten ihnen die Hersteller nachweisen, dass sie ihr Auto zu hochtourig gefahren oder durch Tuning einen Defekt verursacht hatten.

Fälle auch in St. Gallen

Auch beim Strassenverkehrsamt St. Gallen sind solche Fälle bekannt. Erich Peter, der dort für die Rekonstruktion von Unfällen verantwortlich ist, findet es «sehr problematisch», dass die Kunden nicht informiert würden. Ab und zu würden nämlich auch technische Defekte «auf der Kippe zur Rückrufaktion» ohne Wissen der Kunden erledigt. In Fällen, wo die Kunden nach Ablauf der Garantie nicht mehr beim Markenvertreter in die Garage gingen, sei es so auch schon zu Unfällen gekommen.

Peter ist aber zur Unfallrekonstruktion ebenfalls an den Daten interessiert und hat bereits mehrfach den Kontakt mit Herstellern gesucht. Bisher habe man ihm mit Verweis auf das Werkgeheimnis immer eine Absage erteilt. Auch Autoversicherer wie etwa Axa Winterthur oder Zürich signalisieren Interesse an solchen Daten.

Hersteller bestätigen Datenfluss

Die Aussagen der Hersteller über die gesammelten Daten sind widersprüchlich: Für die Versicherer seien diese Daten nicht spannend, sagt etwa Donatus Grütter von VW Schweiz, «denn die Geschwindigkeit wird nicht aufgezeichnet, nur die technischen Fehler». Renault hingegen gibt jedes Jahr «in einigen Fällen» Daten an die Polizei weiter. «Bei einem schweren Unfall können wir sagen, wie schnell jemand unterwegs war, ob er gebremst hat und ob der Airbag ausgelöst worden ist oder nicht», sagt Sprecher Luigi Cescato.

Auch die Schweizer Niederlassungen von BMW, Toyota und Ford bestätigen, dass sie laufend Daten sammeln und an die Hersteller übermitteln. Eine genauere Information der Kunden sei aber nicht vorgesehen. Solange nur Fehlermeldungen gesammelt würden, halte er das für vertretbar, sagt Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz. «Geht es darüber hinaus, müsste man die Kunden aufklären.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2010, 14:51 Uhr

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40 Kommentare

Reinhold Birgmann

11.03.2010, 09:34 Uhr
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Ich finde die Aussage interessant, dass die Geschwindigkeit nicht aufgezeichnet wird. Beim Unfall von Jörg Haider konnten die VW Techniker sagen, bei welcher Geschwindigkeit der Airbag ausgelöst hat. Wie soll das gehen, wenn die Geschwindigkeit nicht aufgezeichnet wird? Antworten


Stefan Lehmann

11.03.2010, 10:07 Uhr
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Tja, wir sind die Kunden wenn wir ein Auto kaufen. Wenn wir so gegen diese Systeme sind, dann sollten wir auch beim Kauf darauf achten was wir uns anschaffen. Wenn diese Hersteller mit „Nicht-Kauf“ bestraft werden, werden sie schon andere Wege einschlagen. Die Konsumenten haben hier die MACHT etwas zu ändern. Antworten



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