Wer in der Affäre Geri Müller die Fäden zog

Am Wirbel um den Badener Stadtammann war eine Drittpartei beteiligt. Vertreten wurde sie durch den PR-Berater Sacha Wigdorovits.

Hat derzeit wenig zu lachen: Der Badner Stadtammann Geri Müller. Foto: Doris Fanconi

Hat derzeit wenig zu lachen: Der Badner Stadtammann Geri Müller. Foto: Doris Fanconi

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Seit die Affäre um den Badener Stadtammann Geri Müller am Sonntag losgebrochen ist, steht der Verdacht im Raum, dass eine dritte Partei daran beteiligt sein könnte. Ein Spindoktor, der die Frau instruierte, welchen Medien sie ihr Material anbieten soll, ihr zeigte, wie man dabei vorgeht. Dies bestätigte die Frau nun gegenüber dem TA. Sie sei von «Leuten einer Organisation» gedrängt worden, ihnen das Material auszuhändigen. «Vor diesen Leuten hatte ich viel mehr Angst als vor Geri Müller. Sie haben mich stark unter Druck gesetzt.»

Wie TA-Recherchen ergaben, stellte der Zürcher PR-Berater Sacha Wigdorovits den Kontakt zu Medien her und bot die Protokolle zur Veröffentlichung an. Konfrontiert mit den Vorwürfen, sagte Wigdorovits: «Ich will mich zu diesem Fall nicht äussern.» Wigdorovits sitzt im Stiftungsrat der Audiatur-Stiftung, die sich gemäss Darstellung auf ihrer Website «in der öffentlichen Debatte um Israel und den Nahostkonflikt als konstruktive Stimme» versteht. «Sie will im Interesse des Dialogs zu einer ausgewogenen Berichterstattung beitragen.»

Mehrere Zeitungen lehnten Story ab

Die Geschichte war dem «Blick», der «Weltwoche» und der «SonntagsZeitung» im Juli angeboten worden, sie publizierten sie aber nicht. Dann enthüllte die «Neue Zürcher Zeitung» die Affäre um die sogenannte Pornosekretärin in der Bundesverwaltung. Kurz darauf war das Chatprotokoll von Geri Müller wieder im Umlauf. Die Zeitung «Schweiz am Sonntag» publizierte die Geschichte nach dem Polizeieinsatz vom 13. August, ohne eine ausführliche Stellungnahme Müllers abzuwarten. Die Chatpartnerin gibt an, dass sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr an die Medien gelangen wollte, aber dazu gedrängt worden sei. Sie habe das Material – es handelte sich um Screenshots von Chatprotokollen – der «Schweiz am Sonntag» nicht direkt ausgehändigt.

Schon im Dezember 2012 war es im Wahlkampf um das Amt des Badener Stadtammanns zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Die «SonntagsZeitung» berichtete damals, ein Informant habe ihr in einem Berner Shoppingcenter Material angeboten, das den Grünen-Politiker belasten sollte. Dazu war Geri Müller monatelang von einem Privatdetektiv beschattet worden, der belastende Informationen beschaffen sollte. Nachdem diese Vorgänge publik geworden waren, gewann Müller die Wahl allerdings.

Wigdorovits und Müller geraten nicht zum ersten Mal aneinander. In öffentlichen Diskussionssendungen um den Nahostkonflikt traten der Israel-Vertreter und der Palästinenser-Freund wiederholt als Kontrahenten an.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.08.2014, 23:45 Uhr)

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