Wer ist erwünscht: Arme Muslime oder reiche Deutsche?

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 06.11.2009 130 Kommentare

Welche Ausländer wollen wir - und wie viele? Um eine Diskussion über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen der Zuwanderung kommen wir nicht herum.

»Die Wirtschaft wird so abhängig, ja süchtig, von Einwanderern»: Ausländer unterschiedlicher Herkunft mit unterschiedlichem Fachwissen.

»Die Wirtschaft wird so abhängig, ja süchtig, von Einwanderern»: Ausländer unterschiedlicher Herkunft mit unterschiedlichem Fachwissen.
Bild: Keystone

Man muss über keine hellseherischen Fähigkeiten verfügen um zu prophezeien, dass die Zuwanderung zu einem brandheissen Politthema werden wird. Wenn innerhalb eines Jahres - so geschehen 2008 - rund 100'000 Ausländer mehr in der Schweiz leben, dann ist Ärger programmiert. Zumal die wirtschaftlichen Aussichten alles andere als rosig sind. Schweizerinnen und Schweizer haben Angst, ihren Job zu verlieren und machen sich Sorgen, weil das Land zersiedelt wird. Die Vorstellung einer Schweiz mit zehn Millionen Einwohnern ist für viele ein Horror.

In der Zuwanderungsdebatte haben sich zwei Feindbilder in unseren Köpfen verfestigt: Arme Muslime und reiche Deutsche. Im Vorfeld der Abstimmung über die Minarett-Initiative dominieren derzeit die Muslime die Debatte. Die «Weltwoche» und das «Magazin» haben beide kürzlich ausführlich die Thesen von Christopher Caldwell vorgestellt. Caldwell ist ein amerikanischer Journalist mit neokonservativer Weltanschauung. Er hat kürzlich ein Buch mit dem Titel «Reflections on the Revolution in Europe» veröffentlicht.

«Wirtschaft wird abhängig, ja süchtig»

Caldwell sieht Europa durch den Zustrom von Muslimen bedroht und warnt aus zwei Gründen davor: Wirtschaftlich gesehen sei die Einwanderung höchstens kurzfristig erfolgreich, langfristig aber eine Katastrophe. «Die Gewinne der Immigration sind ausgeliehen, nicht verdient und müssen von den späteren Generationen zurückbezahlt werden», stellt Caldwell fest. «Je schneller sich die Immigranten an unsere Gesellschaft anpassen, desto mehr Immigranten brauchen wir. Die Wirtschaft wird so abhängig, ja süchtig, von Einwanderern.»

Viel grösser als die wirtschaftliche sei jedoch die politische Gefahr. Caldwell befürchtet, Europa werde vom Islam überrannt. «Eine sich rasch vermindernde Bevölkerung von ein paar hundert Millionen Europäern lebt nördlich des Mittelmeers, eine rasch wachsende Bevölkerung von ein paar hundert Millionen Menschen lebt südlich davon, und diese Menschen sind vom scheinbar unzerstörbaren Willen beseelt, in Europa Wohnsitz zu nehmen», schreibt er. «Schlimmer noch, ein gewisser Teil davon ist entschlossen, Europa mit Gewalt zu zerstören.»

Wissenschaftler brauchen Abwarte

Dem armen, aber streng gläubigen Muslim, vor denen Caldwell warnt, stehen in der Schweiz reiche Einwanderer aus dem Norden gegenüber. Vor allem gut ausgebildete Deutsche – Ärzte, Ingenieure, etc, – strömen zu uns. Vom milden Steuerklima angezogen fühlen sich auch gut betuchte Ausländer. Das führt zu steigenden Hauspreisen und Mieten, zur Zersiedelung der Landschaft und zum Phänomen, das neuerdings «Seefeldisierung» der Städte genannt wird. In gut bürgerlichen Stadtteilen wie Wollishofen und Enge werden noch bestens erhaltene Häuser abgerissen, um neue Luxuswohnungen zu erstellen, die selbst für den Mittelstand nicht mehr erschwinglich sind. Gegen diese Zuwanderung will sich neuerdings der grüne Nationalrat Bastien Girod zur Wehr setzen. Er fordert eine Rationierung des Baulandes.

Die «Weltwoche» schlägt eine einfache Lösung des Problems vor. «Man holt die Besten, das aber gezielt», fordert Chefredaktor Roger Köppel. Leider geht das nicht. Die besten Ärzte pflegen ihre Patienten nicht selbst, die besten Wissenschaftler brauchen Putzfrauen und Abwarte, die ihre Labors rund um die Uhr in Schuss halten, und Millionäre wollen Häuser mit Umschwung und Dienstpersonal. Arme und reiche Zuwanderer lassen sich nicht auseinander dividieren. Was wir deshalb brauchen, ist eine sachliche Diskussion über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen der Zuwanderung. Davor hat sich die Politik bisher gedrückt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.11.2009, 13:03 Uhr

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130 Kommentare

Walter Kuhn

06.11.2009, 13:30 Uhr
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Die rasche Bevölkerungszunahme durch Immigration verursacht drei Hauptprobleme: Bevölkerungsdichte, Multikulti und Altersvorsorge. Bevölkerungsdichte ist unabhängig von der Herkunft. Multikulti bringt bei sehr fremdartigen Immigranten Probleme wie Ghettobildung und fremdes Recht, z.B. Sharia. Nur einkommensstarke Immigranten retten die AHV, andere saugen die AHV, die IV und das Sozialamt aus. Antworten


Hans Winkler

06.11.2009, 14:02 Uhr
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Wenn unsere Linke schon die SVP nicht erträgt, wie will sie dann langfristig den Islam ertragen? Und weswegen zieht es soviele Deutsche in die Schweiz wo doch in der EU alles besser ist? Antworten



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