Widmer-Schlumpf will mehr Freiheit bei Sterbehilfe zugestehen

Nach Kritik in der Vernehmlassung will die Justizministerin die bundesrätlichen Vorschläge zur strikten Regelung der Hilfe beim Freitod laut einem Zeitungsbericht überdenken.

Kontroverses Thema: Untensilien zur Sterbehilfe in einem Zimmer der Organisation Dignitas in Zürich-Wiedikon (Aufnahme vom 18. September 2002).

Kontroverses Thema: Untensilien zur Sterbehilfe in einem Zimmer der Organisation Dignitas in Zürich-Wiedikon (Aufnahme vom 18. September 2002). Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie wolle dem Wunsch einer Mehrheit in der Vernehmlassung Rechnung tragen, und «die Suizidhilfe nicht nur für unmittelbar vom Tod bedrohte schwerkranke Personen zulassen, sondern weiter fassen», sagte Widmer-Schlumpf in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». In der Vernehmlassung waren die Vorschläge, nämlich eine strenge Reglementierung oder ein Verbot von Sterbehilfeorganisationen, auf breite Ablehnung gestossen.

Kritisiert wurde unter anderem, dass der Bundesrat chronisch Kranke von der Freitodhilfe ausschliessen wollte. Dies ging auch der Nationalen Ethikkommission NEK zu weit, obwohl sie strengere Regeln für die Freitodhilfe wünscht. Auch ein Verbot der Sterbehilfeorganisationen lehnt die NEK ab. Als zu schwerfällig wurde ausserdem der Vorschlag kritisiert, dass ein Sterbewilliger gleich zwei Gutachten von Ärzten vorlegen müsse.

Anhörung von Fachleuten geplant

Bei der Neuformulierung der Bedingungen für eine legale Suizidhilfe will sich Widmer-Schlumpf nun von einem Expertengremium beraten lassen, zu dem Juristen und der Gerichtspsychiater René Raggenbass gehören sollen. Zudem prüft sie die Möglichkeit, ein eigentliches Gesetz zur Suizidhilfe zu erlassen.

Dass es ein solches Gesetz braucht, findet FDP-Ständerat Felix Gutzwiller zwar nicht, stimmt der Bundesrätin in anderen Punkten aber zu. «Eine liberale Regelung der Suizidhilfe muss kommen», zitiert ihn die «SonntagsZeitung», «der Vorschlag von Widmer-Schlumpf geht in die richtige Richtung.»

Mehrheit im Parlament für aktuelle Regelung

Die meisten Parteien, nämlich SVP, FDP, SP und Grüne, halten laut Medienberichten sogar die heutige Regelung im Strafgesetzbuch zur Sterbehilfe für ausreichend und wollen diese beibehalten. Sie verbietet die Hilfe oder Verleitung zum Suizid nur in solchen Fällen, wenn sie aus «selbstsüchtigen Beweggründen» geleistet wird.

Einzig die Kirchen, kirchennahe Kreise und die christlichen Parteien CVP und EVP hatten die bundesrätlichen Pläne unterstützt. Allerdings setzt sich neben den Kirchen nur die EVP für ein Verbot von Sterbehilfeorganisationen ein. Der CVP würden dagegen strengere Regeln genügen – vor allem, um den Sterbetourismus aus dem Ausland zu unterbinden. (raa/sda)

(Erstellt: 08.08.2010, 09:33 Uhr)

Reagiert auf vielfältige Kritik: Eveline Widmer-Schlumpf.

Artikel zum Thema

Deutschland lockert Sterbehilfe-Verbot

Ein Anwalt, der einer Frau geraten hatte, ihrer Mutter den Schlauch zur künstlichen Ernährung durchzuschneiden, wurde vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Mehr...

Dignitas-Seebestattung: Urne gefunden

Die Hinweise verdichten sich, dass die Sterbehilfeorganisation Dignitas bei der Zehntentrotte in Küsnacht Asche von Kremierten in den Zürichsee gestreut hat. Mehr...

Dignitas will professionelle Buchführung

Die Geschäfte der Sterbehilfeorganisation Dignitas sind zu wenig transparent. Jetzt gelobt Ludwig A. Minelli Besserung. Mehr...

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Werbung

Blogs

Von Kopf bis Fuss So schlagen Sie der Grippe ein Schnippchen

Geldblog Megatrend Robotik verspricht Gewinne

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Zum Schutz der Alpen: Eine Frau mit einem roten Ballon steht in der Naehe des Nordportals des Gotthard-Basistunnels anlaesslich der Aktion der Alpen-Initiative 'Weil wir die Alpen lieben'. (8. Dezember 2016)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...