Schweiz
Wie Postpräsident Claude Béglé seine Kritiker verstummen liess
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 14.01.2010
Bundesrat Moritz Leuenberger und der Verwaltungsratspräsidenten der Post, Claude Béglé, müssen nun auch in der Verkehrskommission (KVF) des Nationalrates antraben. Das sagt SVP-Politiker und Kommissionspräsident Max Binder. Die Sitzung soll am 22. oder 23. Januar stattfinden.
Binder reagiert damit auf Forderungen aus der Kommission: Letzte Woche hatten KVF-Mitglieder wie Franziska Teuscher für eine solche Anhörung Druck gemacht. «Wir können doch nicht das Postorganisationsgesetz und das Postgesetz behandeln, ohne Klarheit über das aktuelle Chaos bei der Post zu haben», sagt die Berner Grüne.
Der Postpräsident ist auf allen Kanälen präsent
Neue Erkenntnisse dürfte dieser Auftritt von Leuenberger und Béglé aber kaum bringen. Bundesrat Moritz Leuenberger stellte sich in den letzten Tagen hinter seinen Postpräsidenten Claude Béglé und verteidigte dessen Wahl zum VR-Präsidenten. Béglé selber führt seit Neujahr mit Hilfe einer Werbeagentur eine PR-Offensive gegen die massive Kritik an seiner Amtsführung und seinen Auslandsplänen.
«Nein, es gab niemals Zweifel», sagte er Anfang Woche im Interview mit der NZZ. Die Post wolle im Ausland keinen Milliarden-Einkauf, sondern viele kleine Deals tätigen. Die alte Garde bei der Post versuche, den Status quo zu erhalten, meinte Béglé im Westschweizer Fernsehen. Im «Club» von SF dann, am vergangenen Dienstagabend, gibt Béglé Fehler bei der Kommunikation zu. «Wenn ich zurückblicke, war ich zu schnell und ich nehme die Kritik an.» Er sei mit seinen Wachstumsplänen im Ausland falsch verstanden worden. Bei einzelnen Treffen mit Medienleuten liess er sich von PR-Spezialisten begleiten.
Béglés PR-Strategie war bisher erfolgreich
Damit ist die PR-Strategie von Claude Béglé fürs Erste aufgegangen. Von «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel bis zu SP-Präsident Christian Levrat finden plötzlich alle, Claude Béglé sei nicht wirklich der Böse. Dabei wirft allein die Zusammenstellung des «Clubs» von SF einige Fragen auf. Keiner der Teilnehmer wollte dem Postpräsidenten wirklich auf den Zahn fühlen - nicht einmal SP-Präsident Christian Levrat. Dies hat jedoch einen konkreten Hintergrund, der 6 Jahre zurück liegt.
Als der heutige SP-Präsident noch Vorsitzender bei der Postgewerkschaft Kommunikation war, hat er mit der DPD, der grössten Konkurrentin der Post im Bereich des Pakettransports, einen Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt. Unterzeichnet hat diesen Vertrag der damalige Verwaltungsratspräsident der französischen DPD, Claude Béglé. Er war Levrat bei den Verhandlungen sehr entgegenkommen: Der GAV sichert den DPD-Angestellten deutlich bessere Arbeitsbedingungen zu als bisher.
Auslandstrategie ist für alle Probleme verantwortlich
Interessant ist auch, dass inzwischen für fast alle Probleme bei der Post Béglés Auslandstrategien herhalten müssen. Die wurden erst wirklich zum Problem, als Béglé in einem Interview am Sonntag erklärte, die Post müsse wie Nestlé und Google werden. Er sei damals falsch verstanden worden, sagt Béglé heute. In der Verkehrskommission des Nationalrates, wo Béglé im Juni 2009 zusammen mit Konzernchef Michel Kunz auftrat, erwähnte er mit keiner Silbe seine Pläne im Ausland. Jedenfalls geht dies aus den Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegenden Dokumenten nicht hervor.
Der Konflikt ging eigentlich los, weil der Waadtländer bei der Post das System UBS mit einem sogenannten Chairman Office einführen und den Verwaltungsratspräsidenten mit mehr Machtbefugnissen ausstatten wollte. Gerade dieses System wurde bei der UBS für die Riesenverluste verantwortlich gemacht. Beglé baute dazu sukzessive die Verwaltung auf der Ebene des Verwaltungsrats aus und engagierte Kaderleute, welche von der Konzernleitung aufgrund Restrukturierungen kaltgestellt worden waren. Die Kosten des Verwaltungsrats explodierten unter seiner Ägide von unter 2 Millionen Franken (2008) auf fast 6 Millionen Franken (2010).
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.01.2010, 15:33 Uhr
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