Schweiz

Wie die SVP den Kauf der neuen Kampfjets retten will

Der Bundesrat soll die Mängel der Armee mit einem Spezialkredit finanzieren. So würden Mittel frei für den Kauf neuer Kampfjets. Dies fordern SVP-Politiker.

Prioritäten setzen bei der Verteidigung: Kampfjet Saab Gripen.

Prioritäten setzen bei der Verteidigung: Kampfjet Saab Gripen.
Bild: Keystone

Neuer Kampfjet kaufen oder untaugliche System reparieren? SVP-Sicherheitspolitiker Ulrich Schlüer.

Neuer Kampfjet kaufen oder untaugliche System reparieren? SVP-Sicherheitspolitiker Ulrich Schlüer.

Artikel zum Thema

Mängelliste

Das VBS hat am 7. März im Internet unter dem Titel «Herausforderungen der Armee» eine Art Mängelliste aufgeschalt. Die Situation der Armee wird insofern als ernsthaft bezeichnet, «als dass immer wieder neue Mängel an die Oberfläche dringen. Die bereits in der Vergangenheit dargelegten Mängel werden dadurch intensiver und anforderungsreicher bei deren Bewältigung, heisst es im Bericht.

Weil dem VBS das Geld fehlt, will Ueli Maurer auf den Kauf von 22 neuen Kampfflugzeugen vorläufig verzichten. Der Überraschungscoup des Verteidigungsministers wirft Wellen - auch wenn vielen politischen Akteuren klar ist, dass Maurer nicht wirklich auf die Jets verzichten will. «Er will mehr Geld für sein VBS», vermuten Beobachter.

Seine Gefolgsleute wie SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer arbeiten auch schon fleissig an Varianten, wie man die teuren Fluggeräte trotzdem finanzieren könnte. «Die Schweiz kann auf die neuen Kampfjets nicht verzichten», sagt der Sicherheitspolitiker. Der finanzielle Spielraum des Bundes werde jedoch in den kommenden Jahren enger. Schlüer arbeitet darum jetzt einen Vorschlag für die SVP aus, wie man die Kampfjets trotz Finanzklemme beschaffen könnte.

Finanzielle Prioritäten setzen

Bundesrat und das Parlament müssen das VBS von den Altlasten der Ära Schmid/Keckeis befreien, so der Plan. «Bundesrat Maurer hat kürzlich eine Mängelliste VBS erstellt, deren Behebung das Armeebudget in den kommenden Jahren mit mehreren Hundert Millionen Franken jährlich belasten wird», sagt Schlüer. Sein Vorschlag: Für die Behebung dieser Mängel soll der Bund einen Spezialkredit beschliessen.

Dann werden pro Jahr grosse Geldmittel frei, die das VBS unter anderem für den Unterhalt der neuen Kampfjets einsetzen kann.» Bundesrat Maurers Antrag, auf neue Flugzeuge zu verzichten, erfolgte nicht zuletzt auch wegen damit verbundenen hohen Folgekosten - also wegen den künftigen wiederkehrenden Ausgaben für Unterhalt und Ersatzteile. Dies zeigte eine Vollkostenrechung des VBS.

Führungselektronik ist Fehlinvestition

Eine besonders krasse Fehlinvestition ist aus Sicht von Schlüer die «nicht oder ungenügend funktionierende Führungselektronik. Da wurde viel zu rasch viel zu viel weitgehend unkoordiniert investiert», erklärt der Zürcher Politiker. Mit diesem System will man die Einsätze der Truppe von einer zentralen Stelle in Bern steuern.

Will man es zum Funktionieren bringen, müssen laut Schlüer über eine längere Zeitspanne pro Jahre mehrere Hundert Millionen Franken investiert werden. Wird die Behebung solcher und anderer Mängel dem ordentlichen Militärbudget belastet, «dann leidet die Aufrechetrhaltung einer der heutigen Bedrohung angemessenen Armee.»

Die Schweiz müsse sich nun entscheiden: Neue Flugzeuge oder die Reparatur der Mängel? Für beides reiche das Geld nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.10.2009, 13:34 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

12 Kommentare

Ernst Boller

16.10.2009, 18:02 Uhr
Melden

Ich bin mit weit über 1000 Diensttagen sicher kein Armeegegner. Trotzdem sehe ich keinen Grund neue Kampfflugzeuge zu kaufen. "Kampf" gegen wen denn? Die alten kann man auch gleich verschrotten und Millionen Unterhaltskosten sparen. Antworten


Dominik Bücheler

16.10.2009, 18:00 Uhr
Melden

Es ist Zeit und sehr wichtig, dass wir uns mit aller Macht gegen den Heute absolut unnötigen Kauf von Militärflugzeugen wehren. Mit diesen Geldern würde man viel gescheiter die dringend benötigten zusätzlichen Eisenbahnlinien in der Schweiz ausbauen und neu Eisenbahnwagen und Trams kaufen, das würde erst noch zusätzliche Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen ! Antworten


Alexandra Weber

16.10.2009, 17:38 Uhr
Melden

Das ist wohl die grösste Lachnummer von UM. Die beste Armee ohne Luftraumüberwachung? Die Schweiz und das CH-Volk müssen aus der Luft beschützt und verteidigt werden. Dies von neuster Technik, durch neuste Jets. Das Geld ist mit Sicherheit da - kann der BR die UBS mit ... retten, können sicher auch für die Landesverteidigung ein paar Mia gefunden werden. AW Antworten


Burkhardt Robert

16.10.2009, 17:38 Uhr
Melden

Typisch SVP, wenns um wichtige Dinge geht (Bildung, Forschung, AHV/IV, ÖV etc.) immer nur sparen, sparen, sparen... am liebsten den Staat sowieso abschaffen, soll doch jeder selber schauen. Aber für das völlig unnötige, überteuerte, schlecht ausgebildete CH-Militär (war selber dabei, ich weiss wovon ich rede!) x-Milliarden ausgeben... echt unverständlich, deren Wahlerfolge! Antworten


Lucien Michel

16.10.2009, 17:23 Uhr
Melden

Junggeblieben Sogar Herr Maurer hat begriffen, dass diese neuen Kampfflugzeuge nichts anderes sind als tolle High-Tech-Geräte für ewig jungebliebene (sprich: kindische) Fliegertrüppler etc. - die wollen sich soo ein Spielzeug nicht entgehen lassen! Antworten


Patrick Haas

16.10.2009, 17:13 Uhr
Melden

Beim VBS wird seit Jahren gespart, während an anderen Orten die Budgets aus dem Ruder laufen. Es braucht wieder mehr Mittel für die Armee. Die Bedrohungslage kann sich schnell verändern, der Aufbau militärischer Kompetenz hingegen benötigt Jahre. Antworten


Fabienne Schäfli

16.10.2009, 13:35 Uhr
Melden

Ach bitte: welchen momentanen geführten "Krieg" wollen die mit Kamfpjets gewinnen? Den mit Libyen? Na? Es ist nicht zu fassen wieviel Geld man für unnöltigen Mist wie Kampfjets ausgeben möchte. An anderen Orten fehlen die Mittel, (IV...) aber nein, man ist dafür, Geld auszugeben für Mordwaffen anstatt Geld auszugeben um Menschenleben zu retten. Wie können Menschen mit einem solchen Gewissen leben? Antworten


Fritz Meier

16.10.2009, 13:33 Uhr
Melden

Die Schweiz muss sich nur für die nachstehende Variante entscheiden - nämlich: gegen den Kauf überflüssiger Flugzeuge und gegen die Reperatur der Mängel. Punkt um. Antworten


Boris Nork

16.10.2009, 13:33 Uhr
Melden

Nachdem die GSOA-Initiative gegen die Anschaffung neuer Kampfjets zustande gekommen ist, wird der Abstimmungstermin auf 2011 verschoben, damit in der Zwischenzeit noch schnell ein paar Flugzeuge eingekauft werden können. So wird der Volkswillen von Herrn Maurer (SVP) wahrgenommen. Antworten


karl stöcklin

16.10.2009, 13:31 Uhr
Melden

wer braucht solche flugzeuge ? ich glaube nur die aktienbesitzer dieser beschaffungsfirmen . Antworten


Mikael Feriencik

16.10.2009, 13:21 Uhr
Melden

nach wie vor stellt sich mir dir Frage, weshalb die Schweiz über 30 Flugzeuge benötigt. Finnland ist flächenmässig 8 mal grösser, hat aber lediglich 62 Kampfflugzeuge, also 4 mal weniger als die Schweiz! Und dazu noch über 1000km Grenze mit Russland... Antworten


andy gross

16.10.2009, 13:20 Uhr
Melden

Tja, ich hoffe nur die GSOA-Initiative wird angenommen, dann hört das Geschrei um diese Flieger endlich auf. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre