Wieder tritt ein Zuger Politiker wegen Veruntreuung zurück

Nach dem Zuger Stadtrat Ivo Romer hat nun der ehemalige SVP-Politiker Karl Betschart per sofort aus dem Gemeinderat Baar demissioniert.

Politikeraffären im Kanton Zug: Nach dem Zuger FDP-Stadtrat Ivo Romer ist nun auch der Baarer SVP-Gemeinderat Karl Betschart zurückgetreten. Die Stadt Zug am 5. November 2010.

Politikeraffären im Kanton Zug: Nach dem Zuger FDP-Stadtrat Ivo Romer ist nun auch der Baarer SVP-Gemeinderat Karl Betschart zurückgetreten. Die Stadt Zug am 5. November 2010. Bild: Keystone

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Im Kanton Zug treten zurzeit bürgerliche Exekutivpolitiker im Wochentakt zurück: Letzten Dienstag legte der Zuger Stadtrat und Finanzvorstand Ivo Romer sein Amt nieder. Der FDP-Politiker und Vermögensverwalter soll gemäss Strafanzeige eine Witwe um 7 Millionen Franken betrogen haben. Gestern demissionierte der Baarer Gemeinderat Karl Betschart per sofort. Der Ex-SVP-Politiker wurde erstinstanzlich verurteilt, weil er als Treuhänder 460'000 Franken veruntreut hatte. Die aussergerichtliche Einigung von letzter Woche wurde als Schuldeingeständnis gewertet.

Erstaunlich ist, wie lange sich Betschart im Amt halten konnte – und zwar in einer Gemeinde, die mit 22'000 Einwohnern fast so gross ist wie das benachbarte Zug und ebenfalls weltbekannten Firmen wie Glencore oder der Metro-Gruppe als Firmensitz dient.

Happige Vorwürfe

Kaum trat der ehemalige Zuger Kantonsratspräsident sein neues Amt in Baar an, berichtete die «Neue Zuger Zeitung» Anfang 2011 über happige Vorwürfe. Gemäss Strafanzeige und Zivilforderung soll Betschart von 1997 bis 2002 fast eine halbe Million Franken in die eigene Tasche abgezweigt haben. Als Treuhänder half er einem Niederländer eine Firma zu gründen, deren Konto er dann über Jahre heimlich plünderte. Zweimal profitierte auch seine Partei, als er für die SVP Rechnungen in der Höhe von 29'000 Franken beglich.

Dennoch forderte niemand seinen Rücktritt: weder der Baarer Gemeinderatspräsident Andreas Hotz (FDP) noch der SVP-Kantonalpräsident Manuel Brandenberg. Dieser sprach von einer «Vorverurteilung» und wollte «erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung über einen Rücktritt diskutieren».

Weiterer Veruntreuungsfall

Im August 2011 berichtete die Lokalpresse, dass Karl Betschart in einen weiteren Veruntreuungsfall verwickelt sei. Das Zuger Kantonsgericht verurteilte ihn, «der Klägerin 109'838 Franken nebst Zins zu bezahlen». Geklagt hatte der gleiche Niederländer. Doch Betschart zog das Urteil weiter ans Obergericht. Wieder gab es Sukkurs vom Baarer Gemeindepräsidenten: «Es ist nicht Aufgabe des Gemeinderats, seinen Rücktritt zu fordern.» Die «Neue Zuger Zeitung» hingegen verlangte, dass Betschart demissionierte.

Mitte November 2011 bekräftigte der 65-jährige SVP-Politiker, dass er weiterhin sein Amt ausüben wolle: «Wegen dieses privaten Rechtsstreits mein öffentliches Amt niederzulegen, könnte leicht falsch gedeutet werden, würde aber weder der Allgemeinheit noch mir selbst irgendeinen objektiven Nutzen bringen.» Immerhin trat er aus der SVP aus – freiwillig und ohne Druck, wie der Baarer SVP-Parteipräsident und heutige Zuger Nationalrat Thomas Aeschi erklärte. Betschart: «Ich bin und bleibe ein SVPler.» Im Dezember 2011 bestätigte nicht nur das Zuger Obergericht, sondern auch das Bundesgericht das Urteil gegen Karl Betschart.

Lobende Worte für Betschart

Unterdessen geriet der Zuger Stadtrat Ivo Romer in Schwierigkeiten. Ende November machte die «Weltwoche» publik, dass gegen ihn eine Strafanzeige wegen seiner Tätigkeit als privater Vermögensverwalter laufe – zwei Tage später kündete Romer seinen Rücktritt an. Damit stieg der Druck auf Betschart, sein Amt niederzulegen. Der Gemeinderat von Baar lobte gestern Betschart nach seinem Rücktritt als engagiertes und professionelles Mitglied des Gemeinderats und betonte, dass die «Causa Betschart» ein Fall der SVP Baar sei. Die SVP Baar verwahrte sich umgehend dagegen und betonte, dass dies in keiner Art und Weise der Fall sei. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.12.2012, 06:29 Uhr)

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Treuhänder und ehemaliger Gemeinderat: Der SVP-Politiker Karl Betschart. (Bild: PD)

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