Schweiz
«Wild gewordene Bürokratie»
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 04.09.2009 98 Kommentare
Die Drähte beim Bundesamt für Statistik liefen gestern heiss. Der Grund: Am Mittwoch ist bekannt geworden, dass die Behörde künftig Bussen um die 70 Franken aussprechen kann für Personen, die sich weigern, bei gewissen statistischen Erhebungen Auskunft zu geben. Der Bundesrat hatte klammheimlich die Auskunftspflicht für Befragungen eingeführt, indem er eine Verordnung änderte.
«Schikanöser Eingriff»
Besonders aufgeregt hat sich die SVP: «Das ist ein unnötiger und schikanöser Eingriff in die Privatsphäre», sagt der Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz. Jedermann werde plötzlich verpflichtet, auch sensible Angaben zu seiner Arbeitsstelle, seinem Lohn oder gar seinem Privatleben am Telefon preiszugeben. Es sei deshalb höchste Zeit, dass man «den Kutschern des wild gewordenen Bürokratiekarrens dezidiert in die Speichen greift». Er will «den Karren» in der nächsten Session mit einem Vorstoss bremsen. Für Amstutz ist klar: «Die Statistiken werden mit der Einführung der Auskunftspflicht noch weniger exakt.» Amstutz weiter: «Wenn die Leute wissen, dass sie eine Busse bekommen, wenn sie keine Informationen liefern, werden sie geradezu dazu verleitet, falsche Angaben zu machen.»
Vorwarnung per Post
Das lässt man beim Bundesamt für Statistik (BFS) allerdings nicht gelten: Befragungsinstitute haben sehr wohl Methoden, um herauszufinden, ob jemand falsche oder widersprüchliche Angaben macht, heisst es dort. Das BFS erhofft sich mit der Einführung der Auskunftspflicht exaktere Statistiken.
Ausserdem müsse niemand befürchten, vom Nachbarn oder von einem nichtautorisierten Befragungsinstitut verulkt zu werden, sagt Silvia Steidle vom BFS. Denn das BFS werde jeder zur telefonischen Befragung ausgewählten Person eine Woche im Voraus einen Brief schicken. Im Brief werden die Leute über den bevorstehenden Anruf aufgeklärt.
Notabene: Es gibt den Artikel 6 im Bundesstatistikgesetz. Er erlaubt dem Bundesrat die Auskunftspflicht bei Erhebungen einzuführen, «wenn es die Repräsentativität und die Vollständigkeit unbedingt erfordert». So war bislang bereits das Mitmachen bei Volkszählungen obligatorisch. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.09.2009, 08:21 Uhr
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98 Kommentare
Umfragen beantwortet man, wenn man Zeit dazu hat und nicht wenn das Telefon klingelt. Also anstatt nur ein Ankündigungsbrief gleich die Fragen mitliefern, oder noch besser die Umfrage übers Internet abwickeln - dann sind die Daten gleich erfasst (gibt halt wieder weniger Arbeit in den Amtsstuben). Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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