Schweiz

«Wir müssen eingestehen, wir haben überbordet»

Aktualisiert am 01.08.2009

Bundespräsident Hans-Rudolf Merz spricht den Betroffenen der Wirtschaftskrise zum Nationalfeiertag Mut zu. Mit Fleiss, Qualität und Zuverlässigkeit sei der Weg aus der Krise zu schaffen.

«Wir dürfen unsere Gemeinwesen nicht überfordern»: Bundespräsident Hans-Rudolf Merz.

«Wir dürfen unsere Gemeinwesen nicht überfordern»: Bundespräsident Hans-Rudolf Merz.
Bild: Keystone

Hans-Rudolf Merz im Gespräch

Teil 1: «Gestärkt wieder aus der Krise herausgehen» (Quelle: Schweizer Fernsehen / SF 1).

Teil 2: Merz zu den Leistungen des Bundesrats (Quelle: Schweizer Fernsehen / SF 1).

Es brauche wieder mehr Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft, sagte Merz in seiner Radio- und Fernsehansprache zum 1. August. Kritische Töne sparte er nicht aus: «Wir müssen (...) eingestehen, dass wir überbordet haben.» Die Krise sei aber auch eine Chance - gerade für die Wirtschaft, die jetzt Mut und Erfindergeist zeigen müsse.

Es sei nicht allen zum Feiern zu Mute, sagte Merz weiter. Die Arbeitslosigkeit sei ungewohnt hoch. Viele erwarteten in Zeiten der Krise Hilfe vom Staat. «Doch wir dürfen unsere Gemeinwesen nicht überfordern.» Sozialwerke könnten das Tief mildern, aber nicht beseitigen. Der Staat springe dort ein, wo Menschen unverschuldet in Not gerieten.

Besserung in Sicht

Merz sieht auch bereits «erste feine Silberstreifen am Horizont». Der Wiederaufschwung kündige sich an. «Lasst uns mit neuem Elan zu neuen Zielen aufbrechen.» Die Eidgenossenschaft habe in über 700 Jahren immer wieder glückliche und auch schwere Zeiten durchlebt.

Der Appenzeller wies zudem auf die Grenzen der am 1. August besonders gepriesenen Unabhängigkeit der Schweiz hin: «Wir müssen gerade in dieser Rezession auch erkennen, wie sehr unsere Wirtschaft auf die ausländischen Märkte angewiesen ist.» Trotzdem sei den Schweizern die Unabhängigkeit viel Wert.

«Stärkungsmomente» sind erkennbar

Bereits am Vorabend des 1. August stand Bundespräsident Hans-Rudolf Merz dem Schweizer Fernsehen Rede und Antwort – und äusserte sich mit Überzeugung zuversichtlich für die Zukunft.

Das Interview, das Hanspeter Trütsch mit dem Bundespräsidenten führte, drehte sich unter anderem um die Banken- und Wirtschaftskrise, die Kontroverse um das Bankgeheimnis und den internationalen Druck auf die Schweiz. Trotz des Drucks, unter dem die Schweiz politisch und wirtschaftlich steht, betonte der Bundespräsident seine Einschätzung, dass in vielen Bereichen schon «Stärkungsmomente» erkennbar seien. Die Schweiz werde aus der heutigen, schwierigen Situation in ein bis zwei Jahren gestärkt hervorgehen.

Keine Fehler des Bundesrats geortet

Auf die Frage nach den Leistungen der Regierung in dieser Zeit erklärte der Bundespräsident, dass der Bundesrat richtig gehandelt habe – und auch zum jeweils richtigen Zeitpunkt. Als Beispiele nannte er unter anderem die Bankenkrise, speziell auch in den USA, und die Massnahmen, um die Arbeitslosigkeit abzufedern. Mit Blick auf die Verschuldung vieler Länder zeigte Merz sich schliesslich überzeugt, dass solche Probleme der Schweiz dank der Schuldenbremse mit grosser Sicherheit erspart bleiben würden.

(bru/raa)

Erstellt: 01.08.2009, 13:19 Uhr

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