Schweiz

Wird ein Schweizer Präsident von Chile?

Eduardo Frei Ruiz-Tagle war von 1994 bis 2000 Präsident Chiles. Am 17. Januar will er die Spitze des südamerikanischen Staates nochmals erobern. Seit rund zwei Monaten besitzt er den Schweizer Pass.

Will wie sein Vater schon Präsident werden: Eduardo Frei sucht das zweite Mandat in Chile.

Will wie sein Vater schon Präsident werden: Eduardo Frei sucht das zweite Mandat in Chile.
Bild: Reuters

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Von hier stammt die Präsidentenfamile

Mitten im Wahlkampf hat Eduardo Frei Ruiz-Tagle am Freitag vor ausländischen Journalisten stolz seinen Schweizer Pass präsentiert. Vor zwei Monaten habe er das Schweizer Bürgerrecht erhalten. Dies berichtet die spanische Nachrichtenagentur EFE.

Wird also bald ein Schweizer Chile regieren? Bei der Präsidentenwahl hat im Dezember zwar keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielt. Der konservative Kandidat Sebastián Piñera und der frisch gebackene Schweizer Eduardo Frei müssen aber in einer Stichwahl am 17. Januar nochmals gegeneinander antreten. Ein Schweizer Chile-Präsident ist also immer noch möglich, auch wenn Kommentatoren die Chancen auf einen Sieg eher bei Piñeras sehen.

«Das erfüllt mich mit Stolz»

«Mein Grossvater war Schweizer und kam 1905 nach Chile, er heiratete eine Einheimische und lebte sein ganzes Leben hier. Bereits mein Vater (Eduardo Frei Montalva, erster christdemokratische Präsident Chiles von 1964 bis 1970, Anm d. Red) wurde nach dem Ende seiner Präsidentschaft Schweizer», sagt Frei Ruiz-Tagle gegenüber den Medien.

Auf die Idee, das Bürgerrecht zu beantragen, ist Frei Ruiz-Tagle 2008 gekommen, als er noch Präsident des Senats war und eine Schweizer Delegation von Parlamentariern empfing. Da sei die Sehnsucht nach dem Land seiner Vorfahren geweckt worden. «Vor zwei Monaten habe ich die Bestätigung erhalten, dass ich jetzt Schweizer bin. Das erfüllt mich mit Stolz.»

Aus dem Toggenburg

Die Heimatstadt seines Grossvaters, Eduardo Frei Schlinz, liege «im Kanton St. Gallen», so Frei gegenüber der Presse. In dem Dorf (das er nicht namentlich erwähnt) gebe es sogar eine Gedenktafel zu Ehren seiner Familie. Stimmt. Das Dorf heisst Nesslau-Krummenau und liegt im Toggenburg. Vor einigen Jahren kam die Botschafterin des Landes ins Dorf, um die Tafel zu besichtigen. Von dort sind die Freis nach Südamerika ausgewandert. Sein Vater (Eduardo Frei Montalva) hat die Gemeinde in den Neunzigerjahren gar einmal besucht.

Die Wetten stehen gegen ihn

Setzt sich am 17. Januar der konservative Kandidat Sebastián Piñera durch, wäre das eine politische Zäsur in Chile. Erstmals seit dem Ende der Pinochet-Diktatur würde die Rechte das Amt des Präsidenten erobern. Und damit würde auch kein Schweizer die Spitze eines südamerikanischen Landes erobern – es wäre schade.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2010, 08:42 Uhr

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