Wird jetzt Köppels Peitsche gestutzt?

Die SVP-Granden sind in Bad Horn eingetroffen. Einige sind mächtig sauer. Doch offenbar hat man es vorläufig noch lustig.

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Die Story ist bekannt: Der neugewählte SVP-Nationalrat Roger Köppel schreibt in seiner «Weltwoche» munter über seine Parteikollegen. Und zwar nicht nur Erfreuliches. Das gibt Streit. Ratskollege Ulrich Giezendanner tobt Ende Dezember bei TeleZüri: «Der Köppel schreibt über jeden Parlamentarier in der SVP, wenn ihm etwas nicht passt. Das hat schon vor den Wahlen angefangen, und jetzt geht das weiter, Stichwort Weisswein-Fraktion. Über sich schreibt er nichts! Das akzeptiere ich nicht. Einfach nicht!»

Giezendanner ist nicht der einzige, der sich aufregt. «Da braucht es eine Aufarbeitung», sagt auch Nationalrat Luzi Stamm der «SonntagsZeitung». Im Zentrum dieser «Aufarbeitung», die nun ab heute am Treffen in Bad Horn im Kanton Thurgau stattfinden soll, stehen zwei Texte der «Weltwoche»: ein Grundsatzartikel (manche nannten es «das Parteiprogramm») zur SVP-Politik, der bereits vor den Wahlen im Herbst erschien (und in dem Fuhrhalter Giezendanner mit einigen anderen Kollegen als «Sesselkleber» bezeichnet wurde), und ein Artikel zum überbordenden Alkoholkonsum im Bundeshaus, in dem auch einige SVP-Parlamentarier schlecht wegkamen.

Schon am Vormittag in die Gläser schauen

Lang ist mittlerweile die Liste jener SVP-Politiker, die in der Wochenzeitung schon einmal an den Pranger gestellt wurden. Es war Chefredaktor Köppel selber, der in einem Artikel vom vergangenen Mai eine Reihe von Parteikollegen als «gekaufte Politiker» abstempelte, bei denen man sich fragen müsse, in wessen Auftrag sie eigentlich im Parlament unterwegs seien. Dabei nannte Köppel die Ständeräte Roland Eberle und Alex Kuprecht oder die Nationalräte Sebastian Frehner und Jürg Stahl. Letzteren zählte die «Weltwoche» diesen Monat auch zur «Weisswein-Fraktion», die während der Sessionen jeweils schon vormittags in die Gläser schaue.

Kurz vor den Wahlen machten Köppels Autoren dann in der SVP-Fraktion eine ziemlich grosse Zahl «Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Windschlüpfige» aus. Die Nationalräte Lukas Reimann, Pirmin Schwander und Oskar Freysinger («fast so links wie manch ein Sozialdemokrat») gehörten ebenso dazu wie Ständerat Hannes Germann. Thomas Hurter, wie Germann Bundesratskandidat der Schaffhauser Kantonalpartei, brachte es auf eine Nennung als Klientelpolitiker (und wurde später ebenfalls den Gewohnheitstrinkern im Bundeshaus zugerechnet).

«Miserabel recherchiert»

Aber nicht alle regen sich auf. «Mich lässt kalt, was die ‹Weltwoche› schreibt», sagt Nationalrat Maximilian Reimann. «Aber es sollte zumindest stimmen.» Vieles, was Köppels Journalisten über SVP-Vertreter geschrieben hätten, sei «falsch und überzogen» und ganz einfach «miserabel recherchiert».

An der SVP-Tagung in Bad Horn dürften diese «Weltwoche»-Berichte nun ganz sicher Traktandum sein. Die Diskussionen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mal schauen, was nach aussen sickern wird – oder dann explizit in der nächsten «Weltwoche» zu lesen ist.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Artikel Köppels Peitsche der beiden TA-Autoren Philipp Loser und Alan Cassidy, der am 29. Dezember 2015 erschienen ist. Aktueller Anlass ist, dass am Freitag, den 8. Januar 2016, die Tagung in Bad Horn TG begonnen hat.

(Erstellt: 08.01.2016, 19:08 Uhr)

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