Wirtschaftsethiker Thielemann kommt mit einem blauen Auge davon
Aktualisiert am 08.04.2009 28 Kommentare
Die Schweiz erzürnt: Ulrich Thielemann. (Bild: Keystone)
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Diesen Entscheid fällten Rektorat und Universitätsrat auf Grund des nun vorliegenden Wortprotokolls.
Rektorat und Universitätsrat halten in einer gemeinsamen Stellungnahme vom Mittwoch fest, dass Thielemann bei seinen Aussagen vor dem Bundestagsausschuss das «richtige Augenmass» habe vermissen lassen. Auch habe Thielemann die Folgewirkung seiner Aussagen in der emotional angespannten Situation zwischen der Schweiz und Deutschland in erheblichem Masse nicht berücksichtigt. Dies sei angesichts des anstehenden Bundestagswahlkampfs «denkbar unpassend» gewesen. Die Universität habe sich denn auch klar von den Aussagen distanziert.
Über Drittmittel finanziert
Laut Rektorat und Universitätsrat können aber Thielemann auf Grund des nun vorliegenden Wortprotokolls keine weiteren schwerwiegenden Verfehlungen vorgeworfen werden. Seine inhaltlichen Aussagen könnten nicht Anlass für weitergehende disziplinarische beziehungsweise arbeitsrechtliche Massnahmen sein. Diese würden schwerwiegende Pflichtverletzungen voraussetzen, die über den bereits kritisierten Verlust des Augenmasses erheblich hinausreichen müssten. «In der Abwägung zwischen der für die Freiheit von Forschung und Lehre unentbehrlichen Meinungsfreiheit von Wissenschaftlern und dem, was ihm vorgeworfen werden kann, wird im Interesse der ersten von weiteren Massnahmen abgesehen», heisst es weiter.
HSG-Rektor Ernst Mohr hatte Thielemann wegen seiner Äusserungen bereits Anfang Woche scharf gerügt und von einem Imageschaden für die HSG gesprochen. Der 48-jährige Thielemann ist Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik. Seine Institutstätigkeit wird laut HSG über Drittmittel finanziert. Er ist Lehrbeauftragter der Universität St. Gallen. (sam/sda)
Erstellt: 08.04.2009, 13:39 Uhr
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28 Kommentare
Herr Thielemann hat an der Uni St. Gallen nichts mehr verloren! Seit längerer Zeit ist abzusehen, dass sich die einstige Kaderschmiede der CH dem Mitteltwert der Schweizer Unis und Hochschulen anzupassen versucht, ein weiterer Schritt in diese Richtung wurde nun mit Herr Thielemann unternommen... "was sind die „Papierli“ wert die auf Hochschulen gedruckt werden?" Es lebe Herr Affolter! Antworten
U. Thielemann selbst gab an, er habe von fehlendem Unrechtsbewusstsein f. d. Verweigerung des Informationsaustausches „bei den politisch dominierenden Kräften der Schweiz“ gesprochen. Gemäss dem Protokoll der öffentlichen Anhörung vor dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestags sprach er aber pauschal von „der Schweiz“. Diese Pauschalisierung ist unverschämt. Antworten
Ethik was ist das? Seine Interessen, rot-grüne Politik, ohne das Unwort Kommunissmus frei zu äussern? Auf Kosten der Bürger die dafür Steuern bezahlen! Frauenenpolitik durch Diebstahl an Männer zu finanzieren? Bürger der EU durch Steuern auszuplündern ohne jedes Unrechtsbewusstsein? Mehrheiten klauen bei den Minderheiten, das man dann Demokratie nennt? Antworten
Es ist einfach eine Sauerei, was wir mit dem Schweizer Bankgeheimnis anrichten. Wir ermöglichen u. a. kriminellen Ausländern, ihr mafiöses Geld auf Schweizer Bankkonten zu verstecken und verteidigen sie noch, obwohl nur sie selber und die Banken daran verdienen. Und wenn dann jemand (Thielemann) diese Sauereien auf den Punkt bringt, wird er in die Pfanne gehauen. Die Wahrheit kennt keine Grenzen! Antworten
Herr Thielemann kann als Bürger politische Platitüden äussern soviel er will, aber sein wissenschaftliches Niveau ist offensichtlich unter jeder Kanone und eine Peinlichkeit für die HSG. Er merkt ja nicht einmal, dass sein Argument "deutsche Steuern gehen die Schweiz überhaupt nichts an" eigentlich gegen jede Amts- und Rechtshilfe spricht! Antworten
@Michael Ernst, wieso wissen sie, dass er die Wahrheit gesagt hat, haben sie das Protokoll von seinem Auftritt im Bundestag gelesen? Auf jeden Fall hat er sich eine grosse Dummheit geleistet, das wäre so, als ob ein Schweizer an einer französischen Kochschule unterrichtet und dann die ganze Bevölkerung verdammt, weil einige Franzosen Stopfleber essen. Als Rektor hätte ich ihm fristlos gekündigt. Antworten
Die Überbewertung von Theoretikern: 1. Wirtschaftkapitäne werden von HSG-Gurus gedeckt, wenn es um MilionenBoniFragen geht. 2. Wirtschaftkapitäne zeigen Achselzuckend mit dem Finger auf HSG und meinen entschuldigend „da haben wir ja studiert.“ 3. HSG–Gurus hauen die CH in die Pfanne Die Frage stellt sich, was sind die „Papierli“ wert die auf Hochschulen gedruckt werden? ..es lebe die Praxis! Antworten
Dem Arbeitgeber, bei bester Gelegenheit in den Rücken fallen, ob berechtigt oder nicht. Die Ethik Fans sollen einmal versuchsweise dasselbe, in der Privatindustrie praktizieren. Vermutlich nur zweimal das Erste- und letzte Mal. Weshalb in einem solchen Fall aber ausgerechnet bei Intellektuellen, Ausnahmen gemacht werden sollen ist mir ein Rätsel. Antworten
Können denn so viele Leute NICHT lesen? T. hat als VERTRETER der HSG vor dem Bundestag gesprochen! Wenn ich von meiner Firma wo auch immer hingeschickt werde, um 'meine' Firma zu vertreten und dann z.B. über meine Vorgesetzten oder 'unsere' Produkte lästere, fliege ich raus, und zwar fristlos! Wo liegt also der Unterschied zu T.? Ethik? Schöne Ethik! Ich nenne dies: Verrat! Mit CH Steuern bezahlt! Antworten
Thielemann ist ein Verfechter des uneingeschränkten Wohnsitzprinzips, d.h. der Wohnsitzstaat darf beliebig besteuern, solange der Bürger nicht ausgewandert ist. Dies ist ethisch komplett unhaltbar, denn der Bürger hat sowohl Anspruch auf Verbleib in der Heimat als auch auf angemessene wirtschaftliche Entfaltungsfreiheit, was Deutschland aber faktisch abwürgt. Antworten
Die Schweiz hat sich wieder einmal als Schönwetter-Demokratie entpuppt. So lange alle alles mit der rosaroten Brille anschauen und kommentieren, ist alles gut. Aber wehe, jemand wagt es mal, etwas Kritisches zu sagen. Und wehe dieser kritische Geist ist dann noch nicht mal Schweizer und gar Deutscher! Da versagt dann der demokratische Geist, der angeblich ältesten Demokratie der Welt. Antworten
@Peter Drexler: genau, ich kann ihnen nur zustimmen. Trotz meines CH-Passes hat Thielmann völlig recht, und gerade als Wirtschaftsethiker sollte man den Mann wirken lassen. WIeso und Pleti wegen dem Thema Bankgeheimnis so derart reagieren ist m.E. sowieso nicht nachvollziehbar, profitieren doch nur wenige paar % von dieser höchst fragwürdigen Institution. Antworten
Ethik? Mit sehr viel Steuergelder ein langes Studium absolvieren und danach aus wirtschaftlichen und Steuergründen im Ausland sein Einkommen generieren? Das Beste kommt noch, man schiesst dann noch unverblühmt gegen seine neue Heimat. Ethik? Ethik-Proffessor? Braucht man für so etwas wirklich ein Studium und findet die HSG denn nicht einheimisches und intelligenteres Personal? Antworten
Eine unglaubliche Schande für den Wissenschaftsstandort Schweiz! Ein Dozent wird gerügt, weil er sich kritsch zur Beihilfe zur Steuerhinterziehung äussert. Das kann es doch wirklich nicht sein! Die Banken habens mit ihrem Einfluss geschafft! Für das Bankgeheimnis darf jetzt sogar auch die Bevölkerung verdummen. Ich fass es nicht... Antworten
Zitat aus dem offiziellen Protokoll der Anhörung im Bundestag: "...einmal haben wir die Stellungnahme der Universität St. Gallen, Herrn Thielemann..." Wenn dies keine offizielle Stellungnahme der HSG ist, was dann?Rektorat und Universitätsrat sind mehr als blauäugig + die akademische Freiheit eine faule Ausrede! Aber kuschen ist in der Schweiz en vogue. Rückgrat wird immer mehr zur Mangelware. Antworten
Thielemann soll ausreisen. Das Volk erlässt Gesetze, die andere Staaten zu respektieren haben. Mit anderen Worten beschimpft T. das Schweizer Volk, man habe kein Rechtsgefühl. Was heisst legitim? Wenn ein Land mit Steuervögten das Volk ausnimmt, ist das legitimer? Ein Lehrbeauftragter, der Unsinn erzählt, sollte entlassen werden. Die Stundenten werden mit falschen Argumenten ausgebildet. So nicht! Antworten





Petra Schulze
Selbstverständlich kann Herr Tielemann als Wissenschaftler seine Meinung frei äussern, als Wirtschaftsethiker muss er dies sogar. Seinen Mut, auch unter massivem öffentlichem Druck eine politisch nicht gewünschte These zu vertreten, bewundere ich! Seine "fehlendes Augenmass" liegt wohl eher darin, dass er ein leicht kündbarer Mitarbeiter ohne feste Berufung ist. Um so grösser ist sein Mut. Antworten