Schweiz

Wo die Einwanderung wehtut

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 14.04.2011 320 Kommentare

Ruinöser Steuerwettbewerb, Reichenzonen und explodierende Verkehrskosten: Die Einwanderung kostet mehr, als sie nützt, rechnen zwei Wirtschaftsjournalisten vor.

1/4 Bahn und Strasse kosten die öffentliche Hand in den nächsten 20 Jahren 260 Milliarden Franken: Pendler am Hauptbahnhof Zürich.
Bild: Keystone

   

Werner Vontobel. (Bild: Copyright «Blick»)

Philipp Löpfe. (Bild: Keystone )

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Eine Kosten-Nutzen-Analyse der durch die Personenfreizügigkeit stark gewachsenen Einwanderung ist schwierig – die Journalisten und Buchautoren Philipp Löpfe und Werner Vontobel wagen sich an eine volkswirtschaftliche Rechnung und kommen in ihrem Buch «Aufruhr im Paradies» zum Schluss, dass die Kosten überwiegen. Diese Punkte werden als tickende Zeitbombe beschrieben:

«Seefeldisierung»: Im Schweizer Mittelstand herrsche Angst. Angst, aus der eigenen Wohnung verdrängt zu werden. Das Phänomen geistert unter dem Namen «Seefeldisierung» durch die Medien: Günstige, gut erhaltene Wohnblöcke werden abgerissen und an deren Stelle Luxuswohnungen für neue Leistungsträger errichtet. Genauso gut könne man aber von einer «Zugerisierung» sprechen, schreiben die Autoren. Denn in Zug werde die «Seefeldisierung» auf die Spitze getrieben: Im Innerschweizer Kanton, der sich in 60 Jahren vom Armenhaus zur Region mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit gemausert habe, würden die Einheimischen an den Rand oder darüber hinaus verdrängt. So bestünden Pläne, wonach drei erst kürzlich komplett sanierte Mehrfamilienhäuser abgerissen und durch Luxusbauten ersetzt würden.

Steuerwettbewerb: Der Kampf um gute Steuerzahler habe ein ungesundes Ausmass angenommen. Eines von zahlreichen Beispielen, welche die Autoren für diese These heranziehen, ist der Tiefsteuerkanton Schwyz, der im November ein Defizit von 136 Millionen Franken budgetiert hatte – dennoch will die Regierung am tiefen Steuersatz festhalten. Der immer härter werdende Steuerwettbewerb lasse Kantone und Gemeinden zu drastischen Mitteln greifen: Auch die Raumplanung werde hemmungslos als Waffe eingesetzt. So hat die Luzerner Regierung angesichts knapper Baulandreserven für neue Wohnungen auf Industriebrachen 150 Quadratmeter Land verrechnet; für Superreiche hingegen hat sie 1500 Quadratmeter Land pro Einheit parzellieren lassen – an besonders sonnigen Wohnlagen.

Immobilienpreise: Die noch viel schädlichere Nebenwirkung des Steuerwettbewerbs sei die Ghetto-Bildung: «Die Reichen rotten sich zusammen und verlieren den Kontakt zu den Normalbürgern.» Wie stark tiefe Steuersätze mit hohen Immobilienpreisen zusammenhingen, habe eine Studie im Vorfeld der SP-Steuerinitiative gezeigt, welche die Immobilienverluste für die Banken bei Annahme der Initiative auflistete: Die Verluste reichten von 26,8 Prozent in Wollerau SZ bis 16,2 Prozent in Alpnach OW. Konkret wäre damit laut Studie eine 5,5-Zimmer-Wohnung von 150 Quadratmetern Wohnfläche statt 1,808 Millionen Franken nur noch 1,32 Millionen Franken wert gewesen. An Top-Wohnlagen in Zürich, Genf und Zug könnten Hausbesitzer heute Monatsmieten von 10'000 Franken verlangen. «Dies kann sich nur eine kleine Oberschicht leisten. Der Mittelstand muss sehen, wo er bleibt. Die Aufteilung der Schweiz in reiche, mittelständische und arme Wohngegenden schreitet unerbittlich voran.»

Arbeitsmarkt: Der hemmungslose Import ausländischer Leistungsträger habe auch eine Schattenseite, schreiben die Autoren, und zitieren den Vizedirektor des Bundesamts für Migration: «Einzelne Unternehmen stellen gelegentlich lieber junge Leute aus dem Ausland an als Einheimische, weil die Jungen zu günstigeren Konditionen arbeiten.» Die Personenfreizügigkeit verleite die Unternehmen dazu, nicht das beste, sondern das billigste Personal auszuwählen, «und das sind in der Regel nicht die einheimischen Arbeitskräfte». Damit verbunden sind der Lohndruck und die Umgehung der lohnschützenden flankierenden Massnahmen. Die Autoren demonstrieren anhand von Zahlenmaterial, dass die Löhne des breiten Mittelstands in den vergangenen Jahren verglichen mit dem Wirtschaftswachstum nur schwach gestiegen, teilweise sogar gesunken sind.

Grünfläche: Muss die Schweizer Landschaft für den Erfolg der Schweizer Wirtschaft büssen? Alles deute darauf hin, schreiben Löpfe und Vontobel und ziehen eine Avenir-Suisse-Studie heran. Gemäss diesen Zahlen wurde in letzter Zeit Jahr für Jahr eine Fläche von der Grösse des Walensees überbaut. Zwischen 2002 und 2008 verzeichne die Siedlungsfläche ein rasantes jährliches Wachstum von 27,4 Quadratkilometern pro Jahr, was einem Quadratmeter pro Sekunde entspricht. Diese Entwicklung gehe ungebremst weiter: Nach dem im November 2010 veröffentlichten Bauindex befänden sich schweizweit 67'000 Wohnungen im Bau – so viele wie nie seit 1994, als die Zahl erstmals erhoben wurde.

Verkehr: Die Schweiz ist die europäische Verkehrsdrehscheibe. Doch die Kosten dafür werden vom Nutzen nie und nimmer wettgemacht, wie die Berechnungen der Autoren zeigen. Nach Angaben des Bundes beträgt der Aufwand für das schweizerische Strassennetz in den nächsten 20 Jahren rund 180 Milliarden Franken, für das Schienennetz müssten 80 Milliarden investiert werden. Jährlich ergibt das insgesamt 13 Milliarden Franken – den Preis, den die Schweiz bezahlen müsse, wenn sie Verkehrsdrehscheibe bleiben will. Die Ratlosigkeit selbst der Bundesbehörden bringt die Autoren auf die Frage: Sind wir Schweizer in unserem Verkehrsnetz rettungslos gefangen? Ein Ausweg wären kostendeckende Mobilitätspreise, wie sie Reiner Eichenberger, Wirtschaftsprofessor an der Universität Freiburg, vorschlägt. Würde die Autofahrt durch den Gotthard kostendeckende 300 Franken kosten oder die Bahnfahrt Bern–Zürich 215 Franken, würden sich die Verkehrsteilnehmer «zweimal überlegen, ob sie nicht auch eine E-Mail schreiben könnten». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.04.2011, 15:20 Uhr

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320 Kommentare

Roberto Koch

14.04.2011, 16:31 Uhr
Melden 186 Empfehlung

Wenn der Bundesrat nur wollte, könnte er die Personenfreizügigkeit per dringlichen Bundesberschluss sofort aufheben. Wer dafür ist, soll es per Daumen auf bekunden. Antworten


Ramus Streller

14.04.2011, 15:33 Uhr
Melden 125 Empfehlung

Ich komme aus Zollikon. Ich wandere in 1 Monat nach Australien aus. Fertig Schweiz. Ich will einfach nicht in 5 Jahren mit 10 Millionen Menschen meine Waschkueche teilen.Schon jetzt wohne ich in einem Mietshaus im Kreis 8, wo sich 30 Nationen, Asylanten,exJugoslawien die Hand geben. Jeden Tag ist die Polizei hier, Schlaegereien zwischen den versch.Jugo Gruppen etc. Die Schweiz ist uebervoelkert Antworten



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