«Wohin wollt ihr den Blancho ausweisen?»
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 27.04.2010 34 Kommentare
Artikel zum Thema
Stichworte
«Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland» – im Fall des selbst ernannten Islam-Propheten Nicholas Blancho scheint dieses Sprichwort eine neue Bedeutung zu erhalten. Der umstrittene Prediger trägt zwar Bart und ein gehäkeltes, weisses Moslem-Käppchen – er ist aber Schweizer. Noch irritierender ist, was er in seiner Heimat predigt: Nicolas Blancho vertritt so radikale Ansichten über den Islam, dass sich nicht nur Schweizer, sondern auch die meisten Muslime davon distanzieren. Blancho will hier eine Parallelgesellschaft aufbauen und distanziert sich auch nicht von Steinigungen von Frauen.
Das stösst den Leserinnen und Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sauer auf. Fundamentalistischer Islam sei in der Schweiz fehl am Platz, so der Grundtenor, Blancho solle doch in ein Land auswandern, wo er seine Überzeugungen ausleben könne. «Ich finanziere ihm gerne sein Einwegbillett nach Saudiarabien und dann auf Nichtwiedersehen!», schreibt ein Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser im Forum. Doch einfacher gesagt, als getan, wie ein anderer Leser bemerkt: «Wohin wollt ihr den Blancho ausweisen? Das geht ja gar nicht, er ist ja Schweizer.»
Medien tragen Mitschuld
Also was tun mit diesem Mann, der sich in der Sendung «Arena» so friedfertig und aalglatt gegeben hat, dass man ihm rechtlich scheinbar nichts vorwerfen kann? Er verweist auf die Religionsfreiheit und darauf, dass er und seine Mitjünger die Regeln des Schweizer Rechtsstaates nicht verletzten. Für viele Leser ist grosse Vorsicht geboten. «Der politische Islam ist gefährlicher als jede Sekte und gehört verboten!», oder «Wehret den Anfängen!», fordern die einen. Toleranz gegenüber Fanatikern sei nicht angebracht. Ansonsten seien sie nicht mehr in den Griff zu bekommen. Andere empfinden Nicolas Blancho als ehrlich, weil er «nicht ständig von friedlichen Religion Islam schwadroniert» und endlich einmal aufzeige, was der Islam wirklich sei und wolle. Wieder andere halten den Bieler für harmlos, solange er «nur in seinem stillen Kämmerchen Steinigungen befürwortet».
Genau hier liegt jedoch der Knackpunkt, finden viele der Kommentierenden auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Das eigentliche Problem liegt nicht bei Nicolas Blancho, sondern ganz woanders: bei den Medien. «Er wäre der unbeachtete Nobody geblieben, der er war. Je verrückter und aggressiver ein Geltungssüchtiger herumtobt, desto mehr reissen sich die Medien um ihn und machen ihm zum Star», ärgert sich ein Leser. Die Plattform, die Blancho und seinen Überzeugungen zugesprochen werde, sei inakzeptabel. Das nütze niemandem, besonders nicht den gemässigten Muslimen in der Schweiz, die je länger über ihn berichtet wird, je mehr in denselben Topf geworfen werden wie Blancho und seine fundamentalistischen Islam-Brüder. «Keine Einladungen in die ‹Arena›, keine Interviews und all das fundamentalistische Gelaber verhallt ungehört!» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.04.2010, 13:50 Uhr
Kommentar schreiben
34 Kommentare
Ich finde es gut, dass die persönliche Meinung zu religiöse Ansichten jetzt neu hinterfragt wird. Blancho hat das recht zu glauben was er möchte, doch wir haben das recht seine irren Ansichten zu kritisieren und in Frage zu stellen. Die Trennung von Religion und Staat muss endlich vollzogen werden. Weder christlichen noch islamistische Extremisten sollte der Staat finanzielle Bevorteilen. Antworten
Die Förderung und Bewunderung von Multikulti führt dazu, dass sogar Schweizer sich den fremden Kulturen assimilieren und sich von der Schweizer Leitkultur desintegrieren. Tragen da nicht auch die Medien Mitverantwortung, wenn sie alles und jedes - Hauptsache es ist fremd - willkommen und gut heissen? Muss wirklich allem, was noch so abwegig ist, ein Podium geboten werden? Auch Blancho? Antworten





