Schweiz

Zermatt verärgert Gäste mit rigoroser Schneeräumung

Der Walliser Kurort Zermatt räumt diesen Winter den Schnee im Dorf erstmals konsequent aus dem Weg. Er will so die Gäste vor Ausrutschern schützen – und ist nun selber auf die Nase gefallen.

Die Winterromatik ist dem Dörfchen Zermatt aktuell abhanden gekommen.

Die Winterromatik ist dem Dörfchen Zermatt aktuell abhanden gekommen.

Weisse Winterromantik haben sie erwartet und sich grün und blau geärgert, als sie stattdessen viel braunen Matsch antrafen. In Zermatt dominierte über die Feiertage bei den Touristen ein Thema: die Schneeräumung. Denn der Nobelkurort am Fusse des Matterhorns wartete diesen Winter mit einer Überraschung auf, die bei manchem Feriengast aus dem Flachland Ratlosigkeit auslöste: Er hat dem Schnee im autofreien Dorf den Kampf angesagt und erstmals die Wege und Trottoirs konsequent von der weissen Pracht befreit. «Schwarz geräumt», wie der Strassenreiniger es nennt.

Der Grund dafür liegt auf dem Fuss: «Die Leute konnten mit ihren Ski- oder Halbschuhen nur schwer auf den verschneiten Wegen gehen», erklärt Gemeindepräsident Christoph Bürgin. Verschärft wurde das Problem in den letzten Jahren durch die häufigen Wechsel von Tauwetter und Kälteeinbrüchen. Sie verwandelten die Strassen in glatte Rutschbahnen, auf denen etliche Touristen unsanft zu Fall kamen. Viele Gäste beschwerten sich bei der Gemeinde, einige stellten, wenn auch erfolglos, sogar Haftpflichtansprüche.

Wie im Flachland

Um dies zu vermeiden, hat der Zermatter Strassendienst auf Anordnung des Gemeinderats nun gesalzen, gepflügt und geräumt – und damit eine Welle der Entrüstung losgetreten. «Schade, die winterliche, romantische Schneeidylle ist einer braunen Sauce gewichen», bedauert ein Besucher im elektronischen Gästebuch der Gemeinde die Aktion. «Diese schwarze Brühe ist einfach nur voll eklig», enerviert sich ein Zweiter.

Andere ärgern sich über verdreckte Schuhe, trauern dem Schlitten-Spaziergang mit den Kindern nach, beklagen die aufgeriebenen Pfoten des Hundes oder sprechen gar aus, was jeder Zermatter als Beleidigung sondergleichen empfinden muss: «Befinde ich mich im Flachland, oder was soll das?»

Dass sich hinter diesen Voten mehr als nur die Lust am Mäkeln verbirgt, räumt selbst der Zermatter Tourismusdirektor Daniel Luggen ein. «Ich muss den Klagenden Recht geben», sagt er. Die Schneeräumung habe in den letzten Wochen tatsächlich einen Matsch hinterlassen, der weder schön noch viel sicherer gewesen sei. Luggens Tourismusbüro war über die Neuerung zwar informiert, hat deren Folgen aber unterschätzt. «Wir sind eben davon ausgegangen, dass die Strassen schwarz sind und nicht braun», sagt er entschuldigend.

Die Gemeinde verspricht Besserung

Heute wäre der Tourismusdirektor froh, er hätte wie viele seiner Konkurrenten die romantische Kraft weisser Strassen schon früher erkannt. In Grindelwald verwarfen die Behörden zuerst die Hände und kurz darauf auch den Antrag, als der lokale Werkhof der Einfachheit halber einst ebenfalls auf Schwarzräumung umstellen wollte. Und in Davos besteht auch aus ästhetischen Gründen sogar ein Salzverbot im Dorf: «Die Idee ist, die Trottoirs weiss zu halten», sagt Räumungschef Norbert Gruber.

Diesem offensichtlichen Kundenwunsch will sich nun auch Zermatt wieder beugen. Man werde sich die Reklamationen zu Herzen nehmen und dem Schnee in der nächsten Saison wieder mehr Platz einräumen, verspricht Gemeindepräsident Bürgin, auch wenn er dabei noch ziemlich ratlos klingt. Denn mit den Tipps aus dem Gästebuch der Touristen – die Besucher sollen sich Spikes an die Schuhe schnallen oder gleich selber Splitt mitbringen – kann er sein Problem auch nicht lösen.

Strassen pflegen wie die Pisten

Für Tourismusdirektor Luggen ist derweil klar, dass Zermatt den Umgang mit der geliebten, aber glatten Winterpracht im Dorf professioneller anpacken muss. «Längerfristig kommen wir nicht darum herum, die Strassen wie die Skipisten zu pflegen», sagt er. Und meint damit: Für jede Witterung und jeden Strassenzustand sollte das passende Mittel zur Hand sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.01.2009, 22:43 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

17 Kommentare

ursula Lehmann

06.01.2009, 23:14 Uhr
Melden

Auch wir Einheimischen vermissen die gemütlichen weissen Strassen in Zermatt.Mit Boden putzen kommt man im Geschäft nicht mehr nach.Wir können nur hoffendass sich unser Gemeinderat die Reklamationen wircklich zu Herzen nimmt und etwas daraus lernt.In Zukunft MUSS unser Dorf wieder in WEISS erstrahlen, für die Gaste und Bewohner ,so dass beim anblick Zermatt Freude aufkommt statt Frust und Aerger. Antworten


Reto La Roche

06.01.2009, 22:24 Uhr
Melden

Genau aus diesem Grund, werde ich die mir sonst so lieblich gewonnene Skiregion nicht mehr aufsuchen, die machen wirklich alles nur noch den "Touris" zuliebe...schade! Antworten


Hanspeter Gasser

06.01.2009, 20:17 Uhr
Melden

Ich lade alle Zermatter freundlich ein, nach Toffen ins Gürbetal zu kommen. Da ist nichts schwarzgeräumt - ganz im Gegenteil: Tief verschneite Strassen soweit das Auge reicht, blanke Eisbahnen, die sich kilometerweit über Trottoirs und Strassenränder erstrecken, ein von den Schneeräumungsdiensten fast unberührtes Dorf laden zum Verweilen ein. Abenteuer garantiert. Antworten


Roger Stadelmann

06.01.2009, 16:36 Uhr
Melden

wir müssen mal wissen was wir wollen, die einen beschweren sich wenn der schnee geräumt wird die anderen wenn er nicht geräumt wird. wenn wir verunfallen weil nicht geräumt wurde kommen beschwerden. was verlangt ihr da von denn verantwortlichen, wie sollen sie es richtig machen können wenn jeder was anderes will? schon mal daran gedacht. ich sag nur nobody is perfect, aber man muss es wohl sein Antworten


Amanda Kleeb

06.01.2009, 14:19 Uhr
Melden

Uns beeindruckte mit wieviel Geschick, Können und einfachen Mitteln die Einheimischen in Brunwald, ihre Wege mit dem vielen Schnee und Eis oder auch Matsch pflegten. Der Schnee, auf den Wegen und Strassen gab eine sensationell schöne Stimmung. Alles in weiss, wunderschön natürlich, erholsam. Bravo Brunwald Schwarzräumung, wer genau verlangt dies denn in Zermatt?! Antworten


Ursula Nicolet

06.01.2009, 13:11 Uhr
Melden

Welche einen Stumpfsinn! Zermatt ist ein Winterkurort . Seit Jahren hatten wir nicht mehr soviel Schnee, und da kommt dem Gemeinderat nichts bessers in den Sinn als eine Schwarzräumung anzuordnen. Vielleicht - so hoffe ich wenigstens - sehen die Herren Politiker ihren Unsinn ein. Ganz abgesehen davon, dass der ganze "Gätsch" in die Vispa geworfen wird. Was sagt wohl der WWF dazu? Antworten


Rolf Bänziger

06.01.2009, 12:50 Uhr
Melden

Was haben wir doch für wirklich grosse Probleme! Einfach lachhaft, wenn es eigentlich nicht zum Heulen wäre... Antworten


Momo e Vane

06.01.2009, 12:05 Uhr
Melden

Schwarzräumung in einem Skigebiet ist so absurd - wie künstliche Schneepisten in einer Stadt (z.B. Basel am Spalenberg). Wer nach Zermatt fährt - und wir gehen seit über 40 Jahren dorthin, kennt die Bedingungen. Man geht ja auch nicht in Sandalen oder Highheels in den Himalaya. Es müssten nur die Ladengeschäfte und Hausbesitzer zur Wegbarkeit ihrer Trottoirs und Zufahrten angehalten werden. Antworten


Charly Pelizzoni

06.01.2009, 12:02 Uhr
Melden

Vor 40 Jahren gab es noch Schlitten und Pferde,war das noch schön auf diesem flecklein Erde. Die El.Taxis haben diese nun verbannt,Fortschritt wird dies heute genannt. Jetzt geht man dem Schnee auch noch an den Kragen, so werdet ihr die nicht Skifahrer verjagen !! Juhee!!!! Wir hoffen bis wir kommen,liegt im Dorf wieder viel Schnee!!!!! Antworten


Peter Schuppli

06.01.2009, 11:41 Uhr
Melden

Der Entscheid zur Schwarzräumung (Unfallverhütung) ist zwar nachvollziehbar wenn auch wenig verständlich. Völlig unzumutbar ist hingegen, dass über die ganzen Festtage nur gepflügt und gesalzen wurde. Von Schwarzräumung und Risikoreduktion keine Spur - im Gegenteil. Zermatt hat sich an Weihnachten und Neujahr in einem kläglichen Zustand gezeigt. Es ist zu hoffen, dass der Entscheid überdacht wird. Antworten


Rita Lysser

06.01.2009, 09:56 Uhr
Melden

In 3 Wochen werde ich in Zermatt in den Skiferien sein. Wenn das wirklich so gruuusi ist, ist mir die Ferienlaune jetzt schon vergangen, obschon Zermatt das schönste Skigebiet überhaupt hat. Antworten


Barbara Lutz

06.01.2009, 09:50 Uhr
Melden

Als langjähriger Gast in Zermatt erstaunt mich die Empörung über das "Schwarzräumen". Da ich 20 Jahre hören musste, wie gefährlich es immer auf den winterlichen Strassen von Zermatt sei. Nun wird etwas getan und es ist auch wieder nicht recht. Angepasstes Schuhwerk wäre angesagt und das Problem gelöst. Antworten


Caspar Jenny

06.01.2009, 09:18 Uhr
Melden

Ich war jetzt 10 Tage in Davos. Die ganze Sache hat aber schon zwei Seiten. Fürs Auge ist er Schnee oder was davon noch übrig ist sicher schön. Vielerorts ist es aber blankes Eis. Ich selber bin schwer gestürzt, obwohl ich sehr gut zu Fuss bin. Auch wird von den Gemeindebetrieben versucht mit fast täglichem Rauhen die Lage zu entschärfen. Aber wie fast überall. Allen Recht gemacht ist schwierig. Antworten


Peter Muri

06.01.2009, 09:18 Uhr
Melden

Wir haben unsere Winterferien viele Jahre in Zermatt verbracht. Ueber die rigorose Schneeräumung haben wir uns aufgeregt. Wenn wir Ferien in einem Winterkurort verbringen, erwarten wir keine Schwarzräumung, sondern wissen, dass wir Winterschuhe tragen müssen. Hoffentlich überlegt sich die Gemeinde gut, wie sie nächste Saison die Strassen "pflegen" will, wenn es auch einige Franken mehr kostet! Antworten


brigitta colombo

06.01.2009, 09:09 Uhr
Melden

ich finde die hysterische räuumerei generell ein quatsch! richtige schuhe, langsamer fahrenn (da wo gefahren werden darf) und schon ist das problem gelöst. ältere oder unsichere leute können auch einen gehstock zur hilfe nehemn. hat man früher auch so gemacht und die menschheit hat überlebt! Antworten


René Schibli

06.01.2009, 06:44 Uhr
Melden

Der braune Matsch in Zermatt besteht nicht nur dieses Jahr, sondern war schon in den vergangenen Jahren anzutreffen. Es erinnerte uns an einen "gruusigen" Tag in irgend einer Grossstadt und dies ist auch der Grund, dass wir Zermatt seither meiden. Auch dort, wo keine Elektromobile fahren wurde gnadenlos aus Schnee Matsch gemacht. Interessiert in Zermatt keinen, der Rubel rollt! Wie lange noch? Antworten


Bruno Froehlich

06.01.2009, 01:46 Uhr
Melden

Die Idee ist so absurd, wie wenn jemand in meiner neuen Heimat Insel Lesbos, den Strand voller Saegemehl streuen moechte, da die Sandkoerner die nackten Fuesse kitzeln. Zermatt hat zwei Reize; Matterhorn und meist Schnee im Winter. Diesen gilt es Sorge zu tragen. Oder braucht es Hinweisschilder : Stoeckelschuhe in der Bar, festes Schuhwerk im Schnee, bis dorthin ! Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokale Suche

Marktplatz