Zermatt verärgert Gäste mit rigoroser Schneeräumung

Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 05.01.2009 17 Kommentare

Der Walliser Kurort Zermatt räumt diesen Winter den Schnee im Dorf erstmals konsequent aus dem Weg. Er will so die Gäste vor Ausrutschern schützen – und ist nun selber auf die Nase gefallen.

Die Winterromatik ist dem Dörfchen Zermatt aktuell abhanden gekommen.

Die Winterromatik ist dem Dörfchen Zermatt aktuell abhanden gekommen.

Weisse Winterromantik haben sie erwartet und sich grün und blau geärgert, als sie stattdessen viel braunen Matsch antrafen. In Zermatt dominierte über die Feiertage bei den Touristen ein Thema: die Schneeräumung. Denn der Nobelkurort am Fusse des Matterhorns wartete diesen Winter mit einer Überraschung auf, die bei manchem Feriengast aus dem Flachland Ratlosigkeit auslöste: Er hat dem Schnee im autofreien Dorf den Kampf angesagt und erstmals die Wege und Trottoirs konsequent von der weissen Pracht befreit. «Schwarz geräumt», wie der Strassenreiniger es nennt.

Der Grund dafür liegt auf dem Fuss: «Die Leute konnten mit ihren Ski- oder Halbschuhen nur schwer auf den verschneiten Wegen gehen», erklärt Gemeindepräsident Christoph Bürgin. Verschärft wurde das Problem in den letzten Jahren durch die häufigen Wechsel von Tauwetter und Kälteeinbrüchen. Sie verwandelten die Strassen in glatte Rutschbahnen, auf denen etliche Touristen unsanft zu Fall kamen. Viele Gäste beschwerten sich bei der Gemeinde, einige stellten, wenn auch erfolglos, sogar Haftpflichtansprüche.

Wie im Flachland

Um dies zu vermeiden, hat der Zermatter Strassendienst auf Anordnung des Gemeinderats nun gesalzen, gepflügt und geräumt – und damit eine Welle der Entrüstung losgetreten. «Schade, die winterliche, romantische Schneeidylle ist einer braunen Sauce gewichen», bedauert ein Besucher im elektronischen Gästebuch der Gemeinde die Aktion. «Diese schwarze Brühe ist einfach nur voll eklig», enerviert sich ein Zweiter.

Andere ärgern sich über verdreckte Schuhe, trauern dem Schlitten-Spaziergang mit den Kindern nach, beklagen die aufgeriebenen Pfoten des Hundes oder sprechen gar aus, was jeder Zermatter als Beleidigung sondergleichen empfinden muss: «Befinde ich mich im Flachland, oder was soll das?»

Dass sich hinter diesen Voten mehr als nur die Lust am Mäkeln verbirgt, räumt selbst der Zermatter Tourismusdirektor Daniel Luggen ein. «Ich muss den Klagenden Recht geben», sagt er. Die Schneeräumung habe in den letzten Wochen tatsächlich einen Matsch hinterlassen, der weder schön noch viel sicherer gewesen sei. Luggens Tourismusbüro war über die Neuerung zwar informiert, hat deren Folgen aber unterschätzt. «Wir sind eben davon ausgegangen, dass die Strassen schwarz sind und nicht braun», sagt er entschuldigend.

Die Gemeinde verspricht Besserung

Heute wäre der Tourismusdirektor froh, er hätte wie viele seiner Konkurrenten die romantische Kraft weisser Strassen schon früher erkannt. In Grindelwald verwarfen die Behörden zuerst die Hände und kurz darauf auch den Antrag, als der lokale Werkhof der Einfachheit halber einst ebenfalls auf Schwarzräumung umstellen wollte. Und in Davos besteht auch aus ästhetischen Gründen sogar ein Salzverbot im Dorf: «Die Idee ist, die Trottoirs weiss zu halten», sagt Räumungschef Norbert Gruber.

Diesem offensichtlichen Kundenwunsch will sich nun auch Zermatt wieder beugen. Man werde sich die Reklamationen zu Herzen nehmen und dem Schnee in der nächsten Saison wieder mehr Platz einräumen, verspricht Gemeindepräsident Bürgin, auch wenn er dabei noch ziemlich ratlos klingt. Denn mit den Tipps aus dem Gästebuch der Touristen – die Besucher sollen sich Spikes an die Schuhe schnallen oder gleich selber Splitt mitbringen – kann er sein Problem auch nicht lösen.

Strassen pflegen wie die Pisten

Für Tourismusdirektor Luggen ist derweil klar, dass Zermatt den Umgang mit der geliebten, aber glatten Winterpracht im Dorf professioneller anpacken muss. «Längerfristig kommen wir nicht darum herum, die Strassen wie die Skipisten zu pflegen», sagt er. Und meint damit: Für jede Witterung und jeden Strassenzustand sollte das passende Mittel zur Hand sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.01.2009, 22:43 Uhr

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17 Kommentare

brigitta colombo

06.01.2009, 09:09 Uhr
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ich finde die hysterische räuumerei generell ein quatsch! richtige schuhe, langsamer fahrenn (da wo gefahren werden darf) und schon ist das problem gelöst. ältere oder unsichere leute können auch einen gehstock zur hilfe nehemn. hat man früher auch so gemacht und die menschheit hat überlebt! Antworten


Peter Muri

06.01.2009, 09:18 Uhr
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Wir haben unsere Winterferien viele Jahre in Zermatt verbracht. Ueber die rigorose Schneeräumung haben wir uns aufgeregt. Wenn wir Ferien in einem Winterkurort verbringen, erwarten wir keine Schwarzräumung, sondern wissen, dass wir Winterschuhe tragen müssen. Hoffentlich überlegt sich die Gemeinde gut, wie sie nächste Saison die Strassen "pflegen" will, wenn es auch einige Franken mehr kostet! Antworten



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