Zürcher Jihad-Reisender verhaftet: Anwalt spricht von «PR-Aktion»

Bei der Verhaftung eines jungen Jihad-Verdächtigen aus Winterthur sei es nur um die öffentliche Wirkung gegangen, lautet der Vorwurf des Anwalts.

Ein junger Jihadist fotografiert seine Mitkämpfer in der Provinz Raqqa im Norden Syriens.

Ein junger Jihadist fotografiert seine Mitkämpfer in der Provinz Raqqa im Norden Syriens. Bild: Reuters

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«Jihad-Reisender: Verhaftung vor der Ausreise», so betitelte die Bundesanwaltschaft (BA) vor zwei Wochen eine ihrer eher raren Medienmitteilungen. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Zumal sie von einer Premiere handelte: Erstmals war in der Schweiz jemand verhaftet worden, der sich einer Terrortruppe wie al-Qaida oder dem Islamischen Staat anschliessen wollte. So zumindest lautete der Vorwurf. Doch von Anfang an müssen die Ermittler damit gerechnet haben, dass sie den Beschuldigten nicht lange einsperren können. Die Bundesanwaltschaft beantragte nur 14 Tage Untersuchungshaft gegen den jungen Mann aus dem Raum Winterthur. Nun hat sie laut der NZZ darauf verzichtet, ein Verlängerungsgesuch zu stellen.

Nach 13 Tagen hinter Gittern sei der 25-jährige Secondo am Montag bereits wieder freigekommen, sagt sein Verteidiger gegenüber dem TA. Der Anwalt aus Bern, der sich zum ersten Mal öffentlich zum Fall äussert, macht den Ermittlern Vorwürfe: Bei der Verhaftung und der Kommunikation unmittelbar danach habe es sich um eine «PR-Aktion der Bundesanwaltschaft» gehandelt. Es sei ihr um die öffentliche Wirkung gegangen. In ihrer Mitteilung hatte die BA geschrieben: «Die Verhaftung dokumentiert die konsequente Strafverfolgung aller Personen in der Schweiz, die sich am jihadistisch motivierten Terrorismus zu beteiligen versuchen.» Dagegen könne man nichts haben, sagt der Anwalt, nur habe es mit seinem Mandanten «den Falschen erwischt». Der Tatverdacht, von Anfang an vage, habe sich nicht erhärtet.

Ermittler zeigen sich unbeirrt

Unbestritten ist, dass der Winterthurer am 7. April nach Istanbul reisen wollte, als er auf dem Flughafen Zürich verhaftet wurde. Es kam zu einer Hausdurchsuchung, seine elektronische Korrespondenz wurde sichergestellt und gesichtet. Aber trotz intensiver Ermittlungen ergaben sich bislang keine Beweise dafür, dass der Verdächtigte sich in Syrien oder dem Irak einer Terrorgruppe anschliessen wollte. Dies zumindest sagt sein Anwalt. Er geht davon aus, dass das Strafverfahren eingestellt und sein Mandat für die Untersuchungshaft entschädigt wird.

Die Bundesanwaltschaft wollte gegenüber dem TA nicht auf die Vorwürfe an ihre Adresse eingehen. Sie ermittelt weiter. Und das Zwangsmassnahmengericht hat immerhin ihre Anträge auf Ausweis- und Reisesperre sowie Meldepflicht hinaus gutgeheissen. Das heisst: Der Beschuldigte hat seinen Schweizer Pass vorerst abgeben müssen. Mehrmals wöchentlich muss er sich zudem auf einem Polizeiposten melden. Er darf fürs Erste überhaupt nicht mehr ins Ausland.

Winterthurer Haus durchsucht

Winterthur beschäftigt das Kompetenzzentrum Terrorismus der Bundesanwaltschaft intensiv. Der Sprecher der Bundesanwaltschaft, André Marty, bestätigt, dass es am vergangenen Freitag in Winterthur zu einer erneuten Hausdurchsuchung gekommen sei. Aus dem Stadtteil Wülflingen ist jüngst ein 18-Jähriger nach Syrien gereist. Der Konvertit aus katholischem Milieu hatte im Sommer 2014 die Lehre abgebrochen. Er spielte früher im FC Wülflingen Fussball. Jetzt soll er laut der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens vom Mittwochabend an der Kalaschnikow und an Maschinengewehren ausgebildet worden sein, aber noch nicht an Kämpfen teilgenommen haben.

Die Terrortruppe IS verbreitete im Januar die Meldung, dass ein weiterer Winterthurer, ein 21-Jähriger, in Syrien bei einem US-Luftangriff ums Leben gekommen sei. Ebenfalls aus Winterthur stammt ein Geschwisterpaar – er 16- und sie 15-jährig –, das nach Syrien gereist ist.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 23.04.2015, 08:54 Uhr)

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