Zugbillette: Fast niemand zahlt so viel wie die Schweizer

Eine Studie zeigt: In der Schweiz ist Zugfahren um einiges teurer als in anderen europäischen Ländern. Nun warnt der Konsumentenschutz davor, die Preise zu erhöhen.

Preise für Zugbillete (hin und zurück) kaufkraftbereinigt in Pfund

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Die britischen Forscher haben nicht nur schlechte Nachrichten für die Schweiz: Im Nahbereich – Distanzen von 5 bis 16 Kilometer – kommen Pendler hierzulande besser weg; nur in Spanien und Frankreich reisen Zugpassagiere billiger. Auch Jahres- oder Monatsabonnemente der regionalen Verkehrsbetriebe – zum Beispiel der ZVV-Netzpass im Kanton Zürich oder das Umweltschutz-Abonnement in der Region Basel – sind deutlich günstiger als in den meisten untersuchten Ländern. So zahlen Passagiere in den Niederlanden doppelt so viel für solche Abos, in Grossbritannien wird sogar fast das Vierfache verlangt.

Gerade mal 85 Kilometer ist Basel von Zürich entfernt. Doch ein Zugbillett zwischen den grössten Deutschschweizer Städten kostet ohne Halbtax-Abonnement 62 Franken hin und zurück – ein stattlicher Preis im Vergleich zu ähnlichen Zugdistanzen in anderen Ländern. Das zeigt eine englische Studie, die die Billettpreise in acht europäischen Ländern unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Kaufkraft untersucht hat. So zahlt ein spanischer Pendler nur halb so viel für die gleich lange Strecke Madrid–Toledo und zurück.

Städtefahrten teurer

Die «Fares and Ticketing Study» der britischen Kundenorganisation Passenger-Focus kommt zum Schluss, dass in der Schweiz Strecken zwischen 17 und 80 Kilometer deutlich teurer sind als in den anderen Ländern. Dabei schlagen vor allem längere Distanzen (41 bis 80 Kilometer) oben aus: Im Vergleich zu Schweden, Spanien, Italien und Frankreich zahlen Pendler hierzulande ein Drittel mehr oder sogar doppelt so viel. Nur in Grossbritannien müssen Pendler noch mehr zahlen. Auf mittleren Distanzen von 17 bis 40 Kilometern sind die Unterschiede weniger markant: In Spanien und Frankreich kostet ein Billet etwa die Hälfte, in Schweden, den Niederlanden und Italien etwa 20 Prozent weniger. Fast gleich teuer kommt ein solches Billett Pendler in Deutschland zu stehen. Wiederum führt nur Grossbritannien die Tabelle mit deutlich höheren Preisen an.

Die Studie lässt bei der Stiftung für Konsumentenschutz die Alarmglocken läuten. «Die hohen Preise stellen für mögliche ‹Gelegenheitsfahrer› ein grosses Hindernis dar und schrecken davon ab, für einzelne Fahrten auf den Zug umzusteigen», sagt Projektleiterin Josianne Walpen gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Sie betont jedoch, dass nur diejenigen Passagiere hohe Billettpreise zahlen müssten, die kein Halbtax oder GA besitzen. «Mit dem Halbtax und dem GA relativiert sich der Preis wieder.» Laut Walpen gehört die SBB nach wie vor zu den besten Bahnen, was Angebot, Komfort und Ausbau des Streckennetzes betrifft. Und dieses Angebot habe seinen Preis.

Preislimite erreicht

Walpen warnt jedoch: Künftige Preiserhöhungen der SBB dürften nur mit «spürbaren Verbesserungen der Leistung, der Infrastruktur und des Angebotes» einhergehen. Das Preisniveau hat für den Konsumentenschutz eine Limite erreicht, die nicht unbegründet überschritten werden dürfe. «Das würde von den Fahrgästen, die bereits jetzt mit überfüllten Zügen, Verspätungen oder mit dem Gefühl von Unsicherheit in unbegleiteten Zügen zu kämpfen haben, zu recht nicht verstanden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2009, 15:01 Uhr

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