Zwei Schwergewichte im Duell
Von Fabien Maienfisch/bt. Aktualisiert am 19.03.2010 14 Kommentare
Fingerfertig. Stadtpräsident Hans Stöckli hatte zwar ein Heimspiel, musste sich aber mit Händen und Füssen wehren. (Bild: Adrian Streun)
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Die Erwartungen am Mittwochabend waren gross im «Le Pavillon» in Biel. Die Spannung im Saal war spürbar. Gut 250 Interessierte folgten der Einladung der Bieler SVP und wollten die beiden Politiker im Duell sehen. Pünktlich betraten diese das Podium: Auf der linken Seite Alt-Bundesrat und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher, auf der rechten Seite der SP-Nationalrat und Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli. Als Ringrichterin und Moderatorin wirkte die Chefredaktorin des «Bieler Tagblatts», Catherine Duttweiler.
Gleich von Beginn an kämpften die beiden mit harten Bandagen, was vom Publikum mit Applaus honoriert oder Zwischenrufen bestraft wurde. Dabei erschien der Inhalt des Gesprächs als eher zweitrangig.
«Auch Linke sind Patrioten»
Ob Blocher die Abspaltung der BDP von der SVP bedaure, fragte die Moderatorin zum Einstieg. Für ihn sei es eine Scheidung gewesen, die für seine Partei positiv verlaufen sei, antwortete dieser. «Wir haben heute einen Bundesrat, der nicht nur das Etikett SVP trägt, sondern ein echter Vertreter der Partei ist.» Auch müsse er den Seeländer Parteikollegen keine Wahlunterstützung leisten, denn für Blocher ist klar: «Wer für direkte Demokratie ist, der wählt SVP.» Blocher erntete Applaus für diese Aussage.
Ungeduldig ergriff Kontrahent Hans Stöckli das Wort: «Ich will der SVP nicht das Rütli überlassen – auch Linke sind Patrioten und lieben die Schweiz.» Dann folgte ein schneller Schlagabtausch, der die links-rechts-Pole deutlich zum Vorschein brachte. Noch war nicht ersichtlich, wer aus dem rhetorischen Gefecht als Sieger hervorgehen sollte. Die Meinungen im Publikum standen hingegen fest: verhaltener Applaus für den Nationalrat, tosender Beifall für den Alt-Bundesrat.
Streit ums Völkerrecht
Duttweiler lenkte die Diskussion zum Hauptthema Volksinitiative. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Initiativen müssten sich unbedingt an zwingendes Völkerrecht halten und falls nicht, vom Parlament für ungültig erklärt werden, argumentierte Stöckli. Für Blocher ist das Völkerrecht hingegen von Fremden erdacht worden, und niemand dürfe ausländisches über Schweizer Recht stellen. «Wenn das Volk entschieden hat, ist die Diskussion beendet», fügt Blocher an. Stöckli wird lauter: «Entscheide des Volkes können nach einiger Zeit wieder umgekehrt werden.» Auch habe die direkte Demokratie das Völkerrecht mehrmals legitimiert – und das gebe es nur in der Schweiz und sonst nirgends.
Blocher-Krawatte für Stöckli
Blocher ärgerte sich über einen Punkt besonders: «Die SP will gewisse Initiativen gar nicht mehr zur Abstimmung zulassen.» Er riet Stöckli, einen besseren Abstimmungskampf zu führen. Stöckli entgegnete ihm: «Ich akzeptiere Volksentscheide immer, in Biel hatten wir unzählige während meiner Amtszeit.»
Nach über 90 Minuten rhetorischem Duell wurden die beiden Politiker langsam etwas müde und verloren sich in Details. Das Publikum verzieh zumindest dem Volkstribun das Abflauen der Diskussion. In der Fragerunde forderte ein Zuhörer Blocher auf, seine rote Krawatte dem Stadtpräsidenten als Zeichen der Versöhnung zu schenken – was dieser auch prompt tat.
Fazit: Inhaltlich konnte der Stadtpräsident dem Alt-Bundesrat problemlos Paroli bieten. Rhetorisch hingegen schaffte es Blocher einmal mehr, seinen durchaus hart kämpfenden Gegner zu bedrängen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.03.2010, 10:46 Uhr
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14 Kommentare
Hm, versucht sich Stöckli jetzt als Nachfolger von Leuenberger in Position zu bringen? 2012 wird er in Biel/Bienne voraussichtlich nicht mehr als Stadtpräsident antreten können wegen Amtszeitbeschränkung. Der Bieler Stöckli für den gebürtigen Bieler Leuenberger? Wieso nicht? ;) Antworten
































