Beim AKW Leibstadt gab es 2014 schon Probleme

Das stillgelegte AKW Leibstadt im Kanton Aargau soll Mitte Februar wieder ans Netz. Einen Zwischenfall gab es offenbar schon zwei Jahre vor der Stillegung.

Seit einem halben Jahr vom Netz: Das AKW Leibstadt im Kanton Aargau.

Seit einem halben Jahr vom Netz: Das AKW Leibstadt im Kanton Aargau. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Nach einem mehrmonatigen Stillstand bereitet das Atomkraftwerk Leibstadt im Kanton Aargau derzeit die Wiederinbetriebnahme vor. Das AKW ist seit einem halben Jahr vom Netz. Die geplante Jahresrevision dauerte 25 Tage. Doch die Anlage konnte danach nicht zurück ans Netz.

Bei den Brennstoffinspektionen waren lokale Verfärbung als Anzeichen für Oxidation an mehreren Hüllrohren der Brennelemente entdeckt worden. Von den 648 Brennelementen des Reaktorkerns wiesen 47 Elemente Verfärbungen auf. Nach den abgeschlossenen Untersuchungen reichte die KKL AG im Dezember die Sicherheitsbewertungen beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) ein.

Kritische Siedezustände

Die direkte Ursache für das Auftreten einer erhöhten Oxidation sei das Erreichen des kritischen Siedezustandes an der Hüllrohroberfläche, wie das ENSI in einer Mitteilung vom Dezember schrieb.

In diesem Zustand sei die Hüllrohroberfläche im Betrieb nicht mehr mit einem Kühlmittelfilm benetzt (Dryout), wodurch es lokal zu einem starken Anstieg der Oberflächentemperatur komme. Die erhöhte Oberflächentemperatur bewirke eine verstärkte Oxidation des Hüllrohrmaterials.

Die Atomaufsichtsbehörde ordnete die Befunde an den Hüllrohren im AKW im Rahmen der Internationalen Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse (INES) auf der zweituntersten Stufe 1 (Anomalie) ein.

10 Prozent reduzierte Leistung

Das ENSI bestätigt gegenüber der SRF «Rundschau», dass es wegen mangelnder Kühlung und übermässiger Oxidation bereits 2014 zu einem Zwischenfall in Leibstadt gekommen ist. Es sei Radioaktivität in den Kühlkreislauf freigesetzt worden.

Der Reaktor soll künftig mit einer 10 Prozent reduzierten Leistung gefahren werden, um die Sicherheitsmargen zu erhöhen, wie das KKL der «Rundschau» mitteilt.

Vorbereitungen für das Wiederanfahren

Der Stillstand des AKWs dürfte Betriebsausfallkosten in der Grössenordnung von 180 Millionen Franken verursachen. Man rechne mit Betriebsausfallkosten von rund einer Million Franken pro Tag, hiess es bei der Mediendienstelle der Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL) am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Das ENSI erteilte mittlerweile die Freigabe für die Kernbeladung des Reaktors. Die Vorbereitungen für das Hochfahren des Atomkraftwerks sind am Laufen. Der Termin zum Wiederanfahren der Anlage per Mitte Februar liegt gemäss AKW-Betreiberin «im Plan».

Die Freigabe der Aufsichtsbehörde stehe noch aus. Der Stillstand seit Anfang August hatte zur Folge, dass das 1984 in Betrieb genommene AKW an der Rheingrenze zu Deutschland im vergangenen Jahr 30 Prozent weniger Strom produzierte als 2015. (kat/sda)

Erstellt: 01.02.2017, 18:45 Uhr

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