Der Albtraum der SVP

Die Liberale Flavia Kleiner ist der Kopf der DSI-Gegenkampagne.

Operation Libero: Flavia Kleiner bei einer Veranstaltung gegen die Durchsetzungsinitiative Mitte Januar in Bern. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Operation Libero: Flavia Kleiner bei einer Veranstaltung gegen die Durchsetzungsinitiative Mitte Januar in Bern. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

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«Streitlust», sagte sie auf die Frage, was ihre Generation von Profipolitikern unterscheide. Und: «Eine erstaunliche Leidenschaftslosigkeit», wenn sie gefragt wurde, was sie an der Politik am meisten überrascht hatte. «Es ist so übel. Die SVP ist bereit, alles aufs Spiel zu setzen: Menschenrechte, Rechtsgleichheit, Wohlstand, Zufriedenheit, Glück. Und nur, um ihr politisches Game zu gewinnen. Man muss zeigen, dass sie nur Radaubrüder sind.»

Tatsächlich, Flavia Kleiner (25), Tochter aus einer FDP-Familie, Politikstudentin in Freiburg, Hobbys Tanz und klassische Musik, ist nah daran, der schlimmste Albtraum der SVP zu werden.

Noch im Herbst waren sich alle Profis einig, dass nur ein Wunder die Durchsetzungsinitiative stoppen könnte. Die SVP hatte bei den Wahlen gesiegt, die Parteien waren vom Wahlkampf erschöpft, die Wirtschaft spendete keinen Rappen, die Umfragen ergaben 66 Prozent Ja.

Mittlerweile hat der Wind gedreht. Die letzte Umfrage zeigte ein knappes «Nein», und die SVP beklagte sich über das «absurde Ausmass» der Gegenkampagne. Eine Kampagne, die die Schweiz so noch nie gesehen hat: Ihr Motor sind nicht Parteien und Verbände, sondern zivile Einzelpersonen, nicht zuletzt Hunderte Juristen. Das Herz der Kampagne ist eine Organisation einer neuen Art von Politikern: smarte, erbarmungslos höfliche, erbarmungslos präzise Studenten, die sich nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative zum Verein «Operation Libero» zusammenschlossen. Um die eigene Zukunft zu verteidigen: «Wir wollen die Schweiz als Chancenland, nicht als Freilichtmuseum.»

Kleiner, die trotz liberaler Haltung nie in die FDP eintrat («Sie kuscht vor der SVP»), wurde Co-Präsidentin und später Chefin des NGO-Komitees. Ohne Geld, aber mit sieben entschlossenen Leuten an Bord, entwarf man im Team erst die Strategie: Nicht auf die Tränendrüse drücken, sondern der SVP den Bruch mit den Pfeilern des Landes vorwerfen – Gewaltentrennung und Rechtsstaat. Das getan, führte das Team eine 4-Monate-24-Stunden-Kampagne: «Es ging um Aufklärung. Mit Informationen tight dran zu sein. Den Befürwortern auf dem Netz keine Ungenauigkeit, keine Lüge durchzulassen.»

Die jungen Amateure arbeiteten mit den jüngsten Profi-Kommunikationstools. «Parteien haben solide Strukturen, sonst ist aber vieles démodée», sagte Kleiner. «Das Problem ist doch: Die Stimmung in der Schweiz wird von einer Minderheit dominiert: der SVP. Diese ist nicht bürgerlich, sondern pur destruktiv. Und die 70-Prozent-Mehrheit bleibt schwach. Das muss man ändern.»

Und danach? «Es geht darum, die Schweiz als liberales, innovatives Land zu entwickeln. Gegen Besitzstandswahrung, für Lösungen. Wenn wir uns in der Schweiz umsehen, denken wir oft: Hier wurde seit zwanzig Jahren die Arbeit liegen gelassen.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 24.02.2016, 23:30 Uhr)

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