6 Fragen zum Schwimm-Urteil aus Strassburg

Auch muslimische Mädchen sollen in den Unterricht. Was, wenn sie trotzdem nicht erscheinen? Und welche Zahlen zu Fällen und Bussen liegen vor?

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Obligatorischer Schwimmunterricht verletzt die Religionsfreiheit nicht. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat gestern entschieden, dass auch muslimische Mädchen Schwimmlektionen in der Schule besuchen müssen. Das Urteil betrifft den Fall einer in Basel wohnhaften Familie. Die wichtigsten Fragen, die sich aus dem Urteil ergeben:

Was bedeutet das Urteil für die Schulen?
Die Schulen fühlen sich durch den EGMR-Entscheid gestärkt. «Wir können jetzt klar sagen, dass Schwimmen dazugehört», sagt Bernard Gertsch, Präsident des Schulleiterverbands, in der SRF-Radiosendung «Echo der Zeit». «Integration steht im Vordergrund.»

Wie reagiert die Familie auf das Urteil?
Die Familie hat sich zum Urteil bisher nicht geäussert. Christian von Wartburg, der ehemalige Anwalt der Familie, sagte in der SRF-Sendung «10vor10»: «Es schränkt die Religionsfreiheit ein.» Der Schwimmunterricht betreffe nur einen «geringfügigen Bereich unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens». Von Wartburg hält daher das Urteil für «nicht verhältnismässig».

Kommt es häufig vor, dass Eltern ihre Kinder aus religiösen Gründen nicht in den Schwimmunterricht schicken wollen?
Der Schulleiterverband hat die Fälle nicht statistisch erfasst – laut Gertsch sind es aber nur sehr wenige.

In Basel-Stadt wurden gemäss Erziehungsdepartement zwischen 2010 und 2016 insgesamt 43 Schwimmunterrichts-Bussen ausgesprochen. Der Betrag von insgesamt knapp 30'000 Franken verteilte sich auf neun Familien.

Was machen Schulen, wenn ein Kind aus religiösen Gründen nicht zum Schwimmunterricht erscheint?
Zuerst werde immer das Gespräch gesucht. «Wir haben gute Erfahrungen mit Vermittlern gemacht», sagt Gertsch. So werden beispielsweise Eltern mit der gleichen Glaubensrichtung ins Gespräch miteinbezogen. Die meisten Fälle liessen sich so lösen. Nur in einzelnen Fällen werde der Rechtsweg beschritten.

Was bringen Bussen?
Gertsch sieht Bussen als Druckmittel. «So kann man zeigen, dass der Schwimmunterricht obligatorisch ist und auch Konsequenzen drohten.» Aber: «Der Verlierer ist das Kind.» Im aktuellen Fall bringe die Busse nichts, denn: «Die Kinder haben nicht schwimmen gelernt.»

Hat das Urteil Auswirkungen auf andere Schulveranstaltungen?
Ja, sagt Gertsch. Etwa den Turnunterricht, wo das Tragen eine Kopftuchs immer wieder für Diskussionen sorge, oder im Klassenlager. «Da gilt jetzt immer diese Regel, dass Integration und Obligatorium Vorrang haben.» (woz)

Erstellt: 11.01.2017, 11:18 Uhr

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