Er wird es als Erster wissen

Der Politologe Peter Moser ist ein Meister der Hochrechnung.

Peter Moser, Vizechef des Statistischen Amts im Kanton Zürich. Foto: Doris Fanconi

Peter Moser, Vizechef des Statistischen Amts im Kanton Zürich. Foto: Doris Fanconi

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Fragt man ihn, wie die Volksabstimmung über die Durchsetzungsinitiative am Sonntag ausgehen wird, lacht er herzlich. Dann erklärt er, dass er ja auch nicht mehr wisse, als was schon in den Medien stand. Und schliesslich sagt er: «Die Initiative fällt wahrscheinlich durch.» Das liest er aus den Umfragen, vor allem aus dem Umstand, dass der Anteil der Unentschiedenen sehr klein ist. «Viel spannender ist, wie es bei der zweiten Gotthardröhre herauskommt.» Da können die Unentschiedenen das Resultat noch kippen.

Aber Prognosen sind eigentlich gar nicht das Geschäft von Peter Moser, dem Vizechef des Statistischen Amts im Kanton Zürich. Am Sonntag wird er, wenn es so läuft wie bisher immer, Punkt 12 Uhr mittags die erste verlässliche Hochrechnung für die Abstimmungsresultate aufschalten. Die gilt zwar allein für den Kanton Zürich. Aber erstens ist der Kanton Zürich für die Schweiz nicht ganz unbedeutend. Zweitens wird Mosers Hochrechnung der erste Strohhalm sein, nach dem Befürworter, Gegner, Instituts- und Stammtisch-Politologen greifen, um ihre Analysen so oder anders auszurichten.

Keine Zweifel an der Hochrechnung

Es steht ein «Grosskampftag» bevor, sagt Moser und lacht nochmals selbst über den martialischen Ausdruck, den er dem Abstimmungssonntag anhängt. Er erwartet eine aussergewöhnliche hohe Stimmbeteiligung von um die 60 Prozent. An der Zuverlässigkeit der Hochrechnung auch unter besonderen Umständen zweifelt er aber keine Sekunde. Vergangene Abstimmungsergebnisse, die Moser für seine Berechnungen hinzuzieht, sind eine aussagekräftige Grundlage. «Politische Einstellungen verändern sich nur sehr langsam», sagt Moser. Gerade wenn es sich um ideologisch aufgeladene Themen handelt – was bei der Durchsetzungsinitiative sicher zutrifft –, nimmt die Hochrechnung das Schlussresultat meist sehr genau vorweg.

Erste Ergebnisse tröpfeln schon am Vormittag herein, wenn die ersten Abstimmungslokale schliessen. Dann beginnt Moser den Computer zu füttern. Seine Modelle, sagt er, haben sich bisher als so stabil erwiesen, dass schon die Resultate von ein paar Dörfern ein zuverlässiges Bild bieten. Die Ergebnisse, die bis Mittag dazukommen, verändern es nur leicht.

Für den 52-jährigen Politologen, der seit 2000 bei der kantonalen Statistik arbeitet, sind die Hochrechnungen nur ein Bruchteil seiner Arbeit. Peter Moser leitet die Abteilung Analysen und Studien mit sechs Angestellten. Dem geringen Aufwand steht für ihn die grosse Wirkung entgegen. Das Interesse an den Hochrechnungen und an Mosers Analysen in den Tagen nach den Urnengängen ist gross. «Damit können wir zeigen, dass Statistik nicht nur Erbsenzählerei ist.» Ausserdem: Innert Stunden kann jedermann überprüfen, was die statistischen Methoden taugen. Denn es ist das Abstimmungsergebnis, das zählt. Nicht die Hochrechnung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2016, 19:33 Uhr

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