Über 8000 Asylsuchende untergetaucht oder ausgereist

Deutlich mehr Asylsuchende brechen ihr Asylverfahren ab, ohne den Bund zu informieren. Ausserdem steigen die Kosten für Gemeinden und Kantone trotz sinkender Asylzahlen.

Asylsuchende ohne Aussicht auf einen Verbleib tauchen häufig unter: Flüchtlinge bei der Grenzkontrolle am Zoll des Bahnhofs Chiasso. (22. April 2016)

Asylsuchende ohne Aussicht auf einen Verbleib tauchen häufig unter: Flüchtlinge bei der Grenzkontrolle am Zoll des Bahnhofs Chiasso. (22. April 2016) Bild: Ti-Press/Carlo Reguzzi/Keystone

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2016 haben in der Schweiz rund 27 500 Personen ein Asylgesuch gestellt, wie eine gut informierte Person der «NZZ am Sonntag» sagt. Das sind 12'000 oder 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Grund dafür sei, dass viele Flüchtlinge die Schweiz nur als Transitland nutzten und nach Deutschland oder Skandinavien weiterreisen wollten. Weil das gegen das Ausländergesetz verstösst, wies das Grenzwachtkorps diese Personen umgehend nach Italien zurück.

Trotzdem müssen Kantone und Gemeinden in den nächsten Jahren im Asylbereich mit Zusatzkosten im dreistelligen Millionenbereich rechnen, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Ein Teil der Kosten für anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene müssen ab diesem Jahr erstmals von Kantonen und Gemeinden übernommen werden.

Jeder zweite Asylbewerber erhält Bleiberecht

Seit dem Ausbruch des Syrien-Krieges vor fünf Jahren hat die Schweiz rund 50'000 Asylsuchenden – hauptsächlich aus Syrien und Eritrea – ein Bleiberecht erteilt. Die sogenannte Schutzquote ist von zwanzig Prozent im Jahr 2012 auf fünfzig Prozent gestiegen, weshalb erstmals hohe Zusatzkosten anfallen.

In den ersten fünf bis sieben Jahren trägt der Bund die Kosten für Sozialhilfe und Integration. Danach müssen die Kantone und Gemeinden die Kosten übernehmen. Wie hoch diese sein werden, ist noch nicht klar. Die Kantone fordern nun aber bereits, dass der Bund seine Beiträge erhöht. Sie investierten «mehr als doppelt so viel» in die Integration von Flüchtlingen, wie sie vom Bund erhielten, heisst es in einem Schreiben der Konferenz der Kantonsregierungen.

Mehr als 8000 Asylsuchende untergetaucht oder ausgereist

8166 Asylsuchende sind von Januar bis Ende November 2016 vom Radar des Staatssekretariats für Migration (SEM) verschwunden – ein Rekord. Ein Jahr zuvor waren es noch 5501 gewesen. Die meisten von ihnen verlassen die Schweiz. SEM-Sprecher Martin Reichlin bestätigte am Sonntag auf Anfrage eine entsprechende Meldung der «Schweiz am Sonntag». Es handelt sich dabei um Personen, die ihr laufendes Asylverfahren abbrechen, ohne das SEM zu informieren. Die Zahlen stammen aus der offiziellen Statistik des Staatssekretariats.

Die Mehrzahl der Untergetauchten stammt demnach aus afrikanischen Ländern, nämlich aus Eritrea (801), Gambia (792), Nigeria (716), Guinea (508), Algerien (504) und Somalia (494).

Als Hauptgrund für die Zunahme der «unkontrollierten Abreise» nennt Reichlin gegenüber der «Schweiz am Sonntag» die verschärfte und beschleunigte Asylpraxis in der Schweiz. Asylsuchende ohne Aussicht auf einen Verbleib würden über ihre geringen Chancen relativ rasch informiert und sich dann oft entscheiden, den laufenden Asylprozess vorzeitig zu verlassen.

Ein anderer Grund für ein «Verschwinden» sei die Wiedervereinigung mit nahestehenden Personen, die in einem anderen Land leben. Nach den vorliegenden Informationen verlasse der grösste Teil dieser Personen die Schweiz. Denn eine Zunahme von Sans-Papiers sei nicht zu verzeichnen. (ij)

Erstellt: 01.01.2017, 16:48 Uhr

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