Bäumle tritt ab – wer wird sein Nachfolger?

Martin Bäumle hat die Grünliberalen stark geprägt. Schon deshalb wird die Suche nach einem Nachfolger eine heikle Aufgabe für die Partei werden.

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Martin Bäumle tritt im Sommer als Präsident der Grünliberalen Partei Schweiz zurück. Seinen Rücktritt begründet der Zürcher Nationalrat damit, dass die Partei nach 10 Jahren auch ohne ihn als Präsident zurecht kommen werde. Die Partei habe sich in der Schweizer Politik etabliert. «Wir haben die Verbindung von Wirtschaft und Umwelt auf die politische Agenda gebracht. Mit zusätzlichen Themen und neuen Möglichkeiten zur politischen Partizipation sind wir bereit für die Zukunft.» Unter diesen Umständen könne er das Präsidium «optimistisch und mit gutem Gewissen» abgeben.

Bäumle hatte das Amt seit der Parteigründung im Sommer 2007 inne. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Bäumles soll an der Delegiertenversammlung vom 26. August gewählt werden.

Schwächeanfall und Burnout

Mit Bäumle als Motor und Verena Diener als Aushängeschild hatte die Partei noch im Gründungsjahr drei Sitze im Nationalrat und einen im Ständerat erobert. Den bisherigen Höhepunkt erlebten die Grünliberalen im Jahr 2011, als sie mit 12 Sitzen im Nationalrat und 2 im Ständerat Fraktionsstärke erreichten. Inzwischen waren auch zahlreiche Kantonalparteien dazugekommen.

«Ich bin erleichtert»: Martin Bäumle spricht über seinen Rücktritt als GLP-Präsident. (Video: sda)

Die Aufbauarbeit forderte von Bäumle ihren Tribut. 2012 erlitt er einen Schwächeanfall, 2014 einen Herzinfarkt. 2015 kam dann der Absturz für die Grünliberalen: Im Frühling schickte das Stimmvolk ihre Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» mit 92 Prozent Nein-Stimmen bachab. Bei den Nationalen Wahlen im Herbst schrumpfte die Zahl der Nationalratsmandate auf 7, in der kleinen Kammer ist die Partei nicht mehr vertreten.

Auswahl für die Nachfolge ist beschränkt

Laut dem Politgeografen Michael Hermann ist ein derart dominanter Präsident auch ein Handicap für eine Partei, weil andere nicht gross werden können. Da kann ein Wechsel durchaus eine Chance sein.

Das Image gerade einer jungen Partei mit wenig Exponenten werde stark durch das Präsidium geprägt. «Daher ist es sehr wichtig, wer das Amt innehat», sagte Hermann am Freitag auf Anfrage. Das sollte eine Person mit Ausstrahlung sein, die jedoch gleichzeitig auch Teamplayer ist, sagte Hermann.

Bäumles Kronprinz wurde abgewählt

In den Himmel wachsen die Bäume bei der GLP nicht. Nationale Ausstrahlung hat die Berner Nationalrätin Kathrin Bertschy, die in letzter Zeit bei verschiedenen Themen im Vordergrund stand, so etwa bei der Reform der Altersvorsorge.

Auch Fraktionschefin Tiana Moser ist national bekannt. Ob sie als dreifache Mutter das zeitaufwendige Parteipräsidium übernehmen möchte, ist jedoch fraglich. Der Berner Nationalrat Jürg Grossen ist mit einem eigenen Unternehmen ausgelastet. Und Isabelle Chevalley, die für die Staatsratswahlen in der Waadt einen Pakt mit der SVP eingegangen ist, könnte der Rückhalt in der Partei fehlen.

Bäumles Kronprinz Thomas Maier ist bei den eidgenössischen Wahlen 2015 abgewählt worden, desgleichen der Luzerner Roland Fischer. Möglicherweise setzt die GLP daher auf die Jungen. Das Präsidium der Jungen Grünliberalen teilen sich derzeit Salome Mathys und Pascal Vuichard.

(woz/fal/sda)

Erstellt: 19.05.2017, 16:37 Uhr

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