Mehr Hausärzte braucht das Land

Die Schweiz muss in den Nachwuchs investieren, aber richtig. Nur so ist der Ärztemangel zu beheben.

Die Schweiz bildet nur ein Viertel des Nachwuchses im Arztberuf selber aus. Foto: Keystone

Die Schweiz bildet nur ein Viertel des Nachwuchses im Arztberuf selber aus. Foto: Keystone

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Bis zu 3500 neue Ärzte absorbiert das schweizerische Gesundheitswesen jedes Jahr. Davon erwerben nur rund 900 ihre Ausbildung in der Schweiz. Über 1000 kommen jeweils aus Deutschland und die restlichen 1000 bis 1500 aus anderen europäischen Ländern. Die Schweiz bildet also nur ein Viertel des Ärztenachwuchses selber aus.

Dabei war die Schweiz einst Exportland von Ärzten, mittlerweile ist sie abhängig davon, dass ausländische Ärzte sie als attraktiven Arbeitsort betrachten. Zwar sparen wir mit dem Ärzteimport viel Geld. Würden die Humanmediziner mit ausländischem Diplom alle in der Schweiz ausgebildet, kostete das den Staat über eine Milliarde Franken pro Jahr. Für ein Land, das Bildung und Innovation als seine wichtigste Ressource preist, ist diese Auslandabhängigkeit bei der medizinischen Versorgung aber unhaltbar. Zudem steht es einem reichen Land schlecht an, derart von der Bildungsleistung anderer Länder zu profitieren.

Deshalb will der Bundesrat 100 Millionen Franken in zusätzliche Ausbildungsplätze investieren. Spätestens 2025 sollen in der Schweiz jährlich 1300 Ärzte ihre Ausbildung abschliessen. Doch auch damit wird die Schweiz mehr als die Hälfte der Ärzte aus dem Ausland rekrutieren müssen, zumal der Bedarf aufgrund der alternden Bevölkerung noch steigt. Der Bund sollte deshalb mehr neue Studienplätze finanzieren – aber nur unter der Bedingung, dass die Universitäten ihre Auswahlverfahren modifizieren. Die Eignungstests müssen stärker psychosoziale Faktoren berücksichtigen, damit nicht nur naturwissenschaftliche Talente Medizin studieren, die vorab Spezialärzte werden. Die Schweiz braucht dringend Hausärzte. Mit Spezialisten ist das Land in einigen Regionen hingegen überversorgt. Zudem muss das rasante Wachstum der Spitalambu­latorien hinterfragt werden, die zu den Kostentreibern im Gesundheitswesen gehören.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.02.2016, 21:10 Uhr)

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