Schluss mit Bomber-Investment

Nicht nur die Publica: Gleich mehrere Schweizer Pensionskassen stossen Beteiligungen an Rüstungsfirmen ab. Warum das neben Lob auch Kritik provoziert.

Zum Ausschluss empfohlen: Der grösste Rüstungskonzern der USA, Lockheed Martin Corp., der ausser Kampfjets auch Streumunition oder Antipersonenminen herstellt.

Zum Ausschluss empfohlen: Der grösste Rüstungskonzern der USA, Lockheed Martin Corp., der ausser Kampfjets auch Streumunition oder Antipersonenminen herstellt. Bild: Kevin J. Gruenwald/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Pensionskasse des Bundes, Publica, will in den nächsten Monaten fünf Rüstungsfirmen aus ihrem Portfolio ausschliessen und plant deshalb den Verkauf von Beteiligungen dieser Unternehmen. Dies gab die grösste Pensionskasse der Schweiz heute Morgen gegenüber Radio SRF bekannt. Damit folgt Publica der Empfehlung des Schweizer Vereins für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK ASIR). Der SVVK hatte im März eine schwarze Liste mit 15 Rüstungsfirmen veröffentlicht. Den angeprangerten Unternehmen wird vorgeworfen, gegen Schweizer Gesetze und internationale Konventionen zu verstossen – etwa, weil sie Streumunition oder Antipersonenminen herstellen.

Der Verein wurde Ende 2015 von der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich, Compenswiss (Ausgleichsfonds AHV/IV/EO), Complan, Pensionskasse Post, Pensionskasse SBB, Pensionskasse des Bundes Publica und Suva gegründet. Insgesamt bewirtschaften die sieben Gründungsmitglieder ein Anlagevermögen von über 150 Milliarden Franken. Die treuhänderischen Pflichten der Gründungsmitglieder verlangen nach einer Erweiterung des Anlageprozesses um die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance). Mit der Gründung nehmen die Mitglieder diese Verpflichtung gemeinsam möglichst effizient wahr.

Pensionskasse der Post schon ausgestiegen

Wie die Geschäftsführerin des SVVK, Jacqueline Oh, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigt, seien «momentan alle Mitglieder dran, die Empfehlungen umzusetzen, sprich die Firmen, welche sie im Portfolio halten, zu desinvestieren». So hat die BVK bereits Anfang März bekannt gegeben, nicht fünf, sondern gleich alle 15 Unternehmen auf der schwarzen Liste aus ihrem Portfolio zu entfernen. «Wir haben die Empfehlungen gleich nach der Publikation vollumfänglich umgesetzt», sagt Florian Küng, Leiter Kommunikation. Zudem habe die BVK ihr Portfolio einer CO2-Risikoanalyse unterzogen und entschieden, Kohleproduzenten aus den weltweiten Aktienportfolios auszuschliessen. Dies, weil infolge von Klimawandel und globaler Erwärmung die Reduktion und Begrenzung des Kohlenstoffausstosses im Zentrum der internationalen Bemühungen stehen würden.

Video – 86-Jährige prangert in Bern Bomber-Investments an:

Friedensaktivistin Louise Schneider mochte nicht mehr länger zuschauen und griff am Berner Sitz der SNB zur Demo-Spraydose.

Im Unterschied zur Publica hat die Pensionskasse Post bereits die Empfehlungen des SVVK umgesetzt. «Schon erledigt», erklärt denn auch Sprecher Adrian Klingele. Kurz vor dem Verkauf der Beteiligungen steht die Pensionskasse SBB: «Konkret werden wir Wertpapiere im Umfang von etwa 8 Millionen Franken verkaufen, was einem Anteil an unserem Gesamtvermögen von 0,046% entspricht», sagt Sprecher Patrick Zuber.

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP, der die Interessen von über 1000 Pensionskassen mit einem Vermögen von rund 400 Milliarden Franken vertritt, sagt, dass er im Sinne der Sensibilisierung und Aufklärung seine Mitglieder schon seit längerem auf diese Thematik hinweise. «Letztlich liegt, wie die Publica oder auch andere Pensionskassen zeigen, der Entscheid aber immer beim verantwortlichen Stiftungsrat», sagt Hanspeter Konrad, Direktor des ASIP.

Grund zur Freude herrscht bei der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoa), die Mitte April zusammen mit der Jungen Grünen, die Kriegsgeschäfte-Initiative gestartet hatte. «Das ist ein riesiger Erfolg, dass bereits zwei Monate nach der Lancierung so viele und grosse Pensionskassen zumindest einen teilweisen Ausstieg aus der Rüstungsindustrie beschlossen haben», sagt GSoA-Sekretär Lewin Lempert. Die Initiative richtet sich generell gegen die «Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» und geht damit weiter als die Empfehlungen der SVVK.

Lob und Kritik

Positive Rückmeldung auf diese Entwicklung gab es von Balthasar Glättli. Der grüne Nationalrat sitzt im Komitee der Volksinitiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» und hofft, dass es weitere Pensionskassen der Publica gleichtun. SVP-Nationalrat Thomas Aeschi sieht allerdings einen Nachteil: Wenn das Portfolio immer stärker eingeschränkt werde, sei das am Schluss vor allem für die Pensionskassenversicherten schlecht, so Aeschi. Er wolle deshalb mit einem Vorstoss erreichen, dass Vorsorge- und Versicherungseinrichtungen des Bundes nicht mehr Mitglied im Verein sein dürfen, der die schwarze Liste ausgearbeitet hat.

Wie die Pensionskasse SBB gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet mitteilte, erwarte man keine messbare Auswirkungen auf die Rendite. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2017, 11:50 Uhr

Artikel zum Thema

Kein Schweizer Geld für Waffenfirmen

Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) will dem Schweizer Finanzplatz Investitionen in die Rüstungsindustrie verbieten. Dazu wird demnächst eine Initiative lanciert. Mehr...

86-Jährige sprayt Nationalbank an

Video Um Investitionen in Rüstungskonzerne anzuprangern, hat eine Berner Friedensaktivistin heute Morgen zur Spraydose gegriffen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Grusel, Grusel: Taranteln krabbeln den Arm einer Frau in Kambodscha hoch, nachdem sie diese eingefangen hat 21. Juni 2017).
(Bild: Samrang Pring) Mehr...