«Ahmadinejad hat sich in Sachen Holocaust gemässigt»

Nahost-Experte Arnold Hottinger verteidigt das Treffen zwischen Ahmadinejad und Merz. Die Kritik am iranischen Präsidenten sei übertrieben.

«Der Schweiz blieb nichts anderes übrig, als Ahmadinejad zu empfangen.»: Nahost-Experte Arnold Hottinger.

«Der Schweiz blieb nichts anderes übrig, als Ahmadinejad zu empfangen.»: Nahost-Experte Arnold Hottinger. Bild: Keystone

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War es falsch, den iranischen Präsidenten offiziell zu empfangen?
Der Schweiz blieb nichts anderes übrig. Ahmadinejad ist ein Staatschef.

Der US-Präsident empfängt auch nicht alle Staatschefs, die an einer Uno-Konferenz in New York teilnehmen.
New York ist ein besonderer Fall. Die USA haben Mühe mit der Uno und betrachten deren Sitz als extraterritoriales Gebiet. Genf ist jedoch Teil der Schweiz.

Hätte das Treffen besser unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden?
Dann wäre der Vorwurf der Intransparenz laut geworden, Die Fotos des Treffens mögen einen falschen Eindruck erwecken. Aber zwei Staatschefs schauen sich nun mal nicht grimmig in die Augen.

Wie schätzen Sie Ahmadinejad ein?
Er ist eine umstrittene Figur, aber nicht der Teufel, zu dem er gestempelt wird. Er weist auf Punkte hin, die diskutiert werden müssen – etwa die Staatsgründung Israels. Was bedeutete das für die Bevölkerung, die zuvor dort gelebt hat? Und was für eine Politik betreibt Israel heute gegenüber den Palästinensern? Ist das nationalistisch? Oder gar rassistisch?

Ahmadinejad hat den Holocaust mehrfach als «Mythos» abgetan und Revisionisten zu einer Konferenz eingeladen. Muss man einer solchen Person überhaupt zuhören?
Ahmadinejad hat sich in Sachen Holocaust gemässigt. Er hat seine Position allmählich ein wenig geändert. Das ist nicht leicht für ihn. Im Osten fehlt die Literatur und das breite Wissen zum Holocaust. Im Westen ist das vorhanden. Hier hat der Holocaust auch stattgefunden.

Es macht Ihrer Ansicht nach also einen Unterschied, ob ein westlicher Mensch den Holocaust leugnet oder jemand aus dem Osten?
Das ist so. Im Osten kommt eine besondere emotionale Dimension dazu. Dort steht die Vertreibung des palästinensischen Brudervolks durch den Staat Israel im Vordergrund. Das führt dazu, dass zunächst mal falsche und tendenziöse Behauptungen über den Holocaust verbreitet werden können.

Wie fanden Sie Ahmadinejads Genfer Rede?
Sie war vergleichsweise gemässigt. Ahmadinejad steht vor den Wahlen. Deshalb musste er im Iran sein Prestige als unerschrockener Kämpfer hochhalten. Anderseits gab er sich Mühe, so diplomatisch wie möglich zu sein. Ob er tatsächlich eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA anstrebt, ist schwierig zu sagen.

Die Schweiz nimmt die Interessen der USA im Iran wahr. Wie stark setzt Präsident Obama noch auf diese Dienste? Er will ja direkt den Dialog mit dem Iran aufnehmen.
Die Vermittlerrolle der Schweiz war schon immer von sehr beschränktem Ausmass. Es geht darum, die wenigen noch verbliebenen Interessen der USA im Iran wahrzunehmen. Die Schweiz kann etwa im Fall der im Iran verurteilten US-Journalistin vermitteln. Darüber haben Merz und Ahmadinejad ja auch gesprochen. Wenn aber die USA beschliessen, mit dem Iran zu sprechen, dann tun sie das direkt. Oder sie ernennen einen Mediator.

Was sagen Sie zur Abberufung des israelischen Botschafters aus Bern?
Die rechtsgerichtete israelische Regierung wollte ein Zeichen setzen – und zwar in erster Linie an die Adresse der USA. Ihr ging es darum, eine gewisse Political Correctness aufrechtzuhalten: Mit einem finsteren Gesellen wie Ahmadinejad spricht man nicht, ist die Botschaft. Das ist Dogmatismus in der Politik.

Wie nachhaltig ist die Krise zwischen der Schweiz und Israel?
Das wird nicht sehr lange andauern. Die Politik und die Mehrheit der Schweizer sind grundsätzlich bereit, die israelische Sicht der Dinge zu teilen.

* Arnold Hottinger (83) war von 1961 bis 1992 Korrespondent für die NZZ und Radio DRS in Beirut, Madrid und Nikosia. Er ist ein profunder Kenner der arabischen Welt. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.04.2009, 00:06 Uhr)

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