Start von Leibstadt verzögert sich erneut

Das Atomkraftwerk Leibstadt steht weiterhin still. Zuerst wollten die Betreiber den Reaktor gestern hochfahren, nun ist auch der Termin von morgen geplatzt.

Leibstadt produziert seit August 2016 keinen Strom mehr.

Leibstadt produziert seit August 2016 keinen Strom mehr. Bild: Keystone

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Das Atomkraftwerk Leibstadt geht auch morgen Freitag nicht ans Netz. «Wir haben die Freigabe des Ensi zum Wiederanfahren noch nicht bekommen und können deshalb unsere betriebliche Planung nicht bestätigen», schreibt Sprecherin Karin Giacomuzzi auf Anfrage. Wann die Betreiber mit dem Neustart von Leibstadt rechnen, lassen sie offen.

Unklar ist auch, ob sie auf Geheiss des Ensi, der Atomaufsicht des Bundes, die Ursache für die Korrosionsschäden an den Brennelementen fundierter als bis anhin abklären müssen. Oder ob sich die Freigabe nur deshalb verzögert, weil das Ensi mit seiner Prüfung administrativ noch nicht so weit ist wie geplant. Das Ensi hat am Dienstag erklärt, es werde die Öffentlichkeit wie üblich auf seiner Website darüber informieren, wenn es die Freigabe – allenfalls mit Auflagen – erteile; das ist zumindest bis heute Morgen nicht geschehen.

Dienstjüngstes AKW der Schweiz

Ursprünglich hatten die Leibstadt-Betreiber vorgesehen, den Meiler, der seit August 2016 keinen Strom mehr produziert, gestern Mittwoch wieder hochzufahren. Am Dienstagmorgen sahen sich die Verantwortlichen veranlasst, die Anmeldung des Werks an der Energiebörse EEX in Leipzig vom Mittwoch auf den Freitag zu verschieben. Dies, weil sie vom Ensi noch kein grünes Licht für die Wiederinbetriebnahme erhalten hatten.

Leibstadt hat seinen Betrieb 1984 gestartet und ist damit das dienstjüngste Atomkraftwerk im Land – und das leistungsstärkste. Es produziert eigenen Angaben gemäss täglich Strom für zwei Millionen Haushalte und erfüllt damit einen «wichtigen Versorgungsauftrag gegenüber den Schweizer Stromkonsumenten». Sein Problem: Bei Brennstoffinspektionen wurden lokale Verfärbungen als Anzeichen für Oxidation an mehreren Hüllrohren der Brennelemente entdeckt. Von den 648 Brennelementen des Reaktorkerns wiesen 47 Elemente solche Verfärbungen auf. Grund dafür waren kritische Siedezustände, sogenannte Dryouts, im AKW, deren Ursachen noch nicht geklärt sind.

Betreiber sehen kein Sicherheitsproblem

Das Ensi stuft die Vorkommnisse im AKW Leibstadt auf Stufe 1 der internationalen Ereignisskala ein. Gemäss Definition ist das eine Störung, die allenfalls zu einem höherstufigen Folgeereignis führen kann. Auf der Website des Ensi heisst es, das Vorkommnis habe zu einer geringfügigen Reduktion der nuklearen Sicherheit geführt.

Die Leibstadt-Verantwortlichen hegen offenbar keine Sicherheitsbedenken. In einem Beitrag der «Rundschau» vom 1. Februar sagte Kraftwerkdirektor Andreas Pfeiffer: «Es ist unter den gegebenen Umständen für uns ein sicherer Weg, dass wir den Reaktor betreiben unter begrenzten Randbedingungen.» Die Ursachenanalyse werde noch Monate, vielleicht sogar ein Jahr oder mehr in Anspruch nehmen. SP, Grüne sowie diverse Umweltverbände zeigen sich darüber besorgt. Solange man im Dunkeln tappe, komme eine Wiederinbetriebnahme nicht infrage, so der Tenor.

Gemäss dem «Rundschau»-Beitrag ist geplant, aus Sicherheitsgründen die Leistung des Werks um zehn Prozent zu mindern. Die Leibstadt-Betreiber bestätigen das auf Anfrage nicht, dementieren es aber auch nicht. Man werde die Öffentlichkeit informieren, sobald das Kraftwerk wieder ans Netz gehe. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2017, 13:32 Uhr

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