Das sagen die Experten zum Start
von Newsnetz

Nur noch zwei Tage bis zum Start von Newsnetz. Die ganze Branche ist gespannt auf das neue Nachrichtenportal. Der Anspruch, im Internet Inhalte von hoher journalistischer Qualität bereitzustellen, wird begrüsst. Was erwarten Experten noch von Newsnetz?

Matthias Ackeret, Chefredaktor des Branchenmagazins «Persönlich»
Die Ambitionen von Newsnetz sind weitaus höher als die Risiken, damit zu scheitern. Die Internetwelt hat – mit einiger Verzögerung – nun auch die eher bedächtige Schweiz erreicht. Das Beispiel von Welt Online (welt.de) ist das beste Beispiel, dass es auch in einer medial übersättigten Gesellschaft immer noch möglich ist, neue und attraktive Nachrichtenportale zu betreiben, die ihre Nutzer auch finden. Zwei Fragen sind trotzdem erlaubt: 1.) Lässt sich ein solches Portal wirklich gewinnbringend betreiben? 2.) Schiesst man sich mit einem solchen Portal nicht ins eigene Bein und macht damit die hauseigenen Bezahlzeitungen endgültig überflüssig?

Marcel Zulauf, Redaktionsleiter von Blick Online
Ein neues News-Portal wird nicht anderen Sites Leser abwerben, sondern das Angebot erweitern und damit neue Leser in die digitale Medienlandschaft locken – wovon alle profitieren. Und der Start von Newsnetz zeigt auch, dass Zeitungen um einen starken Online-Auftritt nicht herumkommen.

Oliver Baumann, Medienjournalist «Aargauer Zeitung»
Dass «Tages-Anzeiger», «Basler Zeitung» und «Berner Zeitung» so massiv ins Internet investieren, ist sicherlich lobenswert und sollte Signalwirkung für andere Akteure in der Schweizer Medienbranche haben. Dennoch: Die beteiligten Verlage müssen erst noch beweisen, dass sich eine Online-Redaktion von dieser Grössenordnung auch wirklich finanzieren lässt.

Klaus J. Stöhlker PR-Experte
Die Zukunft gehört nicht dem quantitativen Journalismus, der sich hinter verschiedenen Titeln verbirgt, sondern dem qualitativen Journalismus für anspruchsvolle demokratische Leser. Solche Entwicklungen haben wir in den USA und in Frankreich, jetzt auch Newsnetz in der Schweiz. Ich begrüsse eine solche mediale Form, wenn sie guten Journalisten eine Chance gibt, den anspruchsvollen Leser zu informieren. Ich bin neugierig.

Roger Blum, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Bern, Präsident der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI)
Das Internet wird immer wichtiger. 77 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben Zugang. Viele Menschen nutzen das Internet vielfältig, auch um sich kundig zu machen über Ereignisse und Entwicklungen der Politik, der Wirtschaft, der Kultur und des Sports. Es ist daher begrüssenswert, wenn Nachrichten und Hintergründe qualitativ hochstehend aufbereitet werden, wenn an den Journalismus höchste Ansprüche gestellt werden. Und es ist zu begrüssen, wenn nicht nur Qualitätszeitungen und Service-public-Radios tief schürfen und den Horizont erweitern, sondern auch Online-Portale. Newsnetz hat vor, hier Masstäbe zu setzen. Man kann gespannt sein!

Kurt W. Zimmermann, Medienberater und «Weltwoche»-Kolumnist
Wenn ich eine News-Site im Internet nutze, dann weiss ich, was ich will: Ich will mich informieren. Ich weiss auch, was ich nicht will: Ich will nicht lesen. Lesen heisst: breite Hintergründe, Analysen, Dossiers, Kommentare und Kolumnen. Das will ich im Netz nicht. Dafür gibt es Zeitungen. Lesen kann man auch am nächsten Tag. Sich informieren heisst: knappe News, noch mehr News, Recherchen, Statements, Reaktionen. Das will ich im Netz. Dafür gibt es News-Sites. Sich informieren kann man nicht am nächsten Tag.

Karl Lüönd, Publizist
Auf dem Instrument Internet spielen können inzwischen fast alle. Die Orchesterbildung ist in vollem Gang. Aber das Konzertprogramm innerhalb des ganzen Kulturangebots wird erst nach und nach entwickelt. Newsnetz will eins der ersten wirklichen Schweizer Online-Medien sein und sucht sich seinen Platz im Musikleben der Medienbranche. Die Herkunft aus renommierten Häusern, das Commitment von Verlagen und Redaktion für journalistische Qualität und die Expertise der involvierten Kolleginnen und Kollegen berechtigen zu angenehmen Hoffnungen. Ich werde Newsnetz aufmerksam beobachten und nutzen. Besonders gespannt bin ich darauf, wie die Arbeitsteilung zwischen Print und Online organisiert wird.

Peter Röthlisberger, Chefredaktor von «Blick am Abend»
Blick.ch ist das derzeit bestbesuchte Nachrichten- und Unterhaltungsportal der Schweiz. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. In diesem Sinne wünschen wir dem Projekt unserer Berufskollegen einen guten Start.


Fredy Greuter, Redaktionsleiter NZZ Online
Wir von NZZ Online wünschen den Kollegen einen reibungslosen Start und freuen uns augenzwinkernd, dass sich zahlreiche Layout- sowie Service-Elemente von www.nzz.ch nun auch im Newsnetz wiedererkennen lassen. Wir werden genau verfolgen, ob das Newsnetz wirklich «nichts verpasst» und uns weiterhin verpflichten, für unsere Nutzer auf NZZ Online «wissen, was zählt» zu präsentieren.

Nick Lüthi, Chefredaktor des Medienmagazins «Klartext»
Was bis jetzt vom neuen Newsnetz zu sehen ist, lässt hoffen. Hoffen, dass sich Web und Journalismus auch bei Tamedia nicht länger widersprechen und das Netz endlich als das eingesetzt wird, was es eigentlich lange schon ist: ein Nachrichtenkanal par excellence. Und zwar nicht nur für gekürzte Agenturmeldungen, Blogs und lustige Bildchen. Sondern auch für eigenständige und kluge Qualitätsbeiträge, wie wir sie Tag für Tag auf Papier gerne lesen. Die Orientierung des Newsnetz-Layouts am Erscheinungsbild der Zeitungen gibt die Richtung vor: Web ist Zeitung ist Web.

Martin Hitz, freier Journalist, Berater und Blogger von Medienspiegel.ch
Auch Newsnetz wird das Internet nicht neu erfinden. Sicher wird Newsnetz sich aber darum bemühen, es besser als die anderen zu machen. Dazu gilt es vor allem von der weitverbreiteten Klickbolzerei Abschied zu nehmen und den Nutzen für die User in den Vordergrund zu stellen. Das heisst: Nicht möglichst schnell und möglichst viel, sondern möglichst relevante Nachrichten publizieren. Die User nicht mit aller Gewalt an die Website(s) binden und so tun, als ob das World Wide Web nicht existierte, sondern sie über Links zu relevanten Informationen auf externen Websites hinführen. Wie hat der kluge Dave Winer doch einst gesagt: «People come back to places that send them away». Die User nicht mit endlosen Bildergalerien belästigen, sondern sie über gute Multimedia-Reportagen staunen lassen. Und bitte keine Videos um der Videos willen. Und vor allem: Offene und verlinkbare Archive – und zwar auch für die Artikel der jeweiligen Print-Schwestern! Der Erfolg auf dem Werbemarkt dürfte sich so fast von alleine einstellen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.08.2008, 18:58 Uhr

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