Fragwürdige Abmachung – Strafanzeige im Fall Vals

Der Verkauf der berühmten Bündner Therme an den Investor Remo Stoffel wird zum Fall für die Justiz. Im Zentrum steht ein exklusives Verhandlungsrecht.

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Die Regierung des Kantons Graubünden hat wegen des Verkaufs der Therme Vals eine Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht. Grund ist der Verdacht auf strafrechtlich relevante Handlungen beim Verkauf.

Unter die Lupe genommen werden sollen insbesondere die Vorgänge bei der Vorbereitung des Verkaufs, wie Regierungspräsidentin Barbara Janom Steiner am Donnerstag in Chur vor den Medien erklärte.

Die Strafanzeige ist die Folge einer Aufsichtsbeschwerde eines Valser Stimmbürgers. Der Mann gehört zur Gruppe «Besorgte Bürgerinnen und Bürger Vals», welche seit Jahren dafür kämpft, den Verkauf rückgängig zu machen.

Fragwürdige Absichtserklärung

Hauptgrund für die Strafanzeige der Bündner Kantonsregierung zum Verkauf der Therme Vals ist eine Absichtserklärung zwischen Investor Remo Stoffel und dem damaligen Verwaltungsrat der Therme. Der Verwaltungsrat sicherte Stoffel ein exklusives Verhandlungsrecht zu und unterschrieb eine Entschädigungspflicht, sollte der Verkauf nicht zustande kommen.

Der Verwaltungsrat verpflichtete sich, dem Unternehmen Stoffelpart eine halbe Million Franken zu bezahlen, sollte er die Verhandlungen abbrechen oder das Kaufangebot nicht annehmen.

«Der Verwaltungsrat war bereit, sich an die Stoffelpart zu binden, noch bevor er deren Angebot kannte», erklärte Strafrechtsprofessor Mark Pieth am Donnerstag vor den Medien in Chur den Sachverhalt. Das werfe zumindest Fragen auf. Der international renommierte Korruptionsexperte war von der Regierung mit der Einschätzung des Falles beauftragt worden.

«Grosser Korruptionsfall»

Problematisch war offenbar auch die Informationspolitik des Verwaltungsrates: Als mit der Interessengemeinschaft Therme, einer Gruppierung rund um Thermeschöpfer Peter Zumthor, eine zweite Kaufinteressentin auftauchte, erhielt diese nicht den umfassenden Einblick in die Geschäftsunterlagen, wie zuvor die Stoffelpart.

In einem Interview mit dem Tagesanzeiger im Jahr 2015 hatte der St. Galler Strafrechtsprofessor Rainer J. Schweizer den Verkauf kritisiert. «Das versteht kein Mensch», sagte er damals. «Meiner Auffassung nach gehört der Verkauf der Therme zu den grossen Korruptionsfällen in Schweizer Gemeinden, vergleichbar mit jenem in Leukerbad.» Seines Erachtens hätten verschiedene massgebliche Beteiligte, mit persönlichen Interessen und unter Missachtung von Amtspflichten, den «Deal» mit Stoffel und Truffer eingefädelt und, ohne alle Zahlen offenzulegen, durchgesetzt.

Nach dem Interview hatte Stoffel angekündigt, er werde Klage erheben. Daraufhin einigten sich die Parteien in einem aussergerichtlichen Vergleicht – Rainer J. Schweizer entschuldigte sich und Remo Stoffel und dessen Partner Pius Truffer zogen ihre Klagen zurück. (sda)

Erstellt: 23.03.2017, 13:24 Uhr

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