«Unsere Studierenden brauchen mehr Zeit zum Denken»

Die neue ETH-Rektorin Sarah Springman kritisiert in einem Interview denkfaule Studenten. Die jungen Leute müssten aus ihrer Komfortzone geholt werden, fordert sie.

Will den Studierenden mehr Freiräume verschaffen: Sarah Springman.(9. Oktober 2014)

Will den Studierenden mehr Freiräume verschaffen: Sarah Springman.(9. Oktober 2014) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Die neue Rektorin der ETH Zürich wünscht sich, dass die Studenten an ihrer Hochschule kritischer mitdenken. «Die jungen Studierenden sind heute zwar viel weniger autoritätsgläubig als noch vor zwanzig Jahren», sagt Sarah Springman in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

«Aber sie sind eher passiv in den Vorlesungen und konsumieren vor allem, was ihnen präsentiert wird.» Das hänge damit zusammen, dass die Studienanfänger zwar physisch erwachsen aussähen, doch sei ihr Gehirn erst mit 25 Jahren fertig entwickelt. «Das reife Lernen, das reife Denken muss noch geübt werden», sagt sie. Dafür brauche es mehr Interaktion im Studium und mehr interdisziplinäres Arbeiten. Die Studenten müssten aus ihrer Komfortzone geholt werden.

«Weniger einzelne Prüfungen»

Im Oktober will sich Springman mit ihren Mitarbeitern in einer Klausur damit befassen, wie den Studenten mehr Freiräume geschaffen werden können. «Unsere Studierenden brauchen mehr Zeit zum Denken. Lernen alleine genügt nicht.»

Oftmals würden sie von einer Aufgabe zur nächsten hetzen, um möglichst schnell genügend Credits zu erreichen. «Es wäre gut, wenn wir etwas breitere Angebote hätten, die mehr zählen, damit die Studierenden weniger einzelne Prüfungen schreiben müssen», so Springman.

Studentenzahl steigt stetig

Ferner sagt Springmann, dass die ETH nicht mehr viel weiter wachsen dürfe. Seit dem Jahr 2000 sind die Studentenzahlen um rund 75 Prozent auf über 18'600 gestiegen.

«Die Grenze für uns liegt bei 20'000 Studierenden», sagt Springman. Man müsse den Zuwachs begrenzen: «Es gibt genügend gute Schweizer Studierende, da sind wir nicht auf solche aus dem Ausland angewiesen.» (dia)

Erstellt: 26.07.2015, 10:26 Uhr

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