US-Hersteller will neuen Schweizer Kampfjet liefern

Der Rüstungskonzern Lockheed Martin steigt mit dem hochmodernen F-35-Jet in den Wettbewerb ums neue Schweizer Kampfflugzeug.

Teurer als der Gripen: Der F-35-Kampfjet. Foto: Keystone

Teurer als der Gripen: Der F-35-Kampfjet. Foto: Keystone

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Er ist der Kampfjet der Zukunft und das teuerste Rüstungsgeschäft der Welt: der F-35 Lightning II Joint Strike Fighter. Mit über achtjähriger Verspätung hat die US-Luftwaffe am 2. August die Teil­einsatz­bereitschaft der Maschine erklärt. Der Jet des Herstellers Lockheed Martin wird in den nächsten Jahrzehnten das wichtigste Kampfflugzeug der US-Luftwaffe sowie mehrerer Nato-Staaten und Verbündeter sein. Bestellungen liegen derzeit aus einem Dutzend Länder vor, darunter aus Grossbritannien, Italien, Norwegen, Däne­mark, Australien und der Türkei.

Die Entwicklung des Prestigeobjekts war begleitet von Verzögerungen, technischen Problemen und Kostenüberschreitungen. Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im US-Senat, John McCain, bezeichnete das F-35-Programm mehrfach als «Skandal und Tragödie». Das Pentagon will rund 2500 Maschinen beschaffen, wobei der Stückpreis bei rund 155 Millionen Franken liegt – rund doppelt so viel wie budgetiert. Insgesamt werden gegen 3000 Stück des Flugzeugs produziert. Der Jet soll die Luftüberlegenheit der US-Luftwaffe und der Nato für die Zukunft sichern. Das Tarnkappenflugzeug ist unsichtbar für den gegnerischen Radar, kann senkrecht starten, und der Pilot verfügt dank Kameras und Computerdisplay auf dem Helmvisier über eine 360-Grad-Sicht.

«Eine grosse Gelegenheit»

Wie der sicherheitspolitische Informationsdienst «Jane’s» berichtet, wollen die Amerikaner nun auch ins Rennen um den neuen Schweizer Kampfjet steigen. «Das Schweizer Beschaffungsprogramm wird auf jeden Fall eine grosse Gelegenheit sein, um den F-35 anzubieten», sagte Jeff Babione, Vizepräsident von Lockheed Martin, letzten Monat an der Luftfahrtmesse im englischen Farnborough. Er sehe «absolutes Potenzial» für einen Verkauf der Maschine an die Schweiz. Bereits hat der Flugzeugbauer der PR-Agentur Farner ein Mandat erteilt, das Terrain zu sondieren.

In der Schweiz haben Anfang Jahr die Vorbereitungen für die Beschaffung neuer Kampfjets begonnen – nur zwei Jahre nach dem Volks-Nein zum Gripen. Verteidigungsminister Guy Parmelin hat dazu eine Expertengruppe und ein politisches Begleitgremium eingesetzt. Die Evaluation soll nächstes Jahr starten, der Typenentscheid ist 2020 geplant. Ab 2025 sollen die neuen Flugzeuge geliefert werden. Dann erreichen die 31 F/A-18-Kampfjets laut dem Verteidigungsdepartement das Ende ihrer vorgesehenen Lebensdauer.

Anlass zur Diskussion liefert die Frage, ob die Flugzeuge wie beim Gripen über einen Fonds oder über Rüstungsprogramme finanziert werden sollen. Gegen Rüstungsprogramme ist kein Referendum möglich. Jetgegner müssten dann wie bei der F/A-18-Beschaffung eine Volksinitiative lancieren. Das Begehren der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) scheiterte 1993 mit 57 Prozent Nein.

Duell gegen Saab

Neben Lockheed Martin hat der schwedische Saab-Konzern seine Absicht bekundet, der Schweiz erneut den Gripen verkaufen zu wollen. Im Auftrag der Schweden wirkt das PR-Büro «Die Konsulenten». Zudem hat Saab mit dem Schweizer Drohnenbauer UMS ein Joint Venture gegründet, dessen Leiter Ex-Armasuisse-Chef Jakob Baumann ist.

Zu erwarten ist, dass auch Airbus mit dem Eurofighter und Dassault mit dem Rafale erneut mitbieten. Von den Produktionskosten her wird der als Angriffsflugzeug konzipierte F-35 voraussichtlich der teuerste Jet sein. Allerdings könnte sich die hohe Stückzahl kostendämpfend auswirken. Die 22 Gripen-Jets hätten laut Bundesrat 3,126 Milliarden Franken gekostet, rund 140 Millionen pro Stück.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.08.2016, 21:48 Uhr

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